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Männer aus zweiter Hand
Der gebrauchte Prinz
Laut Statistik wird in Deutschland jede dritte Ehe geschieden und die Zahl der Scheidungen steigt stetig an. Aus diesem Grund ist das Thema des Buches „Der gebrauchte Prinz“ von Susanne Walsleben besonders aktuell. Immer mehr Männer und Frauen gehen neue Partnerschaften ein, obwohl sie noch nicht lange getrennt leben. Die Autorin beschreibt, mit welchen Problemen Frauen zu kämpfen haben, wenn die Vergangenheit des Partners wie eine graue Wolke über der neuen Beziehung schwebt. Oftmals verzweifelt die Partnerin an Kindern, Exfrau oder Unterhaltspflichten, die der neuen Partnerschaft keinen finanziellen Spielraum ermöglichen. Es gibt jedoch auch Eigenschaften mit denen ein „gebrauchter Prinz“ eine Partnerschaft bereichern kann.
Seit fast 20 Jahren ist die Redakteurin Susanne Walsleben für verschiedene Frauenzeitschriften tätig. Allein schon aus diesem Grund weiß die Autorin, die bereits Bücher zu den Themen Psychologie und Partnerschaft geschrieben hat, was Frauen beschäftigt.
Auf rund 235 Seiten nimmt sie ihren Leserinnen die Illusion, der Partner könne ein Traumprinz sein. So räumt die Autorin mit den gängigen Vermutungen auf, Männer seien stark, klug, treu oder gar zu ändern. Ein gebrauchter Prinz, d.h. ein Mann mit Ex-Frau und Kindern, kann ein zusätzliches Gefühlschaos auslösen mit dem die Partnerin erst lernen muss umzugehen. Der Nachwuchs und die Ex-Frau des Partners nehmen dessen Zeit in Anspruch und belasten zudem seinen Geldbeutel. So kann es sein, dass die neue Partnerin sich fühlt als sei sie nur zweite Wahl und das, obwohl sie doch seine Nummer 1 sein möchte. Susanne Walsleben rät in diesem Fall, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern sich den Problemen mit Verständnis, Geduld und Selbstbewusstsein zu stellen. Susanne Walsleben schildert die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen „Secondhand“-Männer. Da ist beispielsweise der geschiedene Mann, der möglicherweise schwerer Vertrauen fassen kann oder der befürchtet Fehler zu wiederholen. Probleme kann es auch mit dem Noch-Verheirateten geben, der lange nicht gewillt ist, die Scheidung einzureichen. Dennoch kann ein Mann mit Erfahrung durchaus reizvoller sein als ein bindungsunfähiger Mann. Erfahrungsberichte von Frauen, die einen „gebrauchten“ Partner haben, geben den Leserinnen die Möglichkeit zur Identifikation.
Fazit
Ob es tatsächlich notwendig war einen so ausführlichen Ratgeber zu diesem Thema zu verfassen, bleibt fraglich. Ein interessanter Artikel hätte wahrscheinlich genügt, zumal Susanne Walsleben zu Beginn des Buches erwähnt, dass sogar 88% aller Frauen zwischen 18 und 60 Jahren die Vorgeschichte ihres „gebrauchten Prinzen“ als nicht störend empfinden. Widmet sich die Leserin der Lektüre jedoch mit einem zwinkernden Auge und nimmt die arg kategorisierten Männertypen nicht allzu ernst, kann das Buch recht unterhaltsam sein. (sol)
Der gebrauchte Prinz. Vom Umgang mit einem Traummann aus zweiter Hand.
Susanne Walsleben
Droemer/Knaur 2007
8,95 Euro
http://www.womenweb.de/lovesex/partnerschaft/secondhandmann.7247.1.html
Interview mit der Autorin:
Männer aus zweiter Hand
Susanne Walsleben im Interview mit WomenWeb
WomenWeb: Wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch über dieses Thema zu schreiben? Haben Sie es selbst mit einem „gebrauchten Prinzen“ zu tun gehabt?
Susanne Walsleben: Die Idee lag eigentlich fast auf der Hand: Immer mehr Scheidungen bedeuten eben auch immer mehr Secondhand-Männer (–Frauen auch, versteht sich). Interessant sind die gebrauchten Prinzen, weil sie Vorteile, aber auch Probleme mit in die Beziehung bringen. Ich habe zwar selbst keinen Secondhandmann geheiratet (obwohl ja alle Männer irgendwie gebraucht sind und wenn sie es nicht wären, käme es einem auch verdächtig vor), kenne aber viele Frauen, die sich mit der Situation mehr oder weniger schwer tun. Das war eigentlich der Anlass zu dem Buch: Frauen Mut zu machen, ihre Liebe zu leben. Und ihnen auch ganz handfeste Tipps zu geben.
WW: Wie sollte man an eine Beziehung mit einem Mann herangehen, der bereits eine Scheidung oder längerfristige Beziehungen hinter sich hat?
