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Ramadan und seine Bedeutung

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Eleni
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New PostErstellt: 24.08.07, 18:44  Betreff: Ramadan und seine Bedeutung  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen

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Ramadan und seine Besdeutung

1.1. Der historische Hintergrund
Das Wort Ramadan ist arabischen Ursprungs. Der Ramadan ist der 9. Monat des Mondkalenders, in dem Muhammed mit 40 Jahren sein erstes Offenbarungserlebnis hatte: Lies im Namen deines Herren, welcher schuf; welcher den Menschen schuf aus einem Embryo; Lies; denn dein Herr ist der Allgütige, der den Menschen mit der Feder lehrt; den Menschen lehrt, was er nicht weiß. (96:1-5)1. Diese Offenbarung war der Beginn seiner Prophetenschaft, während der er die Religion des Islam verkündete. Solche ihm im Laufe von 22 Jahren immer wieder zuteil gewordenen Offenbarungen fügten sich zum Koran zusammen und begleiteten die im Wachsen befindliche junge Gemeinde. Eineinhalb Jahre nach dem Auszug der muslimischen Gemeinde nach Medina, zu der sie sich angesichts der Verfolgung in Mekka gezwungen sah, verkündete der Prophet eine neue Offenbarung, die da besagte: O ihr Gläubigen! Das Fasten ist euch vorgeschrieben worden, so wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben wurde. (2:183) Somit wurde das Fasten als dritte der fünf Säulen des Islam zum festen Bestandteil des Lebens der Muslime. Desweiteren wird in dem Vers darauf Bezug genommen, dass das Fasten bereits im Alten und Neuen Testament als eine Form des Gottesdienstes und der Buße vor Gott Erwähnung fand. Der Ablauf und die Regeln des islamischen Fastens wurden im Koran und in der Praxis des Propheten (arabisch: Sunna) definiert. Der Monat Ramadan, in dem ja in der laylat-al-kadr, in der Nacht der Bestimmung, die Erstoffenbarung des Koran stattgefunden hatte, wurde im Koran als der vorgeschriebene Zeitraum zum Fasten bestimmt. Seitdem fasten alle Muslime weltweit so, wie es Muhammed, seine Familie und seine Gefährten vor 1400 Jahren schon taten. Der Ramadan wird von den Muslimen stets mit Freude erwartet und als ein Neuanfang betrachtet, der dem Menschen immer wieder eine neue Möglichkeit bietet, an Leib und Seele zu genesen und die Nähe zu Gott wieder zu finden.

1.2. Wann fastet man? Wie fastet man?
Mit dem Beginn des Ramadan bricht die Fastenzeit2 an. Da der Ramadan ein Monat des Mondkalenders ist, dessen Jahr nur 354 Tage dauert, durchläuft er im Laufe von ca. 33 Jahren alle Jahreszeiten. Das heißt, dass der Muslim es lernt, die Entbehrungen des Fastens während drückender Hitze ebenso zu ertragen wie bei strenger Kälte. Das Fasten ist jedem Muslim und jeder Muslimin ab der Pubertät vorgeschrieben. Entbunden von der Pflicht zu fasten sind Kinder, Altersschwache, Kranke, Reisende und Frauen während der Menstruation, der Schwangerschaft und nach der Entbindung. Vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang sind Essen, Trinken, Einatmen von aromatischem Rauch, die Zufuhr von jeglichen Stoffen und geschlechtlicher Kontakt untersagt. Wenn am Morgen die Absicht zu fasten gefasst wurde, dieses aber vorzeitig gebrochen wird, gilt der betreffende Tag nicht als Fastentag und erfordert je nach Situation einen Ausgleichsakt. Allerdings gibt es eine Reihe erleichternder Regelungen, die dem Fastenden in verschiedenen Situationen entgegenkommen und diesen Ausgleichsakt minimieren. Denn überhaupt bietet der Islam genügend Freiräume, die sich in schwierigen Situationen nutzen lassen. Im Koran heißt es, dass Gott es den Menschen leicht machen will und von niemandem mehr verlangt, als er zu leisten vermag. So gibt es Regelungen, die einen vorzeitigen Abbruch von Fastentagen ermöglichen und vor allem für Menschen gelten, die vom Fasten völlig erschöpft sind. Erfolglos verlaufene Fastentage sollen bei nächster Gelegenheit nachgeholt werden. Wenn die Umstände aber auch das verbieten, so ist eine Armenspeisung vorgeschrieben. Am erstrebens-wertesten ist laut Koran aber zu fasten und gleichzeitig armen Menschen Speise zu geben. Wenn beide Alternativen nicht rea-lisierbar sind, so soll sich der Muslim in die Barmherzigkeit Gottes flüchten.

1.3. Der Ablauf eines Ramadan-Tages
Eine vom Propheten vorgegebene unverbindliche Praxis ist es, zu einem Frühmahl aufzustehen um sich für den anstehenden Fastentag ausreichend zu stärken. Die Familie findet sich zusammen und nimmt vor dem Morgengrauen möglichst spät ein Frühmahl zu sich. Gegebenenfalls wartet man auf die Dämmerung, um noch vor Aufgang der Sonne das rituelle Morgengebet zu verrichten. Währenddessen kann sich der Muslim mental auf das Fasten vorbereiten, indem er sich z.B. in Koranrezitationen oder Lobpreisungen Gottes vertieft. Ansonsten ist der Fastende dazu angehalten, seinen üblichen Tagesablauf beizubehalten. Allerdings soll der Muslim nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit dem Geist fasten. Üble Nachrede, Lüge und Verleumdung gelten als besondere Herabwürdigung des Ritus. Von den Mitmenschen wird gegenüber den Fastenden Rücksichtnahme verlangt. Das Auftreten von Hunger und Durst ist nicht etwa ein unerwünschter Nebeneffekt, sondern gerade der zentrale Bestandteil des Fastens. Denn nur so entfaltet das Fasten seine Wirkung auf Geist und Charakter des Menschen.
Wenn der Sonnenuntergang naht, ist es nach den Worten des Propheten das gute Recht eines jeden Muslims, sich auf das Fastenbrechen zu freuen. Um den schönen Moment des Fastenbrechens in der Gemeinschaft zu erleben, versucht man entweder mit der Familie oder mit Freunden, vor allem aber auch mit ärmeren Menschen zusammenzukommen bzw. sie mit ihrer ganzen Familie zu sich nach Hause einzuladen.
Muslime fasten also nicht einen Monat hindurch, sondern jeweils nur vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang. Dabei ist ihnen nicht nur das Essen, sondern auch das Trinken untersagt. Zwischen Sonnenuntergang und Morgengrauen ist dafür alles wieder erlaubt, was während des Tages verboten ist. Dennoch sollte man weder beim Frühmahl noch beim Fastenbrechen zu viel essen und trinken. Denn es geht ja nicht darum, den ganzen Tag nichts zu essen, um sich dann am Abend über das Maß hinaus beim Essen zu verausgaben; vielmehr sollte man die Entbehrungen während dieser geistigen und körperlichen Übung im Gehorsam gegenüber Gott einzig und allein für Sein Wohlgefallen auf sich nehmen. Auch ein überschwängliches Feiern des Fastenbrechens am Abend entspricht nicht dem Wesen des Fastens. Damit der Fastende optimal vom Ramadan profitiert, sollte er seine Abende eher mit spirituellen Aktivitäten verbringen.

