| Beitrag 37 von 377 (10%) | Anfang zurück weiter Ende |
| Väterradio http://www.vaeterradio.de Novembersendung: 10 Jahre neues Kindschaftsrecht eine Geburtstagssendung mit Bezug auf den 7. Familienkongress Gäste: - Ute Granold - Familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU - Bernhard Bönisch - Landtagsabgeordneter der CDU in Sachsen-Anhalt - für die Beratungsstellen von Halle; Gerlinde Geiler vom Regenbogenzentrum, Kathi Riesner von der AWO, Brunhild Ott vom Kinderschutzbund, Reinhard Grohmann vom FAZ des CVJM, Rechtsanwältin Petra Eichler, vom Institut für Rechtspsychologie Steffen Dauer, vom Jugendamt Saalekreis Klaus Ulrich und vom Jugendamt Halle Katharina Brederlow |
Bilder stürmen oder Veränderung wollen?
Ronald,
22.02.07, 17:02
- drucken - Thema drucken - weiterempfehlen
Hallo ihr da im Netz,
… ich hatte eine Weile viel zu tun und konnte aus diesem Grunde nicht so aktiv mitmachen, wie ich wollte.
Ich fand den Beitrag von Morle (08.12.2006 – auch noch mein Geburtstag) und war ein wenig verstört. Schön, dass sich gleich jemand gemeldet hat und Kontakt herstellen wollte. Mir hat dann noch Carsten geschrieben, der auch die Seite www.Initiative-kind.de.vu unterhält.
Auch ich bin betroffen von der Willkür der Frau, die ich einmal geliebt habe. Auch ich habe zu tun, dass ich meinen Sohn regelmäßig sehen darf. Auch ich habe Stunden durch, in denen ich einfach aus dem Fenster springen wollte. Auch ich habe es mit Gesetzen zu tun, die scheinbar immer für den anderen geschaffen zu sein scheinen. Aber auch ich habe mich an dieselben zu halten, ob es mir nun passt oder nicht. Auch ich habe darunter zu leiden, dass die Justiz in Bremen der Meinung ist, dass das Kontinuitätsprinzip darin besteht, das Kind per se dort zu lassen, wo es gerade ist, weil damit die Kontinuität gewährleistet ist. Dem kann ich als Sozialpädagoge natürlich nicht folgen, weil ich es für pädagogisch völlig daneben halte. Die Justiz ist aber eben auch kein Verein von Sozialpädagogen, der versucht die Gesetze umzusetzen. Die Justiz hat die bescheidene Aufgabe (so wie ich es sehe) dass sie versuchen muss, die Gesetze umzusetzen. Nun sieht aber jeder das, was ihn betrifft, ein wenig anders.
Natürlich finde ich es schade, dass Familienrichter nicht gleichzeitig eine sozialpädagogische Zusatzqualifikation besitzen. Das würde helfen so manchen Sachverhalt besser zu verstehen. Ob das aber dazu führen würde, dass besser Recht gesprochen würde, das wage ich zu bezweifeln.
Aber der Reihe nach.
Ich kenne die Geschichte von Morle nicht, glaube aber, dass sie so ein großes Gefühl von Not spürte, dass sie ausgewandert ist. Das ist schlimm und traurig. Ebenso wenig kenne ich die Geschichte von Carsten. Aber ich kenne seine Schilderung der Umstände. Nachdem ich es durchgelesen habe war mir so einiges unklar … geworden oder geblieben?!
In all diesem Leid findet sich immer sehr schnell eine Projektionsfläche – meist die, die eine wie auch immer geartete Entscheidung zu fällen haben oder hatten. Wenn es sich um Kinder dreht sind es meist die Fachdienste Jugend und die Gerichte. Da bin ich dann auch genau an der Stelle, die so weh tut. Es gibt auf keinen Fall schlechthin die Fachdienste Jugend und Gerichte. Es gibt sehr wohl kompetente Mitarbeiter und weniger kompetente und es gibt Pfeifen. Sowohl bei den Gerichten, als auch bei den Ämtern.
Es ist grundfalsch und führt in eine selbst geschaffene Katastrophe, wenn man sich auf eine Institution einschießt, alle dort arbeitenden Mitarbeitern das gleiche Mäntelchen überstülpt, um dann wie Don Quichotte gegen die Windmühlen zu rennen.
