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Wie es aussieht, nimmt das Forum wieder mal keine Beiträge per Mail an. Ich setze also meine Antwort von Hand ein - die später evtl. noch ankommende Mailantwort werde ich dann löschen:
Hallo Ronald,
heute will ich mal von meinen persönlichen Grundsätzen abgehen und einem „Streit“ nicht nur zusehen oder neutral schlichtend eingreifen, heute schlage ich mich eindeutig auf eine Seite. Zwar habe ich es immer noch nicht geschafft, Deinen Beitrag bis zum Ende zu lesen. Liegt zum einen an der Länge und zum anderen am Inhalt, aber das was ich gelesen habe kann und will ich so nicht stehen lassen.
Meine Antwort will ich mal an Morles Geschichte festmachen. Morle ist eine junge (ca. 31 J.) verheiratete Frau. Morle ist klein und zierlich. Eigentlich hübsch aber aus Sorge um ihre Kinder wirkt sie tatsächlich etwas abgekämpft. Man sieht ihr nicht an, dass sie fünf Kindern das Leben geschenkt hat. Sie wirkt eher wie die große Schwester ihrer großen Jungs. Vom Charakter her ist Morle ein ruhiger Typ. Nicht aufbrausend, eher leicht verschüchtert bis etwas ängstlich.
Ihr Mann ist zwar Franzose, aber auch nicht der aufbrausende Typ. Ich kenne die Familie persönlich und schätze den Vater so ein, dass er sich lieber wegduckt, als mal auszurasten oder „auf den Tisch zu hauen“. Man könnte ihn als lethargisch beschreiben.
Die Kinder (4 Jungs und 1 Mädchen) der Beiden sind etwa 10 Jahre, 9 Jahre, 3 Jahre, 2 Jahre und das weibliche Nesthäkchen 1 Jahr alt. Als Morle vor einem Jahr die Kleine gebar, kamen bei ihr weitere gesundheitliche Probleme dazu. Sie fühlte sich zusätzlich überlastet. Die beiden großen Jungs sind sehr aufgeweckte aktive „Kerlchen“.
Die beiden kleineren Kinder mussten alle noch gewickelt werden und benötigten noch Assistenz beim Essen, als das fünft Kind zur Welt kam. Dazu das Baby. Ein Tag ist bei solchen Konstellationen sehr kurz. Da der Vater einen Vollzeitjob hat, muss sie die alltägliche Arbeit ohne Führerschein alleine bewältigen. Details erspare ich uns jetzt.
Um den beiden großen Jungs weiterhin bei den Hausaufgaben helfen zu können, wollte sie eine Unterstützung haben. Sie dachte an eine Frau, die mal mit den Kleinen spazieren geht oder mit ihnen spielt. Bekannte gaben ihr den Rat, sich an das Jugendamt zu wenden.
Es kam dann auch eine Tante von denen nach Hause. Sie ging aber nicht mit den Kleinen zum Enten füttern oder spielte mit denen. Nein sie fand eine andere Lösung für Morles Problem. Morle sollte sich in psychische Behandlung in eine Klinik begeben. Das hat der Jugendamtstante auch sehr geholfen. Das wollte natürlich Morle nicht. Aber die Diagnose der Jugendamtstante stand fest: Morle benötigt Psycho-Hilfe.
Nicht nur Morle, auch der älteste Sohn muss behandelt werden, so die Diagnose der „Helferin“. Unter Aufbau eines Bedrohungsszenariums sah sich dann Morle gezwungen, den Großen in die Bezirksklinik/Tagesklinik zu geben. Obwohl die Eltern dort unterschrieben, dass keine Zusammenarbeit mit dem Jugendamt gewünscht wird, war das Jugendamt vollstens eingebunden. Ich kenne inzwischen die komplette Familie sehr ausgiebig und sehe es so, dass sich die Jugendamtstante hier auch noch das „falsche Kind“ herausgepickt hat. Der „Aufmischer“ ist nicht der Älteste, sondern der Zweitälteste. Aber die „Fachfrau“ hat sich nicht mal hier die Mühe gemacht genau hinzusehen.