2. Zum spirituellen Aspekt des Fastens im Ramadan

2.1. Der Ramadan ist die Zeit der Wiederentdeckung der Barmherzigkeit Gottes
Der Ramadan gilt unter Muslimen als Monat der Barmherzigkeit, und das in zweierlei Hinsicht: Einerseits erwartet den Muslim eine großzügige Vergebung vieler Sünden. Andererseits lernt der Mensch es, die Gaben Gottes, sprich: Seine Barmherzigkeit, angemessen zu würdigen. Für den gläubigen Menschen stellt die Welt eine Darbietung der Barmherzigkeit Gottes dar. Unter Barmherzigkeit in diesem Sinne verstehen wir die Eigenschaft Gottes, die die Welt zu einer nie versiegenden Quelle an Gaben und Geschenken macht. Jeder Atemzug des Menschen, jede Neubelebung der Erde im Frühling, jedes belebte und unbelebte Element der Welt, das seine Rolle in diesem, dem Menschen gewidmeten kosmischen Theater spielt - in all diesen Dingen spiegelt sich für den Muslim die allumfassende Barmherzigkeit Gottes wieder. So heißt es im Koran, dass Gottes Barmherzigkeit jedes Ding umschließt.
Doch wer alles hat, was er braucht, beginnt schnell Ansprüche zu stellen. Plötzlich wird der Mensch wählerisch und legt die Messlatte für die Befriedigung seiner Bedürfnisse Tag für Tag ein Stück höher. Spätestens dann, wenn die Grenzen seiner Möglichkeiten überschritten sind, findet er sich in einem Zustand von Resignation und Unzufriedenheit wieder. Die Farben seiner Welt werden grau - und sein Essen schmeckt fade. Oder anders ausgedrückt: Er hält die Barmherzigkeit Gottes immer mehr für selbstverständlich, was schließlich daraus hi-nausläuft, dass er sie gering schätzt, ja sogar völlig übersieht.
Der Fastenritus verfolgt nun das Ziel, dem Fastenden wieder klar zu machen, welch existenzielle Bedeutung Essen und Trinken für ihn haben. Denn vor dem Hintergrund des Hungers schmecken auch die unbeliebtesten Speisen wie Festmähler. Ein Glas Orangensaft lässt förmlich die Sonne aufgehen. Die Nahrung erfährt in den Augen des Menschen eine Aufwertung, von der er noch ein ganzes Jahr zehren kann. Kurz: Der Muslim empfindet das Fastenbrechen am Abend als eine großzügige Einladung seines Schöpfers. Er erkennt, wie großartig die Dinge sind, die ihm auf der Welt zur Verfügung stehen, und wie wohltuend es ist, die sich in der Natur manifestierende Barmherzigkeit zu spüren - eine Barmherzigkeit, von der alle Geschöpfe Gottes profitieren.
Je hungriger er am Abend ist, umso größer ist die Dankbarkeit des Fastenden gegenüber dem, der unser Dasein und unsere Versorgung ermöglicht hat und der uns die Gelegenheit bietet, durch unsere bewusste Wahrnehmung Zeuge unserer Emotionen und unserer Nahrungsaufnahme zu werden. Möglicherweise wird uns ein Computer eines Tages Emotionen vorspielen und sich besser behaupten können als so mancher Lebenskünstler. Aber er wird wohl nie das empfinden, was wir empfinden, wenn wir unseren Durst stillen, wenn wir eine Person, die uns nahe steht, umarmen, oder wenn wir angesichts der harmonischen Poesie der Natur tief in uns ehrfurchtsvoll etwas empfinden, dem der Muslim mit den Worten Ma scha'allah (arab.: was Gott will) Ausdruck verleiht.
Dieser emotionale Aspekt gibt uns genügend Anlass zum Tafakkur. Eine Stunde Tafakkur (arab.: das Nachdenken) wurde vom Propheten Muhammed einem Jahr Gottesdienst für ebenbürtig erklärt. Und so denkt der Muslim nach und sieht ein, dass eigentlich alles im Universum eine Barmherzigkeit Gottes darstellt. Auch im Koran werden ja am häufigsten diejenigen Aspekte Gottes beschrieben, die sich auf Seine Barmherzigkeit beziehen. Schließlich lebt der Mensch nicht nur von der Mahlzeit auf dem Tisch allein, sondern auch von allen anderen Dingen die ihren Platz im Dasein haben, angefangen von seinen Atomen, über seinen Planeten bis hin zum gesamten Universum.

