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Ihr solltet den Kindern etwas mitgeben... ein Adoptivkind erzählt seine Geschichte
Schumacher,
09.11.06, 09:13
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Hallo,
gestern hatte ich ein längeres Gespräch mit Manuela. Sie schreibt hier im Forum unter einem anderen Namen. Im Laufe des Telefonates erzählte sie mir, dass sie selber auch ein Scheidungskind und vom Stiefvater adoptiert ist.
Ich bat sie, dass sie doch bitte ihre Geschichte und ihre Gefühle zusammenschreibt. Vielleicht hilft das den heutigen Scheidungs- und Trennungskindern wenn wir viele solche authentischen Geschichten haben. (Gleich hier noch meine Bitte an Euch: gebt mir auch Euere Geschichte)
Nun diese Bitte habe ich schon an viele Gesprächspartner gerichtet. Meist verspricht man mir, dass ich die Erlebnisse bekomme, bisher wartete ich aber meist vergebens. Nicht so bei Manuela. Heute am Morgen fand ich ihre Gefühle schon in der Mailbox.
In der Begleitmail bat sie mich nach Tippfehlern zu suchen und diese zu korrigieren. Es waren so gut wie keine vorhanden, aber ein Fehler kam öfters vor und viel mir auf. Sie schrieb bei leiblichen Vater das Wort "leibliche" fast immer mit einem Großbuchstaben. Jetzt hoffe ich, dass mir Manuela nicht böse, wenn ich diesen Vertipper nicht weg mache und hier im Gegenteil noch darauf hinweise.
Für mich sah es nämlich so aus, als MUSS es groß geschrieben werden, weil es ihr wichtig gewesen war. Mir kommt es so vor, dass er (trotz aller Probleme) was Großes für sie ist, also soll er auch groß weiter geschrieben sein.
Danke Manuela für Deine Geschichte. Ich bin hier im Forum durch die vielen Schicksale und Leiden die ich höre schon ziemlich abgehärtet worden - aber beim Lesen Deines Schicksales mußte ich doch weinen.
Hier jetzt das Original von Manuela. Auch die Vergrößerungen und die Fettschrift sind Original von Manuelas Mail übernommen:
Hallo
ich bin Manuela (37 Jahre) habe 3 Kinder (13,15 und 16 Jahre alt), das erste Mal als ich merkte das etwas nicht stimmt war ich im 3. Schuljahr. Bei einer Schulimpfung sah ich auf meinem Impfausweis dass mein Nachname mit Tipp-Ex überstrichen worden ist.
Damals konnte ich mir das nicht erklären, irgendwann machte mal eine Nachbarin eine Bemerkung über mich und meinen Vater, dieser Spruch wir sehen uns aber trotzdem sehr ähnlich ging mir nicht aus dem Kopf. Mit 13 Jahren sagten meine Eltern mir das ich nicht das Kind von meinem Stiefvater bin, er habe mich adoptiert als ich 3 Jahre war und meine Schwester gleich mit. Laut meiner Mutter und meinem Stiefvater war mein Vater alles andere als ein guter Vater, er habe getrunken und nie für uns gesorgt, meine Mutter geschlagen und sich nicht um uns gekümmert.
Ich war geschockt und die Bilder die ich irgendwo in meinem Kopf hatte wo meine Mutter mal Prügel bezogen hatte, ich von jemandem weggerissen wurde bekamen für mich auf einmal einen Sinn.
Ich glaubte meinem Stiefvater und meiner Mutter, ich liebte ja beide auch und es hat mir nie an etwas gefehlt in meiner Kindheit.
Damit war für meine Mutter und meinen Stiefvater dieser unangenehme Teil abgeschlossen, Fragen meinerseits wurden nur abgetan mit Sätzen wie: "Wenn du jemals zu deinem leiblichem Vater Kontakt aufnimmst dann kannst du deine Koffer packen.
Die ganze Verwandtschaft redete nicht über dieses Thema, keiner klärte mich auf.
X-mal habe ich versucht mehr zu erfahren aber es war unmöglich, also fing ich mit 14 Jahren an die Schränke zu durchwühlen, nach Namen zu suchen oder Adoptionspapieren.
Immer mit Angst im Nacken das ich dann in ein Heim müsste und meine Mutter mich aus der Wohnung wirft.
Nach fast zwei Jahren hatte ich das was ich gesucht hatte, den Nachnamen und dann suchte ich nur noch die Adresse, allerdings landete ich bei dem Bruder meines Leiblichen Vaters.
