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| Väterradio http://www.vaeterradio.de Septembersendung - Liebe - schmerzlicher als der Tod - Keine Konsequenzen bei Verantwortlichen im Jugendamt und der Politik - André Radovanovic - Tochter wurde in eine Pflegefamilie gegeben und durch die Pflegemutter zu Tode geprügelt - Dirk-Uwe Baasch - Tochter sprang vom Hochhaus in den Tod - Martina Eckermann - Pressesprecherin der Stadt Wuppertal - Marcel Hafke - Parteivorsitzender der FDP Wuppertal - Marco Nerding - Song "Talea" |
Hallo Ronald,
heute will ich mal von meinen persönlichen Grundsätzen abgehen und einem
„Streit“ nicht nur zusehen oder neutral schlichtend eingreifen, heute
schlage ich mich eindeutig auf eine Seite. Zwar habe ich es immer noch
nicht geschafft, Deinen Beitrag bis zum Ende zu lesen. Liegt zum einen an
der Länge und zum anderen am Inhalt, aber das was ich gelesen habe kann und
will ich so nicht stehen lassen.
Meine Antwort will ich mal an Morles Geschichte festmachen. Morle ist eine
junge (ca. 31 J.) verheiratete Frau. Morle ist klein und zierlich.
Eigentlich hübsch aber aus Sorge um ihre Kinder wirkt sie tatsächlich etwas
abgekämpft. Man sieht ihr nicht an, dass sie fünf Kindern das Leben
geschenkt hat. Sie wirkt eher wie die große Schwester ihrer großen Jungs.
Vom Charakter her ist Morle ein ruhiger Typ. Nicht aufbrausend, eher leicht
verschüchtert bis etwas ängstlich.
Ihr Mann ist zwar Franzose, aber auch nicht der aufbrausende Typ. Ich kenne
die Familie persönlich und schätze den Vater so ein, dass er sich lieber
wegduckt, als mal auszurasten oder „auf den Tisch zu hauen“. Man könnte ihn
als lethargisch beschreiben.
Die Kinder (4 Jungs und 1 Mädchen) der Beiden sind etwa 10 Jahre, 9 Jahre, 3
Jahre, 2 Jahre und das weibliche Nesthäkchen 1 Jahr alt. Als Morle vor einem
Jahr die Kleine gebar, kamen bei ihr weitere gesundheitliche Probleme dazu.
Sie fühlte sich zusätzlich überlastet. Die beiden großen Jungs sind sehr
aufgeweckte aktive „Kerlchen“.
Die beiden kleineren Kinder mussten alle noch gewickelt werden und
benötigten noch Assistenz beim Essen, als das fünft Kind zur Welt kam. Dazu
das Baby. Ein Tag ist bei solchen Konstellationen sehr kurz. Da der Vater
einen Vollzeitjob hat, muss sie die alltägliche Arbeit ohne Führerschein
alleine bewältigen. Details erspare ich uns jetzt.
Um den beiden großen Jungs weiterhin bei den Hausaufgaben helfen zu können,
wollte sie eine Unterstützung haben. Sie dachte an eine Frau, die mal mit
den Kleinen spazieren geht oder mit ihnen spielt. Bekannte gaben ihr den
Rat, sich an das Jugendamt zu wenden.
Es kam dann auch eine Tante von denen nach Hause. Sie ging aber nicht mit
den Kleinen zum Enten füttern oder spielte mit denen. Nein sie fand eine
andere Lösung für Morles Problem. Morle sollte sich in psychische Behandlung
in eine Klinik begeben. Das hat der Jugendamtstante auch sehr geholfen. Das
wollte natürlich Morle nicht. Aber die Diagnose der Jugendamtstante stand
fest: Morle benötigt Psycho-Hilfe.
Nicht nur Morle, auch der älteste Sohn muss behandelt werden, so die
Diagnose der „Helferin“. Unter Aufbau eines Bedrohungsszenariums sah sich
dann Morle gezwungen, den Großen in die Bezirksklinik/Tagesklinik zu geben.