2.2. Die Erziehung zur Bescheidenheit
Eine weitere, mit der Barmherzigkeit Gottes in Zusammenhang stehende Tugend, die im Islam groß geschrieben wird, ist die Bescheidenheit. Eigenschaften wie Arroganz und Überheb-lichkeit gelten als Irrwege des Egos, das seine Unabhängigkeit von der Welt und letztendlich von Gott zu behaupten versucht. Der Weg des Muslims zu Gott führt jedoch über die Anerkennung der Größe Gottes und der Abhängigkeit des Menschen von Seiner Güte und Macht. Denn diese Güte und Macht finden ihren Ausdruck in der Natur, deren ständige Nutznießer wir sind.
Das Fasten hilft dem Menschen auf die Sprünge, sich sei-ner Stellung vor Gott gewahr zu werden - seiner Stellung als schwaches Geschöpf, dessen ganze Existenz von dem abhängt, was Gott ihm gewährt hat. Die Bescheidenheit gegenüber dem Schöpfer und seinen Geschöpfen dient uns nicht nur dazu, zu uns selbst zu finden, sondern auch unsere Erwartungen herunterzuschrauben und stets mit dem glücklich zu sein, was uns vergönnt ist. Bescheidenheit erzeugt also auch eine besondere Freude am Leben, die dafür sorgt, dass wir all die kleinen Dinge des Lebens genießen können.

2.3. Das Erlangen von Geduld
Der Fastenmonat Ramadan ist eine Zeit, in der die Geduld und Demut gegenüber Gott besonders auf die Probe gestellt wird. Jeder Fastende sollte versuchen, einen Zustand der Gelassenheit und der Ausgeglichenheit zu erreichen. Vom Propheten wird überliefert, dass der als unangenehm empfundene Geruch des Hungers vor Gott wertvoller ist als so man-ches angenehme Aroma. Das Fasten, das nur für das Wohlgefallen Gottes durchgeführt wird, gilt als eine besondere Form des Gottesdienstes, dessen Lohn einzig und allein von Gott bemessen werden kann. So ist das geduldige Warten in den letzten Minuten vor dem Fastenbrechen ein besonders verdienstvoller Dienst an Gott. Man nimmt ja schließlich nicht an einer Hungerkur teil, sondern fastet, um sich einmal mehr sei-ner selbst als Diener Gottes bewusst zu werden!

2.4. Die Aufmerksamkeit auf die Armut und Not lenken
Das Fasten öffnet Türen zu einer sozialeren und rücksichtsvolleren Gemeinschaft. Der Mensch erhält die Möglichkeit, in den tiefen Abgrund des Hungers und der Bedürftigkeit zu blicken. Wohlhabenden wird deutlich, dass ihr Wohlbefinden keine Selbstverständlichkeit ist. Der Islam, der sich z.B. mit der Armensteuer ohnehin gegen die Spaltung der Gesellschaft wandte, lässt die Reichen in der Fastenzeit einen Einblick in die Probleme der Armen nehmen. Wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Menschen verlieren an Bedeutung. Dadurch, dass Menschen, die es sich leisten können, dazu angehalten sind, das Fastenbrechen mit den Armen durchzuführen, wird außerdem die Gemeinschaft auch praktisch gefördert. Graue Theorie ist dem Islam fremd. Alles hat sowohl eine theoretische als auch eine praktische Seite. Be-stimmt gibt es den einen oder anderen Reichen, der erst im Ramadan spürt, wie es wirklich ist, in Armut zu leben, und ein ehrliches Mitgefühl für Arme entwickelt. Es gibt da eine schöne Anekdote über Nasreddin Hodscha, einen Gelehrten, dem sowohl belehrende als auch belustigende Äußerungen zugeschrieben werden. Nasreddin Hodscha fällt eines Tages vom Baum und bricht sich dabei ein Bein. In den nächsten Tagen wird er von allen möglichen Leuten besucht, die ihm gute Besserung wünschen und ihn aufzuheitern versuchen. Völlig frustriert verliert er die Beherrschung und schreit: "Raus! Raus! Auf euer Mitleid kann ich verzichten! Wenn ihr mich wirklich trösten wollt, dann schickt mir bitte jemanden, der sich auch das Bein gebrochen hat!" Es ist nicht weiter verwunderlich, dass die Armensteuer gerade im Ramadan zu zahlen ist.

2.5. Die Zeit, in der Freundschaft besonders hoch im Kurs steht
Im Ramadan wird besonders viel Wert auf ein Zusammenwachsen der Gemeinschaft gelegt. Die verpflichtende Armensteuer, die auch zu den fünf Säulen des Islam gehört, wird fällig, und daneben wird auch viel freiwillig gespendet. Der Muslim soll sich in diesem Monat besonders davor hüten, zu streiten oder Zwietracht zu säen. Man lädt sich gegenseitig zum Fastenbrechen ein, und man freut sich auf das Ramadanfest, bei dem die Menschen endgültig wieder zueinander finden sollen.

3. Das Ramadanfest
Das Finale des Ramadan ist ohne Zweifel das Ramadanfest, das an den letzten Fastentag anschließt. Das dreitägige Ramadanfest zum Ende des Jahres 2001 wird vom 16. bis zum 18. Dezember dauern. Dieses Fest ist einerseits ein Ausdruck der Freude, den Ramadan erlebt zu haben, und andererseits ein Höhepunkt der gemeinschaftlichen Verbundenheit. Im Türkischen und Persischen bezeichnet man Festtage als 'Bayram'. Das Ramadanfest ist neben dem Opferfest eines der beiden Hauptfeste der Muslime. Nach dem Festtagsgebet am Morgen des ersten Tages beginnt eine Zeit der Warmherzigkeit, in der sich alle Familienmitglieder und Freunde gratulieren, sich gegenseitig besuchen und sich jeder zum Ziel setzt, aus Feinden und Zerstrittenen Freunde zu machen. Nach dem Ramadan sollen alle Unstimmigkeiten ausgeräumt und Frieden und Freundschaft eingekehrt sein. Kinder genießen bei diesem Fest die besondere Aufmerksamkeit der Erwachsenen. In Anatolien ist es Brauch, dass Kinder von Haus zu Haus gehen und überall mit Süßigkeiten beschenkt werden. Überall in der islami-schen Welt ist es aber auch Sitte, dass jüngere Menschen die älteren besuchen und ihnen zum Bayram gratulieren. Mancherorts sind an den Festtagen öffentliche Verkehrsmittel kostenlos nutzbar, damit auch Ärmere ihre Verwandten besuchen können. Über eine Milliarde Menschen feiern dieses Fest des Friedens und nehmen sich vor, eine friedliche Welt zu schaffen - eine friedliche Welt, weil sie daran glauben, dass eine Welt ohne Frieden keine menschenwürdige und Gott gefällige Welt sein kann. Und man kann zurecht feststellen: Die Botschaft des Ramadan ist die Rückbesinnung auf Bescheidenheit, Spiritualität und Nächstenliebe.