Ich nahm meinen Freund und wir fuhren zu meinem Onkel, dem Bruder von meinem leiblichen Vater, ich war sehr aufgeregt und hatte immer noch Angst erwischt zu werden. Mein schlechtes Gewissen meiner Mutter und dem Stiefvater gegenüber quälten mich die ganze Zeit, meine Fragen allerdings mehr.
Ich werde nie den Moment vergessen als ich an diesem Tag das erste mal meine "andere Oma" sah, eine alte Frau, die bei meinem Anblick sofort anfing zu weinen, mich drückte und fast nicht mehr loslassen wollte. Ich war in dem Haus in dem ich 3 Jahre meines Lebens verbracht hatte ohne es zu kennen oder mich daran zu erinnern.
Ich war vollkommen verwirrt, Angst, Freude und Neugierde alles schwirrte in meinem Kopf und immer wieder (bis heute) das schlechte Gewissen mich über den Willen meiner Mutter hinwegzusetzen.
Irgendwann kam mein leiblicher Vater in das Zimmer und er weinte ebenfalls, ich selber hatte weniger Gefühle für den vollkommen fremden Mann, für mich war wichtig, wer er war und wieso er sich nie gemeldet hat.
Das Erste was mir mein Vater zeigte war eine Tätowierung auf dem Oberarm, mein Name stand da und mein Geburtsdatum. Da fing ich zu weinen an, mir wurde klar er hatte immer die ganzen Jahre an mich gedacht, jeden Tag.
Ich stellte viele Fragen und bekam Antworten von meinem Vater und meinen 4 Onkel, deren Frauen und meiner Oma.
Antworten die mich vollkommen geschockt haben, meine Mutter hatte meinen Vater nur schlecht gemacht und die Brüder meiner Mutter und mein Stiefvater haben alles getan damit mein Vater mich und meine Schwester nie wieder zu Gesicht bekam.
Geschenke und Besuche wurden von Anfang an geblockt und ganz schnell die Adoption eingeleitet, da mein Leiblicher Vater damals wenig Geld hatte, legte das Jugendamt und Richter ihm nahe uns Kinder von dem neuem Mann meiner Mutter adoptieren zu lassen.
Damit war er finanziell aus der Geschichte heraus, die Kinder würden nicht hin und her gerissen und würden in Ruhe aufwachsen.
Er war jung und dachte er macht alles richtig und dem ewigem Druck meiner Verwandten war er nicht gewachsen.
Die Szenen die ich mir nie erklären konnte als meine Mutter Prügel bekam und ich weggerissen wurde sind aus der Zeit als ich ca.4 Jahre war, die Prügel war eine Ohrfeige die meine Mutter von meinem Stiefvater bekam, weil sie die Haustür geöffnet hatte und mein Leiblicher Vater an der Tür war.
Ich habe noch viele Dinge erfahren als meine Mutter gestorben war, da sie ihrer Familie das Versprechen abgenommen hatte zu schweigen.
Ich bin jetzt 37 Jahre habe meine Mutter vor 8 Jahren verloren, danach hat mein Stiefvater sich von mir und meiner Schwester zurückgezogen, wir haben keinen Kontakt mehr. Wenn die Gesetze nicht so kompliziert wären würde ich heute die Adoption rückgängig machen.
Zu meinem Leiblichem Vater habe ich heute leider nur wenig Kontakt er ist mir immer fremd geblieben, trotz vieler Bemühungen von beiden Seiten, es kann uns keiner die Zeit zurückgeben die wir verpasst haben. Aber wir haben uns lieb und das auch, wenn man uns Jahre genommen hat.
Mich hat man um einen Teil meiner Familie gebracht.
Meinem Vater ist viel Unrecht angetan worden, meiner Mutter ist auch von Seiten des Jugendamtes zu dieser Adoption geraten worden, sie hat immer gedacht das sie das Richtige macht für uns Kinder. Aber es war falsch, wer gab ihr das Recht uns Kindern den Vater zu nehmen, dem Vater die Kinder und der Oma ihre Enkel. Meine Schwester verdrängt das Thema bis heute, für sie ist unser Vater ein vollkommen Fremder.
Selbst beim Schreiben von diesem Brief habe ich immer noch diesen Loyalitätskonflikt der mir als Kind eingeimpft worden ist meiner Mutter gegenüber.
Vom Gesetz her bin ich nicht mal mehr verwandt mit meinem Leiblichen Vater aber ich nenne ihn Pappa wenn ich von meinem Stiefvater rede sage ich nur Herr XYZ.
Ich wünsche solche Erfahrungen keinem Kind, Vater und keiner Mutter.
Ihr solltet den Kindern etwas mitgeben im Leben nicht Ihnen die Väter und Mütter wegnehmen !!!!!!!!!
LG Manuela