Statt dessen wurde anmoniert, dass einer der großen Jungs ein teueres Schlagzeug hat. Er bekommt aber dafür von seinen Eltern Musikunterricht finanziert. Die „Dame“ des Jugendamtes „wusste“ auch genau, dass Morle ihren Mann betrügt. Selbst wenn letzteres stimmen würde, was es ja nicht tut (ich halte diese Ehe für intakt) wäre das eine Privatsache des Ehepaares und hat nichts mit der Erziehungseignung von Morle und ihrem Mann zu tun.
Es wurde weiter Druck auf Morle ausgeübt, dass sie in Behandlung gehen soll. Bei einer dieser „Druckgespräche“ wurde das Elternpaar gefragt, ob es sich vorstellen kann, ohne die Kinder wieder von vorne anzufangen. Jetzt fing Morle an sich Hilfe zu suchen. Sie wohnte in meinem Regierungsbezirk in Bayern und landete daher auf einigen Umwegen an meiner Telefonstrippe.
Ich habe schon viel erlebt und habe mir grundsätzlich eine gesunde Skepsis bewahrt. Die verflog im Nu als ich bei einem der Telefonate mit Morle die „Hilfe“ des Jugendamtes als Ohrenzeuge miterleben durfte. Ein Mann und eine Frau vom Jugendamt begehrten Einlass bei Morle. Diese wollte ihren Anwalt dabei haben – das verweigerten die Herrschaften. Es war den Herrschaften auch nicht recht, dass Morle ihren Mann dabei haben wollte. Warum sie ihn dabei haben wollte, war die Frage. Nun, weil Morle der Meinung ist, dass der Vater der Kinder auch ein Recht hat, dabei zu sein.
Dann bemerkten die „Helfer“, dass Morle das Telefon in der Hand hielt. Sie wollten ernstlich wissen, mit wem sie spricht.
Ähnliches durfte bei einem anderen Besuch der Anwalt von Morle am Telefon miterleben.
Morle ließ die Beiden tapfer nicht hinein, obwohl ihr angedroht wurde, dass sie das büßen würde. Am Abend kamen sie wieder. Die Familie war aber auf dem Weg zu einem unabhängigen Arzt. Laut diesem Arzt ist die Morle-Familie eine intakte Familie. Die Kinder haben Vertrauen zu ihren Eltern und „scharren“ sich um diese. Der Arzt schickte die Familie weiter zu einem (der Familie bis dahin unbekannten) Psychiater. Dieser sollte überprüfen ob die Diagnose der „Helferin“ stimmt, also nachsehen ob bei Morle „ein Sprung in der Schüssel“ ist. Morle hat dem Psychiater erlaubt, dass ich den Arztbrief bekomme. Laut Psychiater ist die Schüssel von Morle ohne Sprung.
Da weitere Aktionen des Jugendamtes zu befürchten waren, zog Morle mit den Kindern zu Freunden. Nachdem das Jugendamt „das Nest leer“ vorfand, bzw. es dort nur den Vater antraf, schritt es zur Tat bzw. wurde es bei Gericht vorstellig. „Leider“ war das für das Jugendamt dann ein erfolgloses Vorgehen. Der Anwalt hatte, mit dem Arztbrief des Psychiaters als Beweis, inzwischen eine Schutzschrift bei Gericht eingereicht. Das Jugendamt musste abziehen, ohne dass es den gewünschten Sorgerechtsentzug bekam.
Diese Geschichte durfte ich hautnah miterleben. Vor einiger Zeit kam im Fernsehen die Sendung: „Plötzlich ist Dein Kind weg“. Dort wurde eine Manuela vorgestellt. Ich durfte Manuela auch kurz persönlich kennenlernen. Manuela hat einige Probleme. Sie war sich dieser Probleme bewusst und wollte deswegen Hilfe vom Jugendamt. Jetzt benötigt sie keine Hilfe mehr, da sie keine Kinder mehr hat.
Alles was Du schilderst, ist der Idealfall eines Jugendamtsmitarbeiters. Weder Manuela noch Morle und ihr Mann sind Bilderstürmer. Im Gegenteil. Sie könnten eine Portion mehr Selbstbewusstsein haben. Morle und Manuela haben den Fehler gemacht und den von Dir vorgestellten Idealbildern eines Jugendamtes vertraut.