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New PostErstellt: 17.09.07, 20:48  Betreff: Re: Ramadan und seine Bedeutung  drucken  weiterempfehlen

Fragen zum Fasten

1. Warum fasten die Muslime?

2. Warum müssen Muslime einen ganzen Monat lang fasten?

3. Wozu braucht Allah das Fasten, kommt es nicht nur auf den Glauben an?

4. Was ist die Wortbedeutung von Ramadan?

5. Wann beginnt die Fastenzeit?

6. Gibt es außerhalb des Ramadans auch Fastentage?

7. Wie wurde das Fasten im Ramadan eine Pflicht?

8. Wer ist zum Fasten verpflichtet?

9. Gibt es Personen, die vom Fasten ausgenommen sind?

10. Was muss man ersatzweise tun, wenn man körperlich nicht dazu in der Lage ist, zu fasten und das Fasten auch nicht nachholen kann?

11. Wie viele Muslime halten sich an das Fasten im Ramadan?

12. Wie wird im Islam gefastet?

13. Ist die Absicht (Niya) Pflicht?

14. Fasten die Muslime, um abzunehmen?

15. Welche Mahlzeiten werden im Ramadan zum Fastenbrechen zubereitet?

16. Welche Bräuche haben die Muslime im Monat Ramadan?

17. Gibt es besondere Ereignisse im Monat Ramadan?

18. Wird am Ende des Ramadans ein Fest begangen?

19. Ist es nicht schwer, hierzulande zu fasten?

20. Wie können Nichtmuslime fastende muslimische Kollegen unterstützen?

21. Können Nichtmuslime an Veranstaltungen zum Ramadan teilnehmen?

22. Haben Moscheegemeinden im Ramadan Probleme mit Nachbarn?

23. Ist es nicht ungesund, beim Fasten nichts zu trinken?

24. Ist es nicht ungesund, tagsüber nichts zu essen und abends so viel?

25. Wie wirkt sich das Fasten auf den Fastenden aus?

26. Welchen Nutzen ziehen Muslime aus dem Fasten?

27. Wann wird das Fasten ungültig?

28. Darf man Blut spenden, während man fastet?

29. Sind Augen- oder Nasentropfen während des Fastens erlaubt?

30. Ist es erlaubt, Handcreme zu benutzen?

31. Kann man Asthma-Spray verwenden?

32. Welche Dinge sind beim Fasten noch zu beachten?


1. Warum fasten die Muslime?

Fasten im Islam ist eine Form des Gottesdienstes. Das Fasten im Monat Ramadan gehört zu den sogenannten fünf Säulen des Islam, also zu den Hauptpflichten, die ein Muslim als Gottesdienst durchführt. Die anderen Säulen sind das Bezeugen der Einheit Gottes und der Prophetenschaft Muhammads (s), das tägliche fünfmalige Gebet, die Wallfahrt nach Mekka und das Entrichten der Zakat.

Das Fasten wird den Gläubigen in dem folgenden Koranvers vorgeschrieben:

„Ihr, die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr vielleicht gottesfürchtig werdet.” (2:183).

Laut dieser Aussage im Koran, dem Heiligen Buch der Muslime, soll das Fasten um Gottes (Allahs) Willen geschehen, d.h. es soll dadurch die Zufriedenheit Gottes erlangt werden.

Außerdem gehört die Praxis des Fastens zur Tradition des Propheten Muhammad (s), der den Muslimen als Vorbild dient.


2. Warum müssen die Muslime einen ganzen Monat lang fasten?

Wie schon in den ersten Antworten erwähnt, richten sich die Muslime – auch bei dieser Vorschrift – nach den Worten Gottes, dem Koran, und der Vorgehensweise des Propheten Muhammad (s), der Sunna. Diese Anweisungen geben den Monat Ramadan, der 29 oder 30 Tage lang dauert, als Fastenzeit vor. Da Eintönigkeit schädlich ist, ist es im Islam nicht gestattet, das ganze Jahr über ohne Unterbrechung zu fasten. Auch wer geistigen Vorteil erzielen will, hat nicht die Erlaubnis dazu. Die Erfahrung bestätigt außerdem, dass das Fasten für den, der es fortwährend übt, zur Gewohnheit wird, zur zweiten Natur, so dass der Vorteil nicht der gleiche ist wie für den, der nur von Zeit zu Zeit fastet.


3. Wozu braucht Allah das Fasten, kommt es nicht nur auf den Glauben an?

Es ist richtig, dass Gott nichts von uns benötigt, weil Er sich Selbst genüge ist. Von den jeweiligen gottesdienstlichen Handlungen ziehen wir Menschen hier in dieser Welt und im Jenseits Nutzen. Aber Glauben ist die Voraussetzung für eine Tat, die als Gottesdienst zählt, und eine Tat ohne Glauben wird als Gottesdienst bei Gott nicht angenommen. Deshalb gehören Glaube und Tat zusammen und sind wie zwei Seiten einer Medaille. Der Glaube wird durch die Tat gestärkt. Glaube ohne Taten kann im Extremfall zu einem leerem Glaubensbekenntnis werden.


