- Für viele Menschen ist der Heiligsprechungsprozess von Mutter Teresa nur noch eine reine Formalität. Nun offenbaren überraschende Veröffentlichungen zum zehnten Todestag, dass Mutter Teresa hinter ihrem steten Lächeln tiefe Zweifel über Gott hegte. Die kleine albanische Nonne, die sich unermüdlich für die Armen einsetzte, ist für viele die Verkörperung des Guten und ein Sinnbild unerschöpflichen Glaubens. 10 Jahre nach ihrem Tod legen nun allerdings jüngst veröffentlichte Tagebuchnotizen und Briefe dar, dass Mutter Teresa zeitlebens unter einer schweren Glaubenskrise litt.
Obwohl die Nonne davon überzeugt war, während einer Zugfahrt von Kalkutta nach Darjeeling am 10. September 1946 die Stimme Jesu gehört zu haben, und daraufhin ihren Orden verließ, um in den Slums von Kalkutta ihr Leben den Armen zu widmen, verzweifelte der „Engel der Armen“ offenbar daran, dass sie Gott in ihrem Inneren nicht spürte.
„Dieses furchtbare Gefühl der Verlorenheit, diese unbeschreibliche Dunkelheit, diese Einsamkeit. Der Platz Gottes in meiner Seele ist leer. In mir ist kein Gott. Er will mich nicht“, beschreibt Teresa die innere Verzweiflung in ihren Aufzeichnungen. An anderer Stelle heißt es: „Wenn ich versuche, meine Gedanken zum Himmel zu wenden, ist da eine solche Leere, dass die Gedanken zurückkommen und wie scharfe Messer in mein Herz schneiden“.
Ihr Lächeln, das zum Markenzeichen der Nonne wurde, erschien Teresa als „Deckmantel“ und als „Waffe“, weshalb sie befürchtete, sie betrüge die Menschen: „Die Leute sagen, dass sie sich näher zu Gott gezogen fühlen, wenn sie meinen festen Glauben sehen. Ist das nicht ein Betrug an den Leuten?“
Der Orden Mutter Teresas sieht ihre düsteren Selbstzweifel hingegen in einem ganz anderen Licht, und hat sich deshalb, entgegen den Willen ihrer Gründerin, dazu entschlossen, die privaten Schriften zu veröffentlichen. Für die „Missionarinnen der Nächstenliebe“ ist es wichtig, vor der Heiligsprechung der Nonne, der Weltöffentlichkeit ihre Glaubenszweifel zu offenbaren, denn für sie ist Teresas Selbsttortur ein wichtiges Zeugnis ihrer Heiligkeit.
Für die Heiligsprechung bedarf es jedoch noch eines zweiten Wunders. Nur sechs Jahre nach ihrem Tod hatte Johannes Paul II. im Oktober 2003 die Nonne selig gesprochen, nachdem die Inderin Monica Besra die notwendige erste Wunderheilung für die Seligsprechung geliefert hatte. Am Mittwoch wollen die Missionarinnen der Nächstenliebe in Rom nun eine Messe zum Gedenken an den Tod ihrer Gründerin am 5. September 1997 abhalten, und für ein Wunder beten - damit der Heiligsprechung Teresas nichts mehr im Wege steht. (ld)