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Moin allerseits,
auch als Freierinnen sind Frauen die besseren Menschen. Die Frankfurter Rundschau erklärt uns warum:
| Frauen sind sehr viel wählerischer als Männer. Der Mann geht ins Bordell, sagt Marcel, verrichtet sein Geschäft und kommt nach 20 Minuten wieder raus. Frauen hingegen wollen keine schnelle Nummer. Lange Ausdauer im Bett gehört zur Grundausstattung für jeden Callboy, sagt Marcel. Sonst läuft dir die Frau davon. Frauen suchen das Sinnliche. Massieren steigert die Gefühle, auch Streicheln, weiß er. Und sonst halt: das normale Programm. Einen Superhengst mit Tigerhöschen suchen sie nicht. Sie wollen ganz einfach guten, normalen Sex. Und vor allem: Aufmerksamkeit, wahrgenommen werden als Frau. Außergewöhnliche Praktiken, sagt er, wurden bisher nie verlangt. Auch der Orgasmus, hat Marcel gelernt, sei für viele Frauen nicht so wichtig. Aber dass man ihr zuhört, sie in den Arm nimmt schon. |
| Was nach einer eher simplen Erkenntnis klingt, hat sich offenbar noch nicht überall in der Männerwelt herumgesprochen. In diesem Fall: in der Schweizer Männerwelt. Sonst gäbe es Männer wie Marcel nicht. |
| Während viele Männer allein schon die Phantasie anmacht, eine Frau für Sex zu bezahlen, ist der Kaufakt bei Frauen nie ein Thema. Er wird geradezu umschifft. Als sei es das Nebensächlichste der Welt, schieben ihm die Kundinnen meist schon zu Beginn den Umschlag mit den Banknoten zu. Nachzählen nicht nötig. |
| Die Frauen, die ihn buchen, wollen ihn für sich haben, deshalb greift auch die Mund-zu-Mund-Propaganda als Marketinginstrument nicht. |
| Ein Drittel von Marcels Kundinnen sind Karrierefrauen. Der Rest bezahlt ihn aus der Haushaltskasse. Sie haben einen reichen Mann, sagt Marcel, doch der ist nie da. Sie leben im Goldenen Käfig. Sie haben alles, aber das Wichtigste fehlt: Anerkennung, Liebe, Zärtlichkeit. Ich gebe ihnen das, für einen Moment. Seine treueste Stammkundin kam sieben Jahre lang immer wieder. |
| Dass Frauen durchaus bereit sind, sexuelle Abenteuer einzugehen, die etwas kosten, weiß auch Maggie Tapert, 55. Die in Zürich wohnhafte US-Amerikanerin ist so etwas wie eine Zuhälterin, für ganze Gruppen sogar. Wahrscheinlich hört sie das nicht besonders gern, denn sie selbst bezeichnet sich als Hohepriesterin. Die esoterische Verkleidung ist ihr Marketing-Trick. Und der funktioniert: Die Frauen fühlen sich angeblich besser, wenn sie für ein Selbsterfahrungsseminar zahlen statt für einen Mann. In ihrem Katalog führt Tapert fünf Typen "heiliger Huren", wie sie die Männer nennt. Heilig deshalb, weil sie kein Geld verlangen. Ihr Motiv sei die Nächstenliebe, behauptet Tapert. Nur sie selbst verdient daran - über "Seminargebühren", die diskret im voraus entrichtet werden, 370 Euro, Kost und Logis inklusive. |
| In den 15 Jahren, in denen Tapert diese Rituale veranstaltet, sei es noch nie vorgekommen, dass ein Mann eine Frau abgelehnt habe. Im bedingungslosen Angenommen-Werden liege eine heilende Kraft, sagt Tapert. |