Umgekehrt kann ich Dir die Geschichte eines Berliner Vaters erzählen, dessen Töchter bei der Mutter einer (ehemaligen?) Prostituierten leben. Eines der Mädels zeigt Auffälligkeiten wie nach nicht kindgerechten (evtl. sexuellen) Erfahrungen. Was meinst Du wie aktiv sich hier das Jugendamt eingeschaltet hat? Nee, nicht so wie Du meinst. Zwei Berliner Jugendämter tun…..NICHTS!!!!
Ein anderer Vater aus Gummersbach: seine Jugendamtsmitarbeiterin bescheinigte dem Gericht, dass die polnische Mutter nicht daran denkt in ihre Heimat zu gehen. Es geht ja nichts über den Luxus und das schöne Leben hier in Deutschland. Die Mutter bekam daraufhin das ABR. Erst zog sie nach Nürnberg. Seit ein paar Jahren kann er seine Kinder (wenn sie es gerade mal erlaubt) in Polen besuchen.
Klar wird hier im Forum das Jugendamt sozusagen durch einen Tunnelblick beäugt. Aber das hat eindeutig seinen Grund. Bei uns landen selten Menschen die positive Erfahrungen mit Jugendämtern gemacht haben. Nicht jeder Vater, der sich über die Arbeit oder Nichtarbeit „seines“ Jugendamtes beschwert ist ein Bilderstürmer. Viele sind verschüchtert und respektvoll. Nur werden sie von den Mitarbeitern des Jugendamtes schnell „belehrt“ dass sie als Väter nur Eltern „zweiter Klasse“ sind. Mein Mann hatte fast zehn Jahre lang mit einem Jugendamt in Köln zu tun. Er erlebte nur eine einzige Mitarbeiterin die an das Wohl der Kinder dachte und der das Wohl der Mutter weniger wichtig war.
Wenn alle Mitarbeiter so arbeiten würden, wie Du es uns beschreibst, sich also an die Gesetze und Vorschriften halten und das Wohl der Kinder im Auge behalten würden, könnten wir hier im Forum mindestens eine Rubrik löschen bzw. hätten sie nie einrichten müssen. Wir sehen nicht nur die Arbeit des sozialen Dienstes mehr als kritisch. Auch die „Unterhaltsstellen“ und deren Beratungen und Berechnungen lassen viele Wünsche offen. Erst vor ein paar Tagen wurden mir hierzu Dokumente zur Verfügung gestellt. Wenn mein Mann mir die Dinger eingescannt hat, werde ich sie veröffentlichen.
Klar gibt es auch engagierte und gute Mitarbeiter. Klar, dass bei uns nur Menschen „aufschlagen“, die eben nicht an diese guten Mitarbeiter geraten sind. Da aber hier im Forum und bei mir privat viele Menschen ankommen, denen vom Jugendamt nicht geholfen wurde, denen oftmals viel geschadet wurde, sehen es die Menschen hier im Forum nun mal mit dem Tunnelblick. Meiner Meinung nach auch zu recht.
Die Mitarbeiter der Jugendämter haben es mit Menschen zu tun. Nicht nur als Friseure, wo die Haare wieder nachwachsen, wenn der Friseur mal einen Fehler gemacht hat. Jeder unfähige Mitarbeiter zerstört Leben. Er zerstört die Zukunft von Kindern. Hier denke ich nicht nur an den Kevin von Bremen. Sie zerstören durch falsche Berechnungen und falsche Beratung die finanzielle Zukunft von Eltern und Zweitfamilien.
Kein Handwerksbetrieb kann es sich erlauben unfähige Mitarbeiter weiter zu beschäftigen oder gar zu schützen. Solche werden in der privaten Wirtschaft gnadenlos auf die Straße gesetzt. Manchmal bekommen sie noch Schadenersatzansprüche „nachgeliefert“. Die unfähigen Mitarbeiter der Jugendämter aber, werden (trotz Dienstaufsichtsbeschwerden) beschützt und weiter auf Menschen losgelassen. Sie können ungehindert weiter ihr Unwesen treiben. Sie unterliegen keiner wirklichen Aufsicht und müssen in den seltesten Fällen Repressalien für ihr Unvermögen befürchten.