Obwohl die Eltern dort unterschrieben, dass keine Zusammenarbeit mit dem
Jugendamt gewünscht wird, war das Jugendamt vollstens eingebunden. Ich kenne
inzwischen die komplette Familie sehr ausgiebig und sehe es so, dass sich
die Jugendamtstante hier auch noch das „falsche Kind“ herausgepickt hat. Der
„Aufmischer“ ist nicht der Älteste, sondern der Zweitälteste. Aber die
„Fachfrau“ hat sich nicht mal hier die Mühe gemacht genau hinzusehen.
Statt dessen wurde anmoniert, dass einer der großen Jungs ein teueres
Schlagzeug hat. Er bekommt aber dafür von seinen Eltern Musikunterricht
finanziert. Die „Dame“ des Jugendamtes „wusste“ auch genau, dass Morle ihren
Mann betrügt. Selbst wenn letzteres stimmen würde, was es ja nicht tut (ich
halte diese Ehe für intakt) wäre das eine Privatsache des Ehepaares und hat
nichts mit der Erziehungseignung von Morle und ihrem Mann zu tun.
Es wurde weiter Druck auf Morle ausgeübt, dass sie in Behandlung gehen soll.
Bei einer dieser „Druckgespräche“ wurde das Elternpaar gefragt, ob es sich
vorstellen kann, ohne die Kinder wieder von vorne anzufangen. Jetzt fing
Morle an sich Hilfe zu suchen. Sie wohnte in meinem Regierungsbezirk in
Bayern und landete daher auf einigen Umwegen an meiner Telefonstrippe.
Ich habe schon viel erlebt und habe mir grundsätzlich eine gesunde Skepsis
bewahrt. Die verflog im Nu als ich bei einem der Telefonate mit Morle die
„Hilfe“ des Jugendamtes als Ohrenzeuge miterleben durfte. Ein Mann und eine
Frau vom Jugendamt begehrten Einlass bei Morle. Diese wollte ihren Anwalt
dabei haben – das verweigerten die Herrschaften. Es war den Herrschaften
auch nicht recht, dass Morle ihren Mann dabei haben wollte. Warum sie ihn
dabei haben wollte, war die Frage. Nun, weil Morle der Meinung ist, dass der
Vater der Kinder auch ein Recht hat, dabei zu sein.
Dann bemerkten die „Helfer“, dass Morle das Telefon in der Hand hielt. Sie
wollten ernstlich wissen, mit wem sie spricht.
Ähnliches durfte bei einem anderen Besuch der Anwalt von Morle am Telefon
miterleben.
Morle ließ die Beiden tapfer nicht hinein, obwohl ihr angedroht wurde, dass
sie das büßen würde. Am Abend kamen sie wieder. Die Familie war aber auf dem
Weg zu einem unabhängigen Arzt. Laut diesem Arzt ist die Morle-Familie eine
intakte Familie. Die Kinder haben Vertrauen zu ihren Eltern und „scharren“
sich um diese. Der Arzt schickte die Familie weiter zu einem (der Familie
bis dahin unbekannten) Psychiater. Dieser sollte überprüfen ob die Diagnose
der „Helferin“ stimmt, also nachsehen ob bei Morle „ein Sprung in der
Schüssel“ ist. Morle hat dem Psychiater erlaubt, dass ich den Arztbrief
bekomme. Laut Psychiater ist die Schüssel von Morle ohne Sprung.
Da weitere Aktionen des Jugendamtes zu befürchten waren, zog Morle mit den
Kindern zu Freunden. Nachdem das Jugendamt „das Nest leer“ vorfand, bzw. es
dort nur den Vater antraf, schritt es zur Tat bzw. wurde es bei Gericht
vorstellig. „Leider“ war das für das Jugendamt dann ein erfolgloses
Vorgehen. Der Anwalt hatte, mit dem Arztbrief des Psychiaters als Beweis,
inzwischen eine Schutzschrift bei Gericht eingereicht. Das Jugendamt musste
abziehen, ohne dass es den gewünschten Sorgerechtsentzug bekam.
Diese Geschichte durfte ich hautnah miterleben. Vor einiger Zeit kam im
Fernsehen die Sendung: „Plötzlich ist Dein Kind weg“. Dort wurde eine
Manuela vorgestellt. Ich durfte Manuela auch kurz persönlich kennenlernen.