4. Was ist die Wortbedeutung von Ramadan?

Ramadan ist Arabisch und wird von der Wurzel ramida oder arramad abgeleitet, was „brennende Hitze und Trockenheit” (speziell des Bodens) bedeutet. Aus der gleichen Wurzel kommt ramdaa – „sonnengebrannter Sand“. Dies deutet auf das Hitzegefühl im Magen hin, das vom Durst erzeugt wird. Manche erklären das auch damit, dass der Ramadan die Sünden ausbrennt wie die Hitze den Boden. Im Ramadan sind Herz und Seele für die Anbetung und das Gedenken an Gott empfänglicher, wie Sand und Steine für die Hitze der Sonne. So hilft der Ramadan dem Gläubigen, sich neu zu formen und seine physischen und geistigen Veranlagungen und Verhalten zu erneuern.


5. Wann beginnt die Fastenzeit?

Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. Im Gegensatz zur üblichen Praxis der Verwendung des Sonnenkalenders benutzen die Muslime einen reinen Mondkalender. So verschiebt sich der Monat Ramadan 10 oder 11 Tage pro Jahr nach vorne und durchschreitet allmählich alle Jahreszeiten. Ein Muslim wird deswegen Fastentage im Laufe seines Lebens sowohl im Winter mit kürzeren Tagen, als auch Fastentage im Sommer, an denen die Tage lang sind und das Fasten schwieriger wird, erleben.

Wäre eine bestimmte feste Jahreszeit für das Fasten festgelegt, würde das für manche der Anhänger des Islam in verschiedenen Erdteilen einen dauernden Vorteil, für andere wiederum eine ständige Benachteiligung bedeuten.


6. Gibt es außerhalb des Ramadans auch Fastentage?

Das für jeden Muslim verpflichtende Fasten gibt es nur im Monat Ramadan. Darüber hinaus hat der Prophet Muhammad (s) an bestimmten Tagen das freiwillige Fasten empfohlen, wie z.B. sechs beliebige Tage im darauffolgenden Monat Schawwal.

Er lehrte, dass derjenige, der den ganzen Fastenmonat und noch 6 Tage im Schawwâl fastet, von Gott belohnt wird, als hätte er das ganze Jahr hindurch gefastet. Am 10. Muharram und montags oder donnerstags zu fasten wird angeraten.

Das ständige Fasten das ganze Jahr hindurch wird im Islam hingegen nicht erlaubt, und die Maximalgrenze des freiwilligen Fastens wurde vom Propheten (s) aufgezeigt, indem er sagte, dass der Muslim, der viel fasten möchte, abwechselnd einen Tag fasten und den darauffolgenden Tag aber aussetzen solle.


7. Wie wurde das Fasten im Monat Ramadan eine Pflicht?

Die Offenbarungen Gottes an den Propheten Muhammad (s), die dann als Koran zusammengetragen wurden, begannen im Monat Ramadan im Jahre 610. Das Fasten während dieses Monats wurde den Muslimen erst im Jahre 624 zur Pflicht, als folgende Koranverse offenbart wurden:

„Ihr, die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr vielleicht gottesfürchtig werdet.” (2:183)

„Der Monat Ramadan, in dem der Koran herabgesandt wurde als Rechtleitung für die Menschen und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidungsoffenbarung, und wer von euch den Monat anwesend ist, so soll er ihn fasten, und wer krank ist oder auf einer Reise, so eine Anzahl von anderen Tagen (fasten), Allah möchte das Leichte für euch, und Er möchte nicht das Schwere für euch, und dass ihr die Anzahl vollständig macht, und dass ihr Allahs Größe rühmt, dass Er euch rechtgeleitet hat, und damit ihr vielleicht dankbar seid.“ (Koran 2:185)


8. Wer ist zum Fasten verpflichtet?

Die Fastenvorschrift im Monat Ramadan gilt für jeden geistig zurechnungsfähigen Muslim, Mann oder Frau, der die Pubertät erreicht. Die Pubertät kennzeichnet die Mündigkeit im Islam. Kinder, die die Pubertät nicht erreicht haben, werden ermutigt, so viele Tage zu fasten, wie sie können. So können sie sich nach und nach mit zunehmenden Alter an dieses Gebot gewöhnen.


9. Gibt es Personen, die vom Fasten ausgenommen sind?

Nur wer das Fasten, so wie es im Islam vorgeschrieben ist, ohne gesundheitlichen Schaden durchführen kann, ist zu diesem Gebot verpflichtet. Deshalb sind Kranke, Altersschwache, Schwangere, stillende Mütter, Frauen in der Menstruation und ähnliche Personengruppen von dieser Pflicht ausgenommen. Personen, deren gesundheitliche Situation sich voraussichtlich nicht bessern wird, wie z.B. chronisch Kranke oder Altersschwache, sollen für jeden im Ramadan versäumten Fastentag einen Bedürftigen speisen (die sog. Fidya). Andere, die unter die Ausnahmeregelung fallen und deren Situation sich bessern wird, wie z.B. Schwangere, stillende Mütter etc., holen die versäumten Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nach.


10. Was muss man ersatzweise tun, wenn man körperlich nicht dazu in der Lage ist, zu fasten und das Fasten auch nicht nachholen kann?

Wenn man aus gesundheitlichen Gründen nicht fasten kann, sollte man 6 Euro pro nicht gefastetem Tag bezahlen (Kaffara). Dies entspricht dem Betrag der Zakatu-l-fitr. Diejenigen, die wegen ihrer finanziellen Situation keinen Gesamtbetrag von 180 Euro für die 30 Tage des Ramadans zahlen können, geben das, wozu sie in der Lage sind. Die Kaffara kann über muslimehelfen gezahlt werden und geht ebenso wie die Zakatu-l-Fitr an Bedürftige.


11. Wie viele Muslime halten sich an das Fasten im Ramadan?

Das Fasten scheint das Gebot der fünf Säulen zu sein, an das sich die Muslime am meisten halten. Die Moscheen sind in diesem Monat zu den abendlichen Tarâwîh-Gebeten (siehe unter Frage 21) übervoll, und selbst nicht praktizierende Muslime halten sich aus Respekt vor diesem Monat von Dingen fern, die der Islam verboten hat, wie z.B. dem Alkoholkonsum. In den Ländern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung wirkt sich der Ramadan im alltäglichen Leben aus. Obwohl sich hier vielleicht fast die Hälfte der Muslime an das Fasten halten, fällt dies natürlich aufgrund der geringen Zahl der Muslime im öffentlichen Leben nicht gleichermaßen auf.