Ronald, ich kann verstehen, dass Du Deine Berufsehre verteidigen willst. Das kannst Du aber besser machen, wenn Du hilfst die „schwarzen Schafen“ in Eueren Reihen auszusortieren und zu eliminieren. Jede „Pfeife“ in den Jugendämtern (das ich weiterhin auch so nennen werde) ist eine Pfeife zuviel. Solange es diese Nullen gibt, werde ich sie bekämpfen. Schönreden wird sich hier im Forum die Arbeit der Jugendämter keiner lassen. Hier haben fast alle negative Erfahrungen mit den Jugendämtern gemacht und Worte wie Du sie schreibst bringt die Menschen im Forum nur gegen Dich auf, sogar über persönliche „Feindesgrenzen“ hier im Forum hinweg. Deine Worte lassen auch ein gewisses Mitgefühl für die von den Jugendämtern geschädigten Menschen hier im Forum vermissen. Bitte helfe den Menschen hier und weise ihnen nicht nur die Schuld zu, dass sie selber durch ihr Auftreten schuld an den jetzigen Situationen sind. Morle und Manuela hätten den Jugendämtern in den Arsch (schreibe ich bewusst aus) kriechen können, sie hätten ihre Kinder trotzdem verloren.
Gruß
Ingrid
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Ronald [mailto:VAfK-Forum.4.f734e1882084@carookee.com]
Gesendet: Donnerstag, 22. Februar 2007 19:53
An: Elternforum des Väteraufbruchs - Jugendamt
Betreff: [Elternforum] Bilder stürmen oder Veränderung wollen?
Hallo ihr da im Netz,
… ich hatte eine Weile viel zu tun und konnte aus diesem Grunde nicht so aktiv mitmachen, wie ich wollte.
Ich fand den Beitrag von Morle (08.12.2006 – auch noch mein Geburtstag) und war ein wenig verstört. Schön, dass sich gleich jemand gemeldet hat und Kontakt herstellen wollte. Mir hat dann noch Carsten geschrieben, der auch die Seite www.Initiative-kind.de.vu unterhält.
Auch ich bin betroffen von der Willkür der Frau, die ich einmal geliebt habe. Auch ich habe zu tun, dass ich meinen Sohn regelmäßig sehen darf. Auch ich habe Stunden durch, in denen ich einfach aus dem Fenster springen wollte. Auch ich habe es mit Gesetzen zu tun, die scheinbar immer für den anderen geschaffen zu sein scheinen. Aber auch ich habe mich an dieselben zu halten, ob es mir nun passt oder nicht. Auch ich habe darunter zu leiden, dass die Justiz in Bremen der Meinung ist, dass das Kontinuitätsprinzip darin besteht, das Kind per se dort zu lassen, wo es gerade ist, weil damit die Kontinuität gewährleistet ist. Dem kann ich als Sozialpädagoge natürlich nicht folgen, weil ich es für pädagogisch völlig daneben halte. Die Justiz ist aber eben auch kein Verein von Sozialpädagogen, der versucht die Gesetze umzusetzen. Die Justiz hat die bescheidene Aufgabe (so wie ich es sehe) dass sie versuchen muss, die Gesetze umzusetzen. Nun sieht aber jeder das, was ihn betrifft, ein wenig anders.
Natürlich finde ich es schade, dass Familienrichter nicht gleichzeitig eine sozialpädagogische Zusatzqualifikation besitzen. Das würde helfen so manchen Sachverhalt besser zu verstehen. Ob das aber dazu führen würde, dass besser Recht gesprochen würde, das wage ich zu bezweifeln.
Aber der Reihe nach.
Ich kenne die Geschichte von Morle nicht, glaube aber, dass sie so ein großes Gefühl von Not spürte, dass sie ausgewandert ist. Das ist schlimm und traurig. Ebenso wenig kenne ich die Geschichte von Carsten. Aber ich kenne seine Schilderung der Umstände. Nachdem ich es durchgelesen habe war mir so einiges unklar … geworden oder geblieben?!