SW: Zuerst zählen natürlich die Gefühle, die man füreinander hat und wie man sich eine gemeinsame Zukunft vorstellt. Dennoch sollte keine Frau naiv oder blauäugig in so eine Beziehung gehen. Früher oder später wird sie mit den Problemen, die aus der ersten (zweiten oder auch dritten) Ehe resultieren, konfrontiert. Wenn der neue Partner Kinder aus einer früheren Beziehung hat, wird (und soll) er seine Pflichten als Vater ernst nehmen – und das hat natürlich enorme Auswirkungen auf die frische Liebe. Wichtig ist, dass eine Frau die Augen davor nicht verschließt, die nötige Gelassenheit behält, aber auch trotz aller Lust an der Zweisamkeit ihr eigenes Leben nicht gleich seinem anpasst.
WW: Würden Sie, aufgrund der Recherchen für ihr Buch sagen, dass die „gebrauchten Prinzen“ die Illusion vom Traummann zerstört haben?
SW: Nein, überhaupt nicht. Warum soll ein gebrauchter Prinz kein Traummann sein? Es ist aber auch eine Tatsache, dass ein Secondhandmann in der Regel mehr Probleme mitbringt als ein Single.
WW: Angesichts der hohen, stetig ansteigenden Scheidungsrate sehen sich Frauen, die eine Beziehung mit einem „Secondhandmann“ eingehen mit verschiedenen Problemen konfrontiert. Wie sehen solche Probleme aus?
SW: Da ist natürlich zuerst einmal eine Exfrau, da sind Kinder, häufig noch im Schul- bzw. im Vorschulalter. Ein gebrauchter Prinz hat daher meist Unterhaltsverpflichtungen, das Geld ist häufig knapp. Außerdem kann er als Vater nicht immer frei über seine Zeit verfügen. An den Wochenenden und auch in den Ferien werden die Kinder bei ihm sein. Eine Frau, die sich in einen gebrauchten Prinzen verliebt, muss das akzeptieren. Ursache der meisten Beziehungsprobleme mit gebrauchten Prinzen sind erfahrungsgemäß aber nicht die Kinder, sondern die Exfrauen. Ist die Ehe in Feindschaft auseinander gegangen, kann man davon ausgehen, dass sich die beiden Expartner auch noch nach der Scheidung bekriegen. Das kann eine neue Liebe sehr belasten.
Susanne Walsleben im Interview - Fortsetzung
WW: Welche Ratschläge können Sie Frauen geben, die mit dem Schatten der Ex-Frau des Partners zu kämpfen haben? Wie lässt sich auf geschickte Weise mit einer solchen Situation umgehen?
SW: Das kommt natürlich ganz auf den Einzelfall an, aber generell kann man sagen, dass auch hier eine relaxte Haltung eher zum Ziel führt. Damit meine ich, dass es keinen Sinn macht, jedes Wort auf die Goldwaage zu legen und die Konflikte dadurch noch zu schüren. Eines ist klar: Wenn er Kinder hat, werden er und seine Ex immer Eltern bleiben und sich über die Erziehung und Zukunft der Kinder auch verständigen. Es ist sinnlos, sich als neue Liebe da einzumischen. Allerdings muss klar sein, dass die Expartner sich wirklich auch nur auf der Elternebene verständigen – und nicht etwa auf der Paarebene. Sollte er noch Gefühle für die Exfrau hegen, die sich sozusagen auf der Paarebene bewegen, ist er für eine neue Bindung noch nicht reif. Deshalb: Als neue Partnerin unbedingt Klarheit fordern. Aber nicht in kleinliche Eifersüchtelei verfallen.
WW: Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte eine Frau mitbringen, um diese Probleme bewältigen zu können?
SW: Selbstbewusstsein! Und eine Menge Geduld.
WW: Gibt es Ihrer Meinung nach Frauen, die die gebrauchten Männer immer wieder anziehen? Oder solche, die es sogar reizt eine Partnerschaft mit „Secondhandmann“ einzugehen?
SW: Das glaube ich eigentlich nicht, aber ein gebrauchter Prinz hat ja auch unbestreitbare Vorteile. Immerhin hat er sich schon einmal fest gebunden. Er steht zu seinen Kindern, hat das Modell Familie gelebt und vermutlich hat er es gern getan. Seine neue Liebe erlebt ihn in seiner Vaterrolle – auch das ist ein Vorteil gegenüber anderen Männern.
WW: Welchen Vorteil sehen Sie noch in einer Partnerschaft mit einem „Secondhandmann“?
SW: Ein weiterer Vorteil ist ganz wichtig. Ein gebrauchter Prinz hat schon einmal seine Zukunftsträume scheitern sehen, aber dadurch auch die Chance bekommen, daraus zu lernen. Jetzt kommt es nur noch darauf an, dass er die richtigen Schlüsse zieht. Und dabei wiederum kann ihm seine neue Partnerin helfen. (sol)
http://www.womenweb.de/lovesex/partnerschaft/secondhandmann.7247.3.html