Ich arbeite mit dem Fachdienst Jugend zusammen und kann nur sagen, dass ich sowohl die einen kenne als auch die anderen. Aber ich kenne auch die Familien, denen wir helfen. Ich kann sagen, dass 80% von denen, die von uns eine Unterstützung erhalten, nicht der Meinung sind, dass sie die auch wirklich brauchen. Die Mutter, die ihre 14 jährige Tochter verheiraten möchte, weil sie damit ihre Sorgen los wäre; die mit ihrer pubertierenden Tochter völlig überfordert ist und nicht mehr gewährleisten kann, dass sie wenigstens halbwegs regelmäßig in die Schule geht. Hier schlage ich und die Mitarbeiterin des Fachdienstes vor, dass die Tochter in eine betreute Wohnform geht… was aber von Tochter (klar – besser keine Regeln und keine Schule als das Gegenteil) und Mutter abgelehnt wird. Weder wir noch das Jugendamt haben die Möglichkeit, hier umzusetzen, was wir für richtig halten… Weil die Mutter das Sorgerecht hat und keine Richter das selbige so ohne weiteres, wie es gerne kolportiert wird, aberkennen kann. Selbst eine Familie, in welcher eine ungeklärte Kindstötung vorgefallen ist, sieht keinen Anlass Hilfe anzunehmen. Nur widerwillig wurde die Familie von der Notwendigkeit überzeugt. Ich habe diese Familie betreut und ich weiß wovon ich spreche. Ich bin vehement dagegen aufgetreten, die Kinder in Obhut zu nehmen. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin haben wir die Familie 20 Stunden in der Woche betreut, die Beerdigung organisiert, Arzttermine verabredet einfache Haushaltsfragen geklärt, den Vater unterstützt, als die Mutter sich eine Zeit lang „über den Acker“ gemacht hat. Das war eine sehr gewagte Hilfestellung, weil keiner wusste, was in dieser Familie weiterhin passiert. Die Mitarbeiter des Fachdienstes haben das mit getragen und sind, wie wir ein sehr hohes Risiko eingegangen, damit die Kinder bei den Eltern verbleiben können. Aber auch das hat nichts genützt, weil nämlich einige Zeit später ein weiteres Kind aus dieser Familie misshandelt wurde. Quasi unter den Augen der Betreuer! Jetzt werden die Kinder ohne Eltern betreut und machen Fortschritte im Eilzugtempo. Aber auch jetzt ist die Situation so, dass die Kinder wahrscheinlich wieder in die Hände einer erziehungsunfähigen Mutter und eines brutalen Vaters gegeben werden, weil es eben NICHT so einfach ist, die Kinder aus einer Familie zu nehmen. Selbst in einem so klar und deutlich begründeten Fall. Die Liste ließe sich fortführen.
Fakt ist eins! In meiner sechzehnjährigen beruflichen Laufbahn habe ich Mitarbeiter in den Fachdiensten Jugend gesehen und erlebt, die so manchen Fall vorzeitig beendet haben, weil die Eltern die Hilfe nicht mehr wollten, weil sie sich in ihrer Verantwortung als Eltern nicht wahrgenommen fühlten. Im gleichen Fall stehe ich als Helfer da und fordere die Mitarbeit der Eltern als unabdingbares Mittel für den Hilfeplanprozess … und stehe da und weiß nicht weiter, weil viele Eltern nicht mitmachen.
Natürlich habe ich mich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. Natürlich weiß ich, dass so eine Haltung nicht von ungefähr kommt. Ich weiß aber eben auch, dass sie nicht daher kommt, dass die Eltern mit der „unheimlichen Fürsorge“ der „Ämter“ überhäuft wurden. Der Helfer hat es hier mit der Situation zu tun, dass Hilfe annehmen immer nur dann akzeptiert wird, wenn sie nicht in den familiären Kontext eingebunden ist. Jeder der betreuten Elternteile ist der Meinung, dass er jedwede Kompetenz besitzt, seine Kinder vernünftig zu erziehen. Hilfe wollen meist nur die, die sie eigentlich nicht brauchen. Das sind dann die, die an sich schon kompetent genug sind, die Probleme zu lösen, aber eben auch wissen wie schwer die Lösung sein kann. Ein Hilfsangebot lehnen meist nur die ab, die auf Grund fehlender Einsicht nicht in der Lage sind, ein Problembewusstsein zu entwickeln. Wobei wir hier wieder am Anfang wären. Diejenigen, die Hilfe benötigen lehnen sie vehement ab, weil sie kein Problembewusstsein haben oder entwickeln konnten. Gleichwohl fühlen sie sich bedrängt und bevormundet.
Ich kann und will es nicht ändern, dass einige den Feind im „Amt“ sehen und dann bildersturmmässig gegen Wände rennen. Wenn man aber schon Räuber und Gendarm spielen muss, dann sollte man sich überlegen ob ich die Regeln festlegen kann oder ob ich mich mit den Regeln der anderen vertraut mache, damit ich im Streit die besseren oder einfach nur bessere Karten habe.
Dafür sollten aber mindestens zwei Sachen beachtet werden.
Man(n) solle sich hüten, einer selbst gezimmerten Wirklichkeit zu glauben. Die selbst erfüllende Prophezeiung dient einzig und allein dem Zweck, ein inneres Modell der (herbeigesehnten) Wirklichkeit über eine, gebetsmühlenartig vorgetragene, Argumentationslinie zu bestätigen. Mit anderen Worten: Ich fühle mich schlecht. Ich fühle mich ungerecht behandelt. Ich habe im Moment keine Mittel mich zu wehren. Keiner versteht mich. Ich habe Frust. Wo soll er hin, der Frust? Ich brauche ein Ziel. Ich mache mir ein Ziel. Damit mein Weltbild aber auch weiterhin Bestand hat, baue ich so lange an der Argumentation, bis ich selber daran glaube. Dann ist das eingetreten, was ich mir selber prophezeit habe….