In all diesem Leid findet sich immer sehr schnell eine Projektionsfläche – meist die, die eine wie auch immer geartete Entscheidung zu fällen haben oder hatten. Wenn es sich um Kinder dreht sind es meist die Fachdienste Jugend und die Gerichte. Da bin ich dann auch genau an der Stelle, die so weh tut. Es gibt auf keinen Fall schlechthin die Fachdienste Jugend und Gerichte. Es gibt sehr wohl kompetente Mitarbeiter und weniger kompetente und es gibt Pfeifen. Sowohl bei den Gerichten, als auch bei den Ämtern.
Es ist grundfalsch und führt in eine selbst geschaffene Katastrophe, wenn man sich auf eine Institution einschießt, alle dort arbeitenden Mitarbeitern das gleiche Mäntelchen überstülpt, um dann wie Don Quichotte gegen die Windmühlen zu rennen.
Ich arbeite mit dem Fachdienst Jugend zusammen und kann nur sagen, dass ich sowohl die einen kenne als auch die anderen. Aber ich kenne auch die Familien, denen wir helfen. Ich kann sagen, dass 80% von denen, die von uns eine Unterstützung erhalten, nicht der Meinung sind, dass sie die auch wirklich brauchen. Die Mutter, die ihre 14 jährige Tochter verheiraten möchte, weil sie damit ihre Sorgen los wäre; die mit ihrer pubertierenden Tochter völlig überfordert ist und nicht mehr gewährleisten kann, dass sie wenigstens halbwegs regelmäßig in die Schule geht. Hier schlage ich und die Mitarbeiterin des Fachdienstes vor, dass die Tochter in eine betreute Wohnform geht… was aber von Tochter (klar – besser keine Regeln und keine Schule als das Gegenteil) und Mutter abgelehnt wird. Weder wir noch das Jugendamt haben die Möglichkeit, hier umzusetzen, was wir für richtig halten… Weil die Mutter das Sorgerecht hat und keine Richter das selbige so ohne weiteres, wie es gerne kolportiert wird, aberkennen kann. Selbst eine Familie, in welcher eine ungeklärte Kindstötung vorgefallen ist, sieht keinen Anlass Hilfe anzunehmen. Nur widerwillig wurde die Familie von der Notwendigkeit überzeugt. Ich habe diese Familie betreut und ich weiß wovon ich spreche. Ich bin vehement dagegen aufgetreten, die Kinder in Obhut zu nehmen. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin haben wir die Familie 20 Stunden in der Woche betreut, die Beerdigung organisiert, Arzttermine verabredet einfache Haushaltsfragen geklärt, den Vater unterstützt, als die Mutter sich eine Zeit lang „über den Acker“ gemacht hat. Das war eine sehr gewagte Hilfestellung, weil keiner wusste, was in dieser Familie weiterhin passiert. Die Mitarbeiter des Fachdienstes haben das mit getragen und sind, wie wir ein sehr hohes Risiko eingegangen, damit die Kinder bei den Eltern verbleiben können. Aber auch das hat nichts genützt, weil nämlich einige Zeit später ein weiteres Kind aus dieser Familie misshandelt wurde. Quasi unter den Augen der Betreuer! Jetzt werden die Kinder ohne Eltern betreut und machen Fortschritte im Eilzugtempo. Aber auch jetzt ist die Situation so, dass die Kinder wahrscheinlich wieder in die Hände einer erziehungsunfähigen Mutter und eines brutalen Vaters gegeben werden, weil es eben NICHT so einfach ist, die Kinder aus einer Familie zu nehmen. Selbst in einem so klar und deutlich begründeten Fall. Die Liste ließe sich fortführen.
Fakt ist eins! In meiner sechzehnjährigen beruflichen Laufbahn habe ich Mitarbeiter in den Fachdiensten Jugend gesehen und erlebt, die so manchen Fall vorzeitig beendet haben, weil die Eltern die Hilfe nicht mehr wollten, weil sie sich in ihrer Verantwortung als Eltern nicht wahrgenommen fühlten. Im gleichen Fall stehe ich als Helfer da und fordere die Mitarbeit der Eltern als unabdingbares Mittel für den Hilfeplanprozess … und stehe da und weiß nicht weiter, weil viele Eltern nicht mitmachen.