Manuela hat einige Probleme. Sie war sich dieser Probleme bewusst und wollte
deswegen Hilfe vom Jugendamt. Jetzt benötigt sie keine Hilfe mehr, da sie
keine Kinder mehr hat.
Alles was Du schilderst, ist der Idealfall eines Jugendamtsmitarbeiters.
Weder Manuela noch Morle und ihr Mann sind Bilderstürmer. Im Gegenteil. Sie
könnten eine Portion mehr Selbstbewusstsein haben. Morle und Manuela haben
den Fehler gemacht und den von Dir vorgestellten Idealbildern eines
Jugendamtes vertraut.
Umgekehrt kann ich Dir die Geschichte eines Berliner Vaters erzählen, dessen
Töchter bei der Mutter einer (ehemaligen?) Prostituierten leben. Eines der
Mädels zeigt Auffälligkeiten wie nach nicht kindgerechten (evtl. sexuellen)
Erfahrungen. Was meinst Du wie aktiv sich hier das Jugendamt eingeschaltet
hat? Nee, nicht so wie Du meinst. Zwei Berliner Jugendämter tun…..NICHTS!!!!
Ein anderer Vater aus Gummersbach: seine Jugendamtsmitarbeiterin
bescheinigte dem Gericht, dass die polnische Mutter nicht daran denkt in
ihre Heimat zu gehen. Es geht ja nichts über den Luxus und das schöne Leben
hier in Deutschland. Die Mutter bekam daraufhin das ABR. Erst zog sie nach
Nürnberg. Seit ein paar Jahren kann er seine Kinder (wenn sie es gerade mal
erlaubt) in Polen besuchen.
Klar wird hier im Forum das Jugendamt sozusagen durch einen Tunnelblick
beäugt. Aber das hat eindeutig seinen Grund. Bei uns landen selten Menschen
die positive Erfahrungen mit Jugendämtern gemacht haben. Nicht jeder Vater,
der sich über die Arbeit oder Nichtarbeit „seines“ Jugendamtes beschwert ist
ein Bilderstürmer. Viele sind verschüchtert und respektvoll. Nur werden sie
von den Mitarbeitern des Jugendamtes schnell „belehrt“ dass sie als Väter
nur Eltern „zweiter Klasse“ sind. Mein Mann hatte fast zehn Jahre lang mit
einem Jugendamt in Köln zu tun. Er erlebte nur eine einzige Mitarbeiterin
die an das Wohl der Kinder dachte und der das Wohl der Mutter weniger
wichtig war.
Wenn alle Mitarbeiter so arbeiten würden, wie Du es uns beschreibst, sich
also an die Gesetze und Vorschriften halten und das Wohl der Kinder im Auge
behalten würden, könnten wir hier im Forum mindestens eine Rubrik löschen
bzw. hätten sie nie einrichten müssen. Wir sehen nicht nur die Arbeit des
sozialen Dienstes mehr als kritisch. Auch die „Unterhaltsstellen“ und deren
Beratungen und Berechnungen lassen viele Wünsche offen. Erst vor ein paar
Tagen wurden mir hierzu Dokumente zur Verfügung gestellt. Wenn mein Mann mir
die Dinger eingescannt hat, werde ich sie veröffentlichen.
Klar gibt es auch engagierte und gute Mitarbeiter. Klar, dass bei uns nur
Menschen „aufschlagen“, die eben nicht an diese guten Mitarbeiter geraten
sind. Da aber hier im Forum und bei mir privat viele Menschen ankommen,
denen vom Jugendamt nicht geholfen wurde, denen oftmals viel geschadet
wurde, sehen es die Menschen hier im Forum nun mal mit dem Tunnelblick.
Meiner Meinung nach auch zu recht.
Die Mitarbeiter der Jugendämter haben es mit Menschen zu tun. Nicht nur als
Friseure, wo die Haare wieder nachwachsen, wenn der Friseur mal einen Fehler
gemacht hat. Jeder unfähige Mitarbeiter zerstört Leben. Er zerstört die
Zukunft von Kindern. Hier denke ich nicht nur an den Kevin von Bremen. Sie
zerstören durch falsche Berechnungen und falsche Beratung die finanzielle
Zukunft von Eltern und Zweitfamilien.