11. Wie wird im Islam gefastet?

Das Fasten im Islam heißt, dass der Muslim bzw. die Muslima von Beginn der Morgendämmerung an bis zum Sonnenuntergang nichts isst, nichts trinkt, allgemein also keine Nahrung zu sich nimmt und sich des Beischlafs mit dem Ehepartner enthält. Das ist das “äußere” Fasten. Das Fasten hat aber auch eine “innere” Dimension. Der Muslim soll demnach im Ramadan noch mehr als sonst darauf achten, sich gänzlich von Sünde freizuhalten, d.h. nichts Verwerfliches bewusst anzuschauen, nichts Schlechtes zu reden, auf nichts Böses zu hören und nichts Verabscheuungswürdiges zu tun. Denn Fasten heißt erkennen, dass man in Wahrheit einzig und allein von Gott abhängig ist.

Zugleich soll sich der Fastende darüber klar werden, dass er sich von vermeintlicher Abhängigkeit von anderem lossagen kann und muss. Er ist ein Pilger, der sich mit seinem Fasten zu seinem Schöpfer aufgemacht hat und alles, woran er gewöhnt ist, aber nicht unbedingt benötigt, hinter sich zurücklässt. Zudem beschäftigt sich der Muslim, wenn er fastet, intensiver mit den restlichen Gottesdiensten, wie z.B. den Gebeten oder dem Lesen des Korans.


12. Ist die Absicht (Niya) Pflicht?

Die Absicht muß nach schafiitischer Schule in jeder Nacht des Monats nach Sonnenuntergang und vor Anbrechen der Morgendämmerung formuliert werden. Sie muß im Herzen gefaßt werden, d.h. das Aussprechen der Absicht im Munde ist keine Voraussetzung. Wenn man z.B. im Herzen sagt: "Ich beabsichtige, morgen das vorgeschriebene Fasten von dem Mondmonat Ramadan dieses Jahres zu halten, aus Glaube und Hoffnung auf den Lohn von Allah", ohne dies mit dem Munde auszusprechen, dann ist dies ausreichend für das Fasten. Der Grund des Fastens muß genannt werden. Es reicht nicht aus, wenn man z.B. im Herzen sagt: "Ich beabsichtige morgen zu fasten", da man den Grund nicht angegeben hat.

Anders als bei Al Imam Al Schafii kann man nach hanafitischer Schule die Absicht nach Sonnenuntergang und vor Beginn des Mittagsgebetes formulieren. Man hat hier also eine längere Zeitspanne. Nach malikitischer Schule reicht es in der ersten Nacht von Ramadan einmal die Absicht für die kommenden 30 Tagen von Ramadan zu fassen. Man kann die Absicht zum Fasten auch fassen, wenn man noch nicht am Abend gegessen hat oder, wenn man sich im Zustand der religiösen Hadath befindet.


13. Fasten die Muslime, um abzunehmen?

Die Absicht beim Fasten ist das Wohlgefallen Gottes. Es wird empfohlen, keine schwere Kost zu sich zu nehmen. Es ist aber auch erlaubt, die eigens zubereiteten Köstlichkeiten zu genießen. Deshalb gibt es sowohl Muslime, die in diesem Monat abnehmen, als auch manche, die an Gewicht zunehmen.


14. Welche Mahlzeiten werden im Monat Ramadan zum Fastenbrechen zubereitet?

Dies hängt von den jeweiligen Essgewohnheiten und dem kulturellen Hintergrund des fastenden Muslims ab. Oft wird abends eine warme Mahlzeit zubereitet, aber viele genießen eher die Atmosphäre des Fastenmonats und das Zusammensein mit der Familie und den Freunden und legen weniger Wert auf die Speisen.


15. Welche Bräuche haben die Muslime im Monat Ramadan?

Das Fastenbrechen wird gewöhnlich mit einer Dattel oder einem Schluck Wasser durchgeführt, während das folgende vom Propheten Muhammad (s) überlieferte Bittgebet gesprochen wird: „O Allah, um Deinetwillen habe ich gefastet und an Dich geglaubt, und mit Deiner Versorgung breche ich das Fasten. Im Namen Allahs, des Allbarmherzigen, des Gnädigen”, dann wird das Abendgebet verrichtet. Erst danach werden dann die eigentlichen Speisen gegessen. So wie der Prophet Muhammad (s) dies selbst durchführte, ist es Sitte, während des Fastenmonats den ganzen Koran zu lesen. Gegenseitige Besuche und Einladungen zum Fastenbrechen sind an der Tagesordnung.

Das gemeinsame Fastenbrechen findet auch oft in den jeweiligen Moschee-Gemeinden statt, in denen manchmal sogar jeden Tag im Ramadan Essen ausgegeben wird.

 


16. Gibt es besondere Ereignisse im Monat Ramadan?

Es gibt spezielle Gebete, Tarâwîh genannt, die in den Moscheen oder zuhause einige Zeit nach Sonnenuntergang verrichtet werden. In der Lailat-ul Qadr (der “Nacht der Bestimmung”) gedenken die Muslime der Nacht, in der dem Propheten Muhammad (s) von Gott die ersten Abschnitte des Korans offenbart wurden. Da der genaue Zeitpunkt dieser Nacht laut einer Aussage des Propheten (s) nicht bekannt ist, erwarten Muslime diese Nacht in den letzten zehn ungeraden Tagen des Ramadans bzw. feiern ihn in der Nacht des 27. Ramadan. Es ist auch üblich, dass die Muslime in diesem Monat viel spenden und auch ihre Zakat-Abgabe ausrechnen und bezahlen.