Natürlich habe ich mich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. Natürlich weiß ich, dass so eine Haltung nicht von ungefähr kommt. Ich weiß aber eben auch, dass sie nicht daher kommt, dass die Eltern mit der „unheimlichen Fürsorge“ der „Ämter“ überhäuft wurden. Der Helfer hat es hier mit der Situation zu tun, dass Hilfe annehmen immer nur dann akzeptiert wird, wenn sie nicht in den familiären Kontext eingebunden ist. Jeder der betreuten Elternteile ist der Meinung, dass er jedwede Kompetenz besitzt, seine Kinder vernünftig zu erziehen. Hilfe wollen meist nur die, die sie eigentlich nicht brauchen. Das sind dann die, die an sich schon kompetent genug sind, die Probleme zu lösen, aber eben auch wissen wie schwer die Lösung sein kann. Ein Hilfsangebot lehnen meist nur die ab, die auf Grund fehlender Einsicht nicht in der Lage sind, ein Problembewusstsein zu entwickeln. Wobei wir hier wieder am Anfang wären. Diejenigen, die Hilfe benötigen lehnen sie vehement ab, weil sie kein Problembewusstsein haben oder entwickeln konnten. Gleichwohl fühlen sie sich bedrängt und bevormundet.
Ich kann und will es nicht ändern, dass einige den Feind im „Amt“ sehen und dann bildersturmmässig gegen Wände rennen. Wenn man aber schon Räuber und Gendarm spielen muss, dann sollte man sich überlegen ob ich die Regeln festlegen kann oder ob ich mich mit den Regeln der anderen vertraut mache, damit ich im Streit die besseren oder einfach nur bessere Karten habe.
Dafür sollten aber mindestens zwei Sachen beachtet werden.
Man(n) solle sich hüten, einer selbst gezimmerten Wirklichkeit zu glauben. Die selbst erfüllende Prophezeiung dient einzig und allein dem Zweck, ein inneres Modell der (herbeigesehnten) Wirklichkeit über eine, gebetsmühlenartig vorgetragene, Argumentationslinie zu bestätigen. Mit anderen Worten: Ich fühle mich schlecht. Ich fühle mich ungerecht behandelt. Ich habe im Moment keine Mittel mich zu wehren. Keiner versteht mich. Ich habe Frust. Wo soll er hin, der Frust? Ich brauche ein Ziel. Ich mache mir ein Ziel. Damit mein Weltbild aber auch weiterhin Bestand hat, baue ich so lange an der Argumentation, bis ich selber daran glaube. Dann ist das eingetreten, was ich mir selber prophezeit habe….
Wenn schon Frust auf jemanden, dann nicht auf das Amt – sondern auf DEN Mitarbeiter im Amt!
Dem werde ich aber nur dann bei kommen, wenn ich auch sattelfest bin, was meine Kompetenzen und mein Wissen zum Sachverhalt anbelangt. Wenn ich mir dieses Wissen nicht aneignen kann, dann muss ich mich auf Leute verlassen, die es können. Dafür gibt es unter anderem dieses Forum und Anwälte. In Berlin gibt es sogar einen Verein, der sich darum kümmert, dass Eltern zu ihrer Hilfe (VOM FACHDIENST JUGEND!!) kommen und sie ihnen nicht versagt wird.
Es reicht nicht, wenn man(n) Halbwahrheiten oder unrichtige Sachverhalte ins Netzt stellt und glaubt die schlechte Stimmung alleine reicht aus. Eben nicht! Niemand kann etwas dafür, wenn er sich nicht auskennt. Aber jeder der mitmischen will, muss sich verpflichtet fühlen, Wissen zu erlangen oder sich jemanden an die Seite zu holen der Wissen hat. Es gibt keine „dauerhaften Inobhutnahmen“ – es gibt Unterbringungen nach § 27 ff SGB VIII. Die aber auch nur auf Grundlage eines Hilfeplanes, der erst einmal erstellt werden muss. Eine Maßnahme nach § 1631b oder § 1666 BGB wird nicht von heute auf Morgen umgesetzt. Dazu brauch es einen Antrag beim Richter. Den müssen aber die Eltern stellen. Der Fachdienst Jugend darf das nur machen, wenn die Eltern nicht wollen, das Kindeswohl aber gefährdet ist. Wann das Kindeswohl aber nun gefährdet ist… ist eine lange Geschichte, die wenig mit dem Fachdienst Jugend zu tun hat. Ein wenig gibt es dazu auf meiner Homepage (www.die-sittinger.de/Kindeswohl2.htm).