Kein Handwerksbetrieb kann es sich erlauben unfähige Mitarbeiter weiter zu
beschäftigen oder gar zu schützen. Solche werden in der privaten Wirtschaft
gnadenlos auf die Straße gesetzt. Manchmal bekommen sie noch
Schadenersatzansprüche „nachgeliefert“. Die unfähigen Mitarbeiter der
Jugendämter aber, werden (trotz Dienstaufsichtsbeschwerden) beschützt und
weiter auf Menschen losgelassen. Sie können ungehindert weiter ihr Unwesen
treiben. Sie unterliegen keiner wirklichen Aufsicht und müssen in den
seltesten Fällen Repressalien für ihr Unvermögen befürchten.
Ronald, ich kann verstehen, dass Du Deine Berufsehre verteidigen willst. Das
kannst Du aber besser machen, wenn Du hilfst die „schwarzen Schafen“ in
Eueren Reihen auszusortieren und zu eliminieren. Jede „Pfeife“ in den
Jugendämtern (das ich weiterhin auch so nennen werde) ist eine Pfeife
zuviel. Solange es diese Nullen gibt, werde ich sie bekämpfen. Schönreden
wird sich hier im Forum die Arbeit der Jugendämter keiner lassen. Hier haben
fast alle negative Erfahrungen mit den Jugendämtern gemacht und Worte wie Du
sie schreibst bringt die Menschen im Forum nur gegen Dich auf, sogar über
persönliche „Feindesgrenzen“ hier im Forum hinweg. Deine Worte lassen auch
ein gewisses Mitgefühl für die von den Jugendämtern geschädigten Menschen
hier im Forum vermissen. Bitte helfe den Menschen hier und weise ihnen nicht
nur die Schuld zu, dass sie selber durch ihr Auftreten schuld an den
jetzigen Situationen sind. Morle und Manuela hätten den Jugendämtern in den
Arsch (schreibe ich bewusst aus) kriechen können, sie hätten ihre Kinder
trotzdem verloren.
Gruß
Ingrid
-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Ronald [mailto:@carookee.com]
Gesendet: Donnerstag, 22. Februar 2007 19:53
An: Elternforum des Väteraufbruchs - Jugendamt
Betreff: [Elternforum] Bilder stürmen oder Veränderung wollen?
Hallo ihr da im Netz,
… ich hatte eine Weile viel zu tun und konnte aus diesem Grunde nicht so
aktiv mitmachen, wie ich wollte.
Ich fand den Beitrag von Morle (08.12.2006 – auch noch mein Geburtstag) und
war ein wenig verstört. Schön, dass sich gleich jemand gemeldet hat und
Kontakt herstellen wollte. Mir hat dann noch Carsten geschrieben, der auch
die Seite
unterhält.
Auch ich bin betroffen von der Willkür der Frau, die ich einmal geliebt
habe. Auch ich habe zu tun, dass ich meinen Sohn regelmäßig sehen darf. Auch
ich habe Stunden durch, in denen ich einfach aus dem Fenster springen
wollte. Auch ich habe es mit Gesetzen zu tun, die scheinbar immer für den
anderen geschaffen zu sein scheinen. Aber auch ich habe mich an dieselben zu
halten, ob es mir nun passt oder nicht. Auch ich habe darunter zu leiden,
dass die Justiz in Bremen der Meinung ist, dass das Kontinuitätsprinzip
darin besteht, das Kind per se dort zu lassen, wo es gerade ist, weil damit
die Kontinuität gewährleistet ist. Dem kann ich als Sozialpädagoge natürlich
nicht folgen, weil ich es für pädagogisch völlig daneben halte. Die Justiz
ist aber eben auch kein Verein von Sozialpädagogen, der versucht die Gesetze
umzusetzen. Die Justiz hat die bescheidene Aufgabe (so wie ich es sehe) dass
sie versuchen muss, die Gesetze umzusetzen. Nun sieht aber jeder das, was
ihn betrifft, ein wenig anders.
Natürlich finde ich es schade, dass Familienrichter nicht gleichzeitig eine
sozialpädagogische Zusatzqualifikation besitzen. Das würde helfen so manchen
Sachverhalt besser zu verstehen. Ob das aber dazu führen würde, dass besser
Recht gesprochen würde, das wage ich zu bezweifeln.