17. Wird am Ende des Ramadans ein Fest begangen?

Die Tarâwîh-Gebete finden am zweiten Abend vor dem Fest ihren Abschluss. Das Fest des Fastenbrechens, das auf Arabisch ‘Id-ul Fitr und Ramazan Bayramî auf Türkisch heißt, beginnt mit einem besonderen Festgebet am ersten Tag des darauf folgenden Monats. Das Festgebet beginnt nach Sonnenaufgang und beinhaltet zwei Gebetsabschnitte und eine Ansprache. Die Muslime beglückwünschen sich gegenseitig nach dem Festgebet und drücken ihren Wunsch aus, dass Gott (Allah) ihr Fasten und ihre übrigen Gottesdienste annehmen möge. Das Fest dauert drei Tage an. An diesen Tagen werden Verwandte und Bekannte besucht, wobei gewöhnlich die Jüngeren die Älteren mit ihren Besuchen ehren. Am ersten Tag des Ramadanfestes soll nicht gefastet werden, da dies eine Zeit des Feierns ist.


18. Ist es nicht schwer, hierzulande zu fasten?

Das Fasten hier ist unter einigen Aspekten leichter als das Fasten in klimatisch extremeren Breitengraden. Im Winter werden die zu fastenden Tage kürzer sein als die Tage im Sommer oder im Frühling. In den muslimischen Ländern fasten allerdings die meisten Menschen, so dass das Fastenbrechen kaum in die Arbeitszeit fällt und tagsüber nichts zu essen oder zu trinken angeboten wird. Viele Muslime in unserem Land hätten gerne Arbeitszeiten, die ihnen erlauben, das Fastenbrechen gemeinsam mit der Familie vorzunehmen.


19. Wie können Nichtmuslime fastende muslimische Kollegen unterstützen?

Arbeitgeber, Kollegen, Lehrer etc. können helfen, indem sie versuchen, die Bedeutung des Ramadan zu verstehen und den betreffenden Muslim nach Möglichkeit körperlich weniger beanspruchen. Besondere Berücksichtigung könnten z.B. Anfragen nach Urlaub, der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten am Morgen und am Abend und die Anliegen von Schülern, weniger Hausaufgaben zu bekommen, finden. Es ist auch sehr wichtig, dass muslimische Arbeiter, Angestellte und Schüler die Möglichkeit erhalten, nach Ende des Fastenmonats Ramadan am Festgebet teilzunehmen. Dieses Fest und ein weiteres, das ca. zwei Monate danach folgt, ist für Muslime genauso wichtig wie Weihnachten und Ostern für Christen. Über eine Gratulation und einen Glückwunsch zu diesen Festen werden sich die Muslime sehr freuen.


20. Können Nichtmuslime an Veranstaltungen zum Ramadan teilnehmen?

Grundsätzlich kann jeder an einer muslimischen Veranstaltung teilnehmen, weil dies zu einem besseren gegenseitigem Verständnis beitragen kann. Deswegen sind Nichtmuslime eingeladen, sich ein eigenes Bild und einen Eindruck über den Ablauf der Veranstaltungen der Muslime auch im Ramadan zu machen. So können sie z.B., wenn man das mit den Verantwortlichen der jeweiligen Moscheen abspricht, bei den allabendlichen Gebeten anwesend sein. Muslime freuen sich auch, wenn sie Interessierte und Nachbarn zum Fastenbrechen (dem sog. Iftar) begrüßen können.

 

 


21. Haben Moscheegemeinden im Ramadan Probleme mit ihren Nachbarn?

Da es für Muslime wenige Gebetsräume an einem Ort gibt, müssen viele mit ihren Fahrzeugen von weit her bis zu den Moscheen fahren, was mitunter zu Geräuschbelästigung führen kann. Besonders schwierig wird dies im Sommer, wenn die erwähnten Tarâwîh-Gebete bis ca. 22-23 Uhr dauern. Deswegen sollten die Moschee-Gemeinden Vorkehrungen treffen, dass die Nachbarn so wenig wie möglich gestört werden und dass sie über die Besonderheit in diesem Monat informiert werden.


22. Ist es nicht ungesund, beim Fasten nichts zu trinken?

Wenn die Voraussetzung für das Fasten erfüllt ist, nämlich die körperliche Fitness, ruft die fehlende Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme vom Beginn der Morgendämmerung an bis zum Sonnenuntergang auch keine gesundheitlichen Schäden für den Fastenden hervor. Zudem bewirkt der Verzicht auf Nahrung, dass man weniger Durst verspürt.


23. Ist es nicht ungesund, tagsüber nichts zu essen und abends so viel?

Nein, sicher nicht. Deshalb hat der Prophet Muhammad (s) auch dazu geraten, leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Und er erließ eine allgemeine Regel, die auch außerhalb des Ramadans Gültigkeit besitzt: nämlich, dass der Muslim seinen Magen mit einem Drittel Essen und einem Drittel Flüssigkeit füllen, aber das letzte Drittel leer lassen sollte.


24. Wie wirkt sich das Fasten auf den Fastenden aus?

Das ist unterschiedlich. Es gibt viele Muslime, die durch das Fasten zu einer inneren Einkehr und zur Ruhe kommen, die sie vielleicht das ganze Jahr über vermissen. Oft fühlt der Fastende auch, dass sein Körper in diesem Monat eine Art Regeneration erfährt. Einige wiederum müssen sich in Geduld üben, weil sie das Fasten emotional und körperlich stärker belastet als andere.

 

Jeder empfindet das Fasten also ein wenig anders. Was allen fastenden Muslimen gemeinsam ist, ist die Tatsache, dass sie diesen Akt als Gottesdienst betrachten und die Belohnung dafür von ihrem Schöpfer im Jenseits erhoffen.


25. Welchen Nutzen ziehen Muslime aus dem Fasten?

Das Fasten ist eine direkte Angelegenheit zwischen dem Einzelnen und seinem Schöpfer, also ein Gottesdienst, der frei von Heuchelei sein muss. Die Seele des Fastenden wird gereinigt und geläutert, und seine Beziehung zu Gott und seinen Mitmenschen wird gefestigt. Ohne dies bleibt das Fasten bedeutungslos und leer. So ist ein großer Nutzen des Monats Ramadan mehr Barmherzigkeit gegenüber Armen und Bedürftigen und darüber hinaus das Erlangen einer gewissen Selbstbeherrschung und Konzentration auf das Wesentliche. Fasten schärft das Gewissen und vergrößert die Widerstandskraft.

