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| Väterradio http://www.vaeterradio.de Aprilsendung - Kraftvolle Zeichen - Väter beim Halbmarathon in Berlin - Gäste: - Dr. med. Peter Tinnemann - Vater auf der Suche nach seinem Kind, obwohl er es gefunden hatte - Uwe Schiwek - Polizist ohne Rechte aber Erfahrungen mit dem Jugendamt - Ralf-Gunther Fuchs - Initiator des Papalaufs und Vater ohne Tochter - Wolfgang Erwin, Gerd Meier und Andreas Jämmerich werden per Telefon zugeschaltet |
Anmerkung von der Mutter:
Dieses Mädchen( Jahrgang 89) ist von Geburt an geistig behindert.
Anstelle ihrer schreibe ich diesen Text, anhand der von ihr getätigten Aussagen.
Der als „ Vater“ bezeichnete, ist der biologische Vater, als „ Papa“ wird der soziale bezeichnet, mit dem das Kind aufwuchs, seit es etwa zwei Jahre alt war.
Meine Schwester( Jahrgang 94) ist weg und wohnt jetzt bei Papa. Sie will unsere Mama nicht mehr sehen, sie sagt unsere Mama ist ne blöde Kuh. Fast jedes Mal sagt sie das, wenn ich sie anrufe.
Und das stimmt nicht, denn unsere Mama ist die liebste Mama von allen, auch wenn Mama manchmal meckert.
Ich kann meine Schwester nicht verstehen.
Meine Schwester und ich haben uns immer noch sehr lieb, auch wenn sie gar nicht mehr zu Mama und mir kommt. Als wir in eine Wohnung umgezogen waren, weil Mama und Papa sich getrennt haben, war sie jeden Tag da und hatte auch ihr eigenes Zimmer bei Mama, so wie ich auch.
Wenn ich meine Schwester anrufe, und das mache ich oft, weil sie gar nicht mehr auf Mamas Telefon anruft, dann freuen wir uns beide immer ganz schön doll.
Dann erzähle ich ihr, was bei mir in der Schule so los ist, und beim Sportverein. Wenn mich einer der Jungen in der Schule ärgert, dann redet meine Schwester mit mir darüber. Ganz oft macht sie auch lustige Sachen am Telefon, wenn ich mit ihr lachen kann, dann ist das fast so wie früher.
Und ich vermisse sie so doll, dass ich nachts manchmal nicht schlafen kann, oder ich wache auf weil mir meine Schwester fehlt.
Bis vor kurzem habe ich wieder ins Bett gemacht, ich mache mir Sorgen und habe manchmal Angst, dass ich meine Schwester gar nicht mehr sehe.
Von meinem Taschengeld habe ich mir selbst einen Traumfänger gekauft, weil ich davon (-> Schwester) manchmal schlecht träume- und dann habe ich nachts Angst.
Mama und ich haben auch noch einen Traumfänger selbst gebastelt. Mama hat bei jedem Knoten den sie gemacht hat, gefragt was ich mir wünsche.
Ich wünsch mir meine Schwester, manchmal auch Papa wieder.
Aber Papa hat mich mal ganz traurig gemacht am Telefon.
Da hat er gesagt, er ist gar nicht mehr mein Papa, er will nur noch der Papa von meiner Schwester sein. Weil ich ja eigentlich einen anderen Vater habe, der mich in Mamas Bauch gebracht hat.
Als ich noch ein Baby war, haben sich meine Eltern getrennt. Ich habe von meinem Vater nur Fotos gesehen, die Mama mir gezeigt hat.
Als ich dann Papa mal erzählt habe, dass ich meinem Vater einen Brief geschrieben habe, weil ich mal wissen will, die der aussieht, hat mir mein Papa gesagt, dann kann sich ja jetzt mein Vater um mich kümmern.
Ich habe auch Fotos von mir in den Brief gepackt, die Mama für mich ausgedruckt hat.
Mein Vater hat sich nicht gemeldet.
Weil ich manchmal Probleme habe wegen der Trennung und wegen meiner Schwester, hat meine Mama einen Termin gemacht, in einem Kinderzentrum. Die kennen mich schon, seit ich ein Baby bin.
Ich bin behindert, weil ich als Baby ganz doll krank war. Mama sagt, es hat in meinem Kopf geblutet. Darum kann ich nicht so gut gehen, wie andere.
Manchmal stottere ich auch, ganz besonders wenn ich aufgeregt bin. Darum habe ich Mama gesagt, ich will zu einer Sprachtherapie. Manchmal war es ganz schön doof, weil ich manchmal überhaupt nicht gut sprechen kann.
Sogar meine Lehrerin hat das meiner Mama so gesagt.
Der Mann, der mir beim Sprechenlernen (Logopäde) hilft, hat gesagt dass es daran liegen kann, weil ich meine Schwester so doll vermisse.
Manchmal bin ich aber auf Papa auch richtig sauer.
Denn als wir noch zusammen gewohnt haben, hat er mir wehgetan. Wenn ich was nicht verstanden habe, oder ich was Falsches gemacht habe, dann hat er mein Kinn in die Hand genommen und meinen Kopf so hin- und hergedreht. Manchmal mochte ich auch gar nichts mehr sagen. Dann hat er so was auch gemacht- aber nur manchmal.
Blöd finde ich auch, dass Papa mich nicht mehr bei meiner Schwester und bei ihm schlafen lässt.
Er sagt dann, er hat keine Zeit. Oder meine Schwester hat keine Zeit.
Voll Scheiße finde ich auch, dass ich Opa und Oma (Eltern des Papas) nicht mehr sehe.
Da ruf ich auch manchmal an. Manchmal hat Opa Halsweh oder die fahren in den Urlaub, darum konnte ich sie schon lange nicht mehr besuchen.
Wenn ich Geburtstag habe oder Weihnachten ist, dann schreibt mir Oma eine Karte und schickt mir ein Päckchen.
( Anm.: Letzter „ Sicht“ – Kontakt in der Kirche, anlässlich der Konfirmation mit 14 Jahren, Großeltern mütterlicherseits nicht mehr vorhanden).
Mama hat einen Freund, mit dem verstehe ich mich gut. Der macht manchmal Quatsch und bringt mich zum Lachen, wenn ich traurig bin nimmt er mich in den Arm, und bringt mich sogar ganz oft vor die Tür, wenn mein Schulbus kommt.
Ich würde so gern auch Papa zu ihm sagen, wie seine Kinder…
Mit den Jungs verstehe ich mich meistens gut, auch wenn sie mich manchmal ärgern.
Aber manchmal helfen sie mir auch, z. B. wenn mein Computer „ spinnt“.
Wir Kinder freuen uns immer, wenn wir uns sehen. Ich frag immer, wann sie wiederkommen- und wenn sie zu ihrer Mama fahren, bin ich wieder ganz traurig. Und muss dann oft an meine Schwester denken.
Zu Mama sage ich manchmal: „ Hilf mir, wegen meiner Schwester! Versprich es mir“.
Mama hat „ja“ gesagt und mich ganz doll in den Arm genommen. Mamas Freund hat mich auch in den Arm genommen, als ich heulen musste.
Mama telefoniert mit Leuten, wo auch ein Kind nicht mehr wohnt. Manchmal schreibt sie auch Briefe, oder schreibt am Computer.
Ich will meine Schwester wiederhaben!