Wenn schon Frust auf jemanden, dann nicht auf das Amt – sondern auf DEN Mitarbeiter im Amt!
Dem werde ich aber nur dann bei kommen, wenn ich auch sattelfest bin, was meine Kompetenzen und mein Wissen zum Sachverhalt anbelangt. Wenn ich mir dieses Wissen nicht aneignen kann, dann muss ich mich auf Leute verlassen, die es können. Dafür gibt es unter anderem dieses Forum und Anwälte. In Berlin gibt es sogar einen Verein, der sich darum kümmert, dass Eltern zu ihrer Hilfe (VOM FACHDIENST JUGEND!!) kommen und sie ihnen nicht versagt wird.
Es reicht nicht, wenn man(n) Halbwahrheiten oder unrichtige Sachverhalte ins Netzt stellt und glaubt die schlechte Stimmung alleine reicht aus. Eben nicht! Niemand kann etwas dafür, wenn er sich nicht auskennt. Aber jeder der mitmischen will, muss sich verpflichtet fühlen, Wissen zu erlangen oder sich jemanden an die Seite zu holen der Wissen hat. Es gibt keine „dauerhaften Inobhutnahmen“ – es gibt Unterbringungen nach § 27 ff SGB VIII. Die aber auch nur auf Grundlage eines Hilfeplanes, der erst einmal erstellt werden muss. Eine Maßnahme nach § 1631b oder § 1666 BGB wird nicht von heute auf Morgen umgesetzt. Dazu brauch es einen Antrag beim Richter. Den müssen aber die Eltern stellen. Der Fachdienst Jugend darf das nur machen, wenn die Eltern nicht wollen, das Kindeswohl aber gefährdet ist. Wann das Kindeswohl aber nun gefährdet ist… ist eine lange Geschichte, die wenig mit dem Fachdienst Jugend zu tun hat. Ein wenig gibt es dazu auf meiner Homepage (www.die-sittinger.de/Kindeswohl2.htm).
Der Staat hat ein Wächteramt wahrzunehmen. Dazu ist er verpflichtet: "Über ihre [der Eltern] Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft" (Art. 6 Abs.2 Satz 2 Grundgesetz; § 1 Abs.2 SGB VIII). Dass wir froh sein können ein solches Gesetz zu haben, zeigten mir langjährige Dienstreisen nach Weißrussland. Gegen harte Währung bekommt man dort jedes Recht das man will... auch beim Fachdienst Jugend! Aber das ist ein anderes Thema…
Wie er (der Fachdienst = Staat) das (Wächteramt…) nun aber ausübt, ist eine Sache der Auslegung der Gesetze. Dass das eine hoch komplizierte Angelegenheit ist – keine Frage! Schaut doch mal auf diese Seite und nehmt euch Zeit: http://www.blja.bayern.de/Textoffice/Fachbeitr%C3%A4geMittBl/TextOfficeMittBlJugendamtW%C3%A4chteramt.htm. Salgo, Zens und Heilmann (vor letzterem ziehe ich achtungsvoll den Hut) kenne ich persönlich und ich weiß dass die wissen, wovon die reden. Wenngleich man nicht immer einer Meinung sein muss… besonders bei Herrn Salgo.
Aber zu behaupten, „der Staat darf nur als beratendes und überwachendes Organ mitbestimmen und kontrollieren“ ist so falsch wie gefährlich. Damit wird bei Menschen in Not eine Erwartung geschürt, die auf keinen Fall eingehalten werden kann. Wenn das einer liest und mit diesem falschen Wissen in eine Auseinandersetzung Fachdienst Jugend geht, dann wird er im günstigsten Fall nur bemitleidet – im schlimmsten Fall sind alle seine Fälle davongeschwommen. Gesetze müssen interpretationsfähig sein, weil sie sonst starr und wenig flexibel wären. Das Leben ist in Bewegung und die Gesetze müssen versuchen dem gerecht zu werden. Das klappt mal besser und mal schlechter.
Es ist einfach unrichtig, wenn suggestiv die Frage in den Raum gestellt wird, wer denn Auskunft darüber gibt, was mit den Kindern im Heim passiert, ob sie dort psychologisch betreut werden oder nicht. Die Konzeptionen der Einrichtungen liegen in den Ämtern aus. Die Einrichtungen sind im Internet zu finden. Die Mitarbeiter geben natürlich Auskunft.
Also meine inständige Bitte. Macht euch kundig, fragt hier im Forum Leute, die sich auskennen, damit ihr im Falle eines Falles mit scharfen Waffen gegen den MITARBEITER des „Fachdienstes Jugend“ (und nicht mehr Jugendamt – im Übrigen das Resultat der Übernahme europäischen Rechts) und hier meistens des ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) vorgehen könnt.
Es erreicht nur der etwas, der auch was vorbringen kann. Betroffenheit reicht da nicht. Sie ist nicht mal eine Chance…
Bis dann…
Ronald