Wer fastet denkt mehr an Gott, übt sich in wohltätiger Nächstenliebe, schmeckt die Süße der Ergebung in Gottes Willen, die Liebe Gottes und Gottesfurcht. Die Muslime genießen auch das besondere Miteinander in der Familie und unter Freunden im Fastenmonat. Vielleicht ist der größte praktische Nutzen der einmonatigen geistigen und körperlichen Übung der, dass die Selbstbeherrschung und die Absage an bestimmte Dinge auch andere Aspekte des Lebens eines Muslims permanent zu durchdringen vermag. Dies wird möglich, weil dem Muslim im Ramadan eine Möglichkeit geboten wird, eine innere Abrechnung durchzuführen und er somit neue Vorsätze für die nächste Zeit vornehmen kann.


26. Wann wird das Fasten ungültig?

Das Fasten wird durch absichtlichen Essen oder Trinken, gleich ob nützlich oder schädlich (z.B. Sand), am hellen Tage ungültig, auch wenn es sehr wenig ist, wie z.B. ein Sesamkorn oder ein Tropfen Wasser.

Das Fasten wird nicht durch erzwungenes Essen oder Trinken gebrochen. Essen oder Trinken aus Vergesslichkeit beeinträchtigt nicht das Fasten. Dem entspricht das Wort des Propheten (s): "Wer aus Vergeßlichkeit während des Fastenmonats isst oder trinkt, soll sein Fasten nicht unterbrechen, denn Allah gab ihm zu essen und zu trinken."

Das Fasten wird bei absichtlichem Rauchen am hellen Tage ungültig; das Einatmen von Gerüchen, wie z.B. Weihrauch, beeinträchtigt nicht das Fasten.

Das Fasten wird beim absichtlichen Erbrechen am hellen Tage ungültig: unbeabsichtigtes Erbrechen beeinträchtigt nicht das Fasten, es sei denn, der Fastende verschluckt absichtlich etwas von dem Erbrochenem. Wenn er jedoch absichtlich erbrochen hat, dann muss er den Tag später nachholen, auch wenn er nichts von dem Gebrochenem verschluckt hat.

Das Fasten wird beim Einführen von Zäpfchen in das Geschlechtsteil oder den After am hellen Tage ungültig; auch Selbstbefriedigung oder Beischlaf (auch ohne Samenerguss) am Tage machen das Fasten ungültig. Geschieht dies durch Vergesslichkeit, ist das Fasten noch gültig. Ein nächtlicher Samenerguss im Schlaf beeinträchtigt nicht das Fasten, selbst wenn man sich erst nach der Morgendämmerung wäscht.

Sollte man am Tage nicht mehr Herr seiner selbst sein (Verlust des Verstandes), auch wenn dies nur für einen Augenblick der Fall ist, wird das Fasten ungültig. Dies gilt auch für Ohnmacht, die den ganzen Tag andauert.


27. Darf man Blutspenden, während man fastet?

Eine Blutentnahme oder Blutspende hat keine Auswirkung auf das Fasten.


28. Sind Augen- oder Nasentropfen während des Fastens erlaubt?

Das Fasten wird beim Einträufeln von Flüssigkeit ins Ohr oder in die Nase am hellen Tage ungültig unter der Bedingung, dass die Tropfen zur inneren Höhlung gelangen. Auch dürfen keine Medikamente am Tage eingenommen werden, noch andere Mittel, die durch eine natürliche Körperöffnung eingeführt werden.

Bei Augentropfen hingegen besteht dieses Gefahr nicht, und diese sind erlaubt. Injektionen, gleich ob sie in den Muskel hinein (intramuskulär) oder in einer Vene hinein (intravenös) verabreicht werden, brechen das Fasten nicht. Blutabnahme und willkürliches Bluten, wie z.B. durch das Ziehen eines Zahnes, beeinträchtigen nicht das Fasten.


29. Ist es erlaubt, Handcreme zu benutzen?

Medikamente oder andere Mittel, die in die Haut, Augen oder Arterien eingeführt werden, machen das Fasten nicht ungültig, da die Haut, die Augen und die Arterien keine natürlichen Körperöffnungen sind; das Gleiche gilt, wenn man die Haut mit Ölen oder Fetten einreibt. Daher gibt es keine Bedenken gegen das von den Poren der Haut aufgenommene Öl oder gegen Augenschminke.


30. Kann man Asthma-Spray verwenden?

Das Benutzen von Asthma-Sprays ist für Asthma-Kranke ein lebensnotwendiges Medikament. Das Asthma-Spray gelangt insbesondere in die Lunge und nicht in den Magen. Deshalb dürfen Asthma-Kranke, falls nötigt, dieses Spray benutzen.


31. Welche Dinge sind beim Fasten noch zu beachten?

Der Prophet Muhammad (s) hat zum Fasten viele Empfehlungen gegeben, wobei wir hier nur vier anführen wollen:

 

"Das Fasten ist ein Schutz. So soll der (der fastet) keine unzüchtigen Reden führen und sich nicht töricht verhalten; und wenn jemand ihn bekämpft oder ihn beschimpft, soll er zweimal sagen: ‘Ich faste.’ Und bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist: Der Mundgeruch des Fastenden ist Allah angenehmer als der Duft von Moschus, denn [Gott sagt:] er lässt ab vom Essen und Trinken und von seinen Begierden um Meinetwillen. Das Fasten ist für Mich, und Ich gewähre die Belohnung dafür. Und die gute Tat wird zehnfach belohnt."

 

"Für alles ist Zakat zu entrichten, und die Zakat für den Körper ist das Fasten."

 

"Wer im Ramadan in (festem) Glauben und in der Hoffnung auf Belohnung fastet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben; und wer im Ramadan (nachts im Gebet) steht in (festem) Glauben und in der Hoffnung auf Belohnung, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben."

 

"Wenn sich jemand nicht der Falschheit in Wort und Tat enthält, dann liegt Allah nichts daran, dass er sich des Essens und Trinkens enthält."





Mos i besoni djemve, qe te thirr oj zemer, por besoj ati qe te thirr ne emer!
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