Der Staat hat ein Wächteramt wahrzunehmen. Dazu ist er verpflichtet: "Über ihre [der Eltern] Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft" (Art. 6 Abs.2 Satz 2 Grundgesetz; § 1 Abs.2 SGB VIII). Dass wir froh sein können ein solches Gesetz zu haben, zeigten mir langjährige Dienstreisen nach Weißrussland. Gegen harte Währung bekommt man dort jedes Recht das man will... auch beim Fachdienst Jugend! Aber das ist ein anderes Thema…
Wie er (der Fachdienst = Staat) das (Wächteramt) nun aber ausübt, ist eine Sache der Auslegung der Gesetze. Dass das eine hoch komplizierte Angelegenheit ist – keine Frage! Schaut doch mal auf diese Seite und nehmt euch Zeit: http://www.blja.bayern.de/Textoffice/Fachbeitr%C3%A4geMittBl/TextOfficeMittBlJugendamtW%C3%A4chteramt.htm. Salgo, Zens und Heilmann (vor letzterem ziehe ich achtungsvoll den Hut) kenne ich persönlich und ich weiß dass die wissen, wovon die reden. Wenngleich man nicht immer einer Meinung sein muss… besonders bei Herrn Salgo.
Aber zu behaupten, „der Staat darf nur als beratendes und überwachendes Organ mitbestimmen und kontrollieren“ ist so falsch wie gefährlich. Damit wird bei Menschen in Not eine Erwartung geschürt, die auf keinen Fall eingehalten werden kann. Wenn das einer liest und mit diesem falschen Wissen in eine Auseinandersetzung Fachdienst Jugend geht, dann wird er im günstigsten Fall nur bemitleidet – im schlimmsten Fall sind alle seine Fälle davongeschwommen. Gesetze müssen interpretationsfähig sein, weil sie sonst starr und wenig flexibel wären. Das Leben ist in Bewegung und die Gesetze müssen versuchen dem gerecht zu werden. Das klappt mal besser und mal schlechter.
Es ist einfach unrichtig, wenn suggestiv die Frage in den Raum gestellt wird, wer denn Auskunft darüber gibt, was mit den Kindern im Heim passiert, ob sie dort psychologisch betreut werden oder nicht. Die Konzeptionen der Einrichtungen liegen in den Ämtern aus. Die Einrichtungen sind im Internet zu finden. Die Mitarbeiter geben natürlich Auskunft.
Also meine inständige Bitte. Macht euch kundig, fragt hier im Forum Leute, die sich auskennen, damit ihr im Falle eines Falles mit scharfen Waffen gegen den MITARBEITER des „Fachdienstes Jugend“ (und nicht mehr Jugendamt – im Übrigen das Resultat der Übernahme europäischen Rechts) und hier meistens des ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) vorgehen könnt.
Es erreicht nur der etwas, der auch was vorbringen kann. Betroffenheit reicht da nicht. Sie ist nicht mal eine Chance…
Bis dann…
Ronald
P.S.: Morle und die ganze Familie lebt jetzt in Frankreich in einem kleinen Ort. Der Große benötigt, nach Ansicht der dortigen Behörden, komischerweise keine "Tagesklinik". Sogar der Bürgermeister des Ortes geht bei ihnen ein und aus. Sie haben auch Kontakt zu den dortigen Sozialbehörden. Niemand findet etwas an den Kindern oder Eltern auszusetzen. Alle dort schütteln über die Arbeit der von Dir hochgelobten Jugendämter den Kopf bzw. finden dass die Deutschen Behörden und deren Mitarbeiter therapiert werden sollten.