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| Väterradio http://www.vaeterradio.de Aprilsendung - Kraftvolle Zeichen - Väter beim Halbmarathon in Berlin - Gäste: - Dr. med. Peter Tinnemann - Vater auf der Suche nach seinem Kind, obwohl er es gefunden hatte - Uwe Schiwek - Polizist ohne Rechte aber Erfahrungen mit dem Jugendamt - Ralf-Gunther Fuchs - Initiator des Papalaufs und Vater ohne Tochter - Wolfgang Erwin, Gerd Meier und Andreas Jämmerich werden per Telefon zugeschaltet |
Peterchen's Mondfahrt
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Mein Therapeut hat mir geholfen, meine Vergangenheit aufzubereiten und zu verstehen. Meine Eltern wanderten 1952 nach Australien aus. Dort wurde ich auch geboren. Als ich drei Jahre alt war, verließ meine Mutter das Land und wir gingen nach Deutschland. Meinem Vater erzählte sie, es sei wichtig, dass ich meine Großeltern kennen lernen würde. Doch das war nur ein Vorwand. Sie verließ Australien und damit auch meinen Vater für immer. Nur erzählte sie das niemanden. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich es auch nicht verstanden. Auch später bekam ich keiner Erklärung. Wenn ich versuche an diese Zeit zurück zu denken, fühle ich eigentlich nur Leere. Meine Mutter heiratete noch zwei mal und ließ sich jedes Mal scheiden. Bis zu meiner Therapie, erzählte ich diese Geschichte nahezu emotionslos, als sei der Ablauf ganz selbstverständlich und die "normalste" Sache der Welt.
Doch heute sehe ich das so: Meine Mutter hat mich entführt und auf mich und auf meine Gefühle zu meinem Vater keine Rücksicht genommen. Der Verlust von meinem Vater und der Verlust der Liebe zu meinem Vater, hat zu meinem Narzissmuss geführt. Mein Therapeut bezeichnete meine Mutter als biologische Mutter und so sehe ich das heute auch. Im Laufe der Therapie bekam ich zugriff auf meine Gefühle und konnte auch Gefühle zeigen. Vorher empfand ich mein Leben eher als eine Zwangsjacke. Wenn ich also irgendwelche Filme sah, in denen das Muster einer Wiedervereinigung vor kam, musste ich weinen. Anfangs habe ich das Weinen noch sehr unterdrückt. Doch später ließ ich bei mir mehr und mehr den freien Lauf der Gefühle zu. Im Moment erinnere ich mich am Stärksten an die Szene in der Zeichentrickserie "Heidi", als sie erfuhr, dass sie aus der Stadt wieder zurück zu ihrem Großvater dürfe. Mit anderen Worten, war ich Zeit meines Lebens auf der Suche nach der Liebe zu meinem Vater. Als ich das so deutlich von meinem Therapeuten erfuhr, ließ ich mehr oder weniger alles stehen und liegen und machte mich auf den Weg nach Australien. (Beim Schreiben kommen wir wieder die Tränen...)
Unser Wiedersehen am 21.06.1997
Was haben mein Vater und ich mich gefreut, als wir uns endlich am Flughafen in die Arme nehmen konnten. Doch, das für mich wahre und unauslöschliche Erlebnis, kam etwas später. Ich lag auf einer Liege im Garten und genoss die Ruhe und die Sonne. Ich fühlte mich wohl und ich "glaube" auch glücklich. Dann hörte ich ein Geräusch. Ich öffnete meine Augen. Mein Vater hatte sich ebenfalls eine Liege geholt und sich zu mir gelegt. Er lächelte mich an. Und dann geschah es. Ich legte meine Hand auf seinen Arm und dachte dabei: "Wie sehr habe ich mir wohl als Kind gewünscht, wenigstens den Arm meines Vaters berühren zu können?" Mir rollten die Tränenbäche vor Glück meinen Wangen hinunter, wie auch jetzt wieder, wenn ich an diesen Moment der "Wiedervereinigung" mit meinem Vater denke.
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Nachtrag vom 17. Oktober 1999
(Posting an die Väter NG)
Als ich drei Jahre alt war, verlor ich meinen Vater das erste Mal. Meine Mutter entführte mich nach Deutschland und mein Vater blieb in Australien. Damals (1958) war das Reisen etwas komplizierter als heute. Deshalb sah ich meinen Vater erst sehr viel später wieder. Wie ich heute weiß, habe ich fast mein ganzes Leben nach ihm gesucht, ohne zu wissen, dass ich nach ihm suchte. Ich konnte mich damals nicht verabschieden und keiner hat mir bei meiner Trauer geholfen. Niemand hatte Verständnis für meinen Schmerz. Am wenigsten ich selbst. Vor einiger Zeit begann ich eine Therapie. Schon kurze Zeit später war klar: Ich suchte nach der Liebe meines Vaters! 1997 machte ich mich auf, um ihn in Australien zu besuchen. Meine Exe zeigte wenig Verständnis. Für mich war es jedoch einer der glücklichsten Momente: ich hatte endlich gefunden, was ich gesucht habe: meinen Vater! (Auch wenn ich ihn vorher schon wieder gesehen hatte, war dieser bewusste Augenblick unendlich wichtiger) Am 16.Oktober erhielt ich einen Anruf meiner Vize-Mutter aus Australien:
Mein Vater ist gestorben!
Da ich z.Z. knapp bei Kasse bin, tat ich mich mit meiner Entscheidung schwer, meinem Vater das letzte Geleit zu geben. Doch diesmal wollte ich mich verabschieden. Diesmal wollte ich traurig sein. Das wollte ich mir nicht noch mal nehmen lassen. Also rief ich einige Freunde an, die mir das Geld für die Reise liehen. Ich rief meine Mutter an und erzählte ihr, dass ich nach Australien zur Beerdigung wollte. Sie sagte: "Warum? Er kommt doch nur in ein Loch!?"
Meine Wut kannte keine Grenzen. Mit dieser Frau will ich nichts mehr zu tun haben.
Ich bin froh, dass ich mich von meinem Vater verabschieden konnte. 14 Tage bevor er starb, konnte ich ihm noch sagen:
"Daddy, ich hab Dich lieb!"
Er weinte.
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Eingestellt von Biene auf Wunsch des Verfassers.
Quelle: http://www.trennungskinder.de/scheidungskinder/mondfahrt.htm