Aber der Reihe nach.
Ich kenne die Geschichte von Morle nicht, glaube aber, dass sie so ein
großes Gefühl von Not spürte, dass sie ausgewandert ist. Das ist schlimm und
traurig. Ebenso wenig kenne ich die Geschichte von Carsten. Aber ich kenne
seine Schilderung der Umstände. Nachdem ich es durchgelesen habe war mir so
einiges unklar … geworden oder geblieben?!
In all diesem Leid findet sich immer sehr schnell eine Projektionsfläche –
meist die, die eine wie auch immer geartete Entscheidung zu fällen haben
oder hatten. Wenn es sich um Kinder dreht sind es meist die Fachdienste
Jugend und die Gerichte. Da bin ich dann auch genau an der Stelle, die so
weh tut. Es gibt auf keinen Fall schlechthin die Fachdienste Jugend und
Gerichte. Es gibt sehr wohl kompetente Mitarbeiter und weniger kompetente
und es gibt Pfeifen. Sowohl bei den Gerichten, als auch bei den Ämtern.
Es ist grundfalsch und führt in eine selbst geschaffene Katastrophe, wenn
man sich auf eine Institution einschießt, alle dort arbeitenden Mitarbeitern
das gleiche Mäntelchen überstülpt, um dann wie Don Quichotte gegen die
Windmühlen zu rennen.
Ich arbeite mit dem Fachdienst Jugend zusammen und kann nur sagen, dass ich
sowohl die einen kenne als auch die anderen. Aber ich kenne auch die
Familien, denen wir helfen. Ich kann sagen, dass 80% von denen, die von uns
eine Unterstützung erhalten, nicht der Meinung sind, dass sie die auch
wirklich brauchen. Die Mutter, die ihre 14 jährige Tochter verheiraten
möchte, weil sie damit ihre Sorgen los wäre; die mit ihrer pubertierenden
Tochter völlig überfordert ist und nicht mehr gewährleisten kann, dass sie
wenigstens halbwegs regelmäßig in die Schule geht. Hier schlage ich und die
Mitarbeiterin des Fachdienstes vor, dass die Tochter in eine betreute
Wohnform geht… was aber von Tochter (klar – besser keine Regeln und keine
Schule als das Gegenteil) und Mutter abgelehnt wird. Weder wir noch das
Jugendamt haben die Möglichkeit, hier umzusetzen, was wir für richtig
halten… Weil die Mutter das Sorgerecht hat und keine Richter das selbige so
ohne weiteres, wie es gerne kolportiert wird, aberkennen kann. Selbst eine
Familie, in welcher eine ungeklärte Kindstötung vorgefallen ist, sieht
keinen Anlass Hilfe anzunehmen. Nur widerwillig wurde die Familie von der
Notwendigkeit überzeugt. Ich habe diese Familie betreut und ich weiß wovon
ich spreche. Ich bin vehement dagegen aufgetreten, die Kinder in Obhut zu
nehmen. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin haben wir die Familie 20 Stunden
in der Woche betreut, die Beerdigung organisiert, Arzttermine verabredet
einfache Haushaltsfragen geklärt, den Vater unterstützt, als die Mutter sich
eine Zeit lang „über den Acker“ gemacht hat. Das war eine sehr gewagte
Hilfestellung, weil keiner wusste, was in dieser Familie weiterhin passiert.
Die Mitarbeiter des Fachdienstes haben das mit getragen und sind, wie wir
ein sehr hohes Risiko eingegangen, damit die Kinder bei den Eltern
verbleiben können. Aber auch das hat nichts genützt, weil nämlich einige
Zeit später ein weiteres Kind aus dieser Familie misshandelt wurde. Quasi
unter den Augen der Betreuer! Jetzt werden die Kinder ohne Eltern betreut
und machen Fortschritte im Eilzugtempo. Aber auch jetzt ist die Situation
so, dass die Kinder wahrscheinlich wieder in die Hände einer
erziehungsunfähigen Mutter und eines brutalen Vaters gegeben werden, weil es
eben NICHT so einfach ist, die Kinder aus einer Familie zu nehmen. Selbst in
einem so klar und deutlich begründeten Fall. Die Liste ließe sich
fortführen.
Fakt ist eins! In meiner sechzehnjährigen beruflichen Laufbahn habe ich
Mitarbeiter in den Fachdiensten Jugend gesehen und erlebt, die so manchen
Fall vorzeitig beendet haben, weil die Eltern die Hilfe nicht mehr wollten,
weil sie sich in ihrer Verantwortung als Eltern nicht wahrgenommen fühlten.
Im gleichen Fall stehe ich als Helfer da und fordere die Mitarbeit der
Eltern als unabdingbares Mittel für den Hilfeplanprozess … und stehe da und
weiß nicht weiter, weil viele Eltern nicht mitmachen.
Natürlich habe ich mich mit diesem Phänomen auseinandergesetzt. Natürlich
weiß ich, dass so eine Haltung nicht von ungefähr kommt. Ich weiß aber eben
auch, dass sie nicht daher kommt, dass die Eltern mit der „unheimlichen
Fürsorge“ der „Ämter“ überhäuft wurden. Der Helfer hat es hier mit der
Situation zu tun, dass Hilfe annehmen immer nur dann akzeptiert wird, wenn
sie nicht in den familiären Kontext eingebunden ist. Jeder der betreuten
Elternteile ist der Meinung, dass er jedwede Kompetenz besitzt, seine Kinder
vernünftig zu erziehen. Hilfe wollen meist nur die, die sie eigentlich nicht
brauchen. Das sind dann die, die an sich schon kompetent genug sind, die
Probleme zu lösen, aber eben auch wissen wie schwer die Lösung sein kann.
Ein Hilfsangebot lehnen meist nur die ab, die auf Grund fehlender Einsicht
nicht in der Lage sind, ein Problembewusstsein zu entwickeln. Wobei wir hier
wieder am Anfang wären. Diejenigen, die Hilfe benötigen lehnen sie vehement
ab, weil sie kein Problembewusstsein haben oder entwickeln konnten.
Gleichwohl fühlen sie sich bedrängt und bevormundet.
Ich kann und will es nicht ändern, dass einige den Feind im „Amt“ sehen und
dann bildersturmmässig gegen Wände rennen. Wenn man aber schon Räuber und
Gendarm spielen muss, dann sollte man sich überlegen ob ich die Regeln
festlegen kann oder ob ich mich mit den Regeln der anderen vertraut mache,
damit ich im Streit die besseren oder einfach nur bessere Karten habe.
Dafür sollten aber mindestens zwei Sachen beachtet werden.
Man(n) solle sich hüten, einer selbst gezimmerten Wirklichkeit zu glauben.
Die selbst erfüllende Prophezeiung dient einzig und allein dem Zweck, ein
inneres Modell der (herbeigesehnten) Wirklichkeit über eine,
gebetsmühlenartig vorgetragene, Argumentationslinie zu bestätigen. Mit
anderen Worten: Ich fühle mich schlecht. Ich fühle mich ungerecht behandelt.
Ich habe im Moment keine Mittel mich zu wehren. Keiner versteht mich. Ich
habe Frust. Wo soll er hin, der Frust? Ich brauche ein Ziel. Ich mache mir
ein Ziel. Damit mein Weltbild aber auch weiterhin Bestand hat, baue ich so
lange an der Argumentation, bis ich selber daran glaube. Dann ist das
eingetreten, was ich mir selber prophezeit habe….
Wenn schon Frust auf jemanden, dann nicht auf das Amt – sondern auf DEN
Mitarbeiter im Amt!
Dem werde ich aber nur dann bei kommen, wenn ich auch sattelfest bin, was
meine Kompetenzen und mein Wissen zum Sachverhalt anbelangt. Wenn ich mir
dieses Wissen nicht aneignen kann, dann muss ich mich auf Leute verlassen,
die es können. Dafür gibt es unter anderem dieses Forum und Anwälte. In
Berlin gibt es sogar einen Verein, der sich darum kümmert, dass Eltern zu
ihrer Hilfe (VOM FACHDIENST JUGEND!!) kommen und sie ihnen nicht versagt
wird.
Es reicht nicht, wenn man(n) Halbwahrheiten oder unrichtige Sachverhalte ins
Netzt stellt und glaubt die schlechte Stimmung alleine reicht aus. Eben
nicht! Niemand kann etwas dafür, wenn er sich nicht auskennt. Aber jeder der
mitmischen will, muss sich verpflichtet fühlen, Wissen zu erlangen oder sich
jemanden an die Seite zu holen der Wissen hat. Es gibt keine „dauerhaften
Inobhutnahmen“ – es gibt Unterbringungen nach § 27 ff SGB VIII. Die aber
auch nur auf Grundlage eines Hilfeplanes, der erst einmal erstellt werden
muss. Eine Maßnahme nach § 1631b oder § 1666 BGB wird nicht von heute auf
Morgen umgesetzt. Dazu brauch es einen Antrag beim Richter. Den müssen aber
die Eltern stellen. Der Fachdienst Jugend darf das nur machen, wenn die
Eltern nicht wollen, das Kindeswohl aber gefährdet ist. Wann das Kindeswohl
aber nun gefährdet ist… ist eine lange Geschichte, die wenig mit dem
Fachdienst Jugend zu tun hat. Ein wenig gibt es dazu auf meiner Homepage (
www.die-sittinger.de/Kindeswohl2.htm).
Der Staat hat ein Wächteramt wahrzunehmen. Dazu ist er verpflichtet: "Über
ihre [der Eltern] Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft" (Art. 6
Abs.2 Satz 2 Grundgesetz; § 1 Abs.2 SGB VIII). Dass wir froh sein können ein
solches Gesetz zu haben, zeigten mir langjährige Dienstreisen nach
Weißrussland. Gegen harte Währung bekommt man dort jedes Recht das man
will... auch beim Fachdienst Jugend! Aber das ist ein anderes Thema…
Wie er (der Fachdienst = Staat) das (Wächteramt) nun aber ausübt, ist eine
Sache der Auslegung der Gesetze. Dass das eine hoch komplizierte
Angelegenheit ist – keine Frage! Schaut doch mal auf diese Seite und nehmt
euch Zeit:
http://www.blja.bayern.de/Textoffice/Fachbeitr%C3%A4geMittBl/TextOfficeMittB
lJugendamtW%C3%A4chteramt.htm. Salgo, Zens und Heilmann (vor letzterem ziehe
ich achtungsvoll den Hut) kenne ich persönlich und ich weiß dass die wissen,
wovon die reden. Wenngleich man nicht immer einer Meinung sein muss…
besonders bei Herrn Salgo.
Aber zu behaupten, „der Staat darf nur als beratendes und überwachendes
Organ mitbestimmen und kontrollieren“ ist so falsch wie gefährlich. Damit
wird bei Menschen in Not eine Erwartung geschürt, die auf keinen Fall
eingehalten werden kann. Wenn das einer liest und mit diesem falschen Wissen
in eine Auseinandersetzung Fachdienst Jugend geht, dann wird er im
günstigsten Fall nur bemitleidet – im schlimmsten Fall sind alle seine Fälle
davongeschwommen. Gesetze müssen interpretationsfähig sein, weil sie sonst
starr und wenig flexibel wären. Das Leben ist in Bewegung und die Gesetze
müssen versuchen dem gerecht zu werden. Das klappt mal besser und mal
schlechter.
Es ist einfach unrichtig, wenn suggestiv die Frage in den Raum gestellt
wird, wer denn Auskunft darüber gibt, was mit den Kindern im Heim passiert,
ob sie dort psychologisch betreut werden oder nicht. Die Konzeptionen der
Einrichtungen liegen in den Ämtern aus. Die Einrichtungen sind im Internet
zu finden. Die Mitarbeiter geben natürlich Auskunft.
Also meine inständige Bitte. Macht euch kundig, fragt hier im Forum Leute,
die sich auskennen, damit ihr im Falle eines Falles mit scharfen Waffen
gegen den MITARBEITER des „Fachdienstes Jugend“ (und nicht mehr Jugendamt –
im Übrigen das Resultat der Übernahme europäischen Rechts) und hier meistens
des ASD (Allgemeiner Sozialer Dienst) vorgehen könnt.
Es erreicht nur der etwas, der auch was vorbringen kann. Betroffenheit
reicht da nicht. Sie ist nicht mal eine Chance…
Bis dann…
Ronald
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Unser Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können