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Hintergrund zum Tagesthema am 21.11.2007
Der Kummer von Berliner Schulkindern
Ein freundliches Altbau-Zimmer mit Puppen, Magnettafel und allerlei Spielzeug. Hier finden die wöchentlichen Kindertreffs des Vereins "Zusammenwirken im Familienkonflikt" statt. Zwei Gruppen gibt es mit jeweils 6 bis 8 Kindern. Eine für die Kleinen, 5 - 7 Jahre alten, eine Zweite für die 8 bis 12-Jährigen. Die Sozialpädagogin Astrid Schüler:
Eine der wichtigsten Regeln, die wir in der Gruppe haben ist, dass alles, was hier in diesem Raum erzählt wird, in diesem Raum bleibt. Davon erfährt die Mutter nicht, davon erfährt der Vater nichts. Dies ermöglicht den Kindern, ohne in dieses Loyalitätskonflikte zu geraten, darüber zu reden, wie es ihm oder ihr geht.
Die Sozialarbeiterin Astrid Schüler betreut die Kindergruppen zusammen mit ihrer Kollegin, der Familientherapeutin Ulrike Löhr. Kinder lieben ihre Eltern und zwar beide, sagen die Frauen. Sie wollen auf keinen Elternteil verzichten und sie wollen nicht, dass sich die Eltern streiten. Familientherapeutin Ulrike Löhr:
Wichtig ist, dass ein Kind nicht zu wenig und nicht zu viel weiß. Also, es gibt auch ein "zu viel" an Information für Kinder, dass sie sehr detailliert informiert werden über den Stand der Streitereien. Kinder wollen meistens nicht so viel wissen. Sie wollen wissen, dass sich die Eltern trennen und vor allem, dass sich die Eltern nicht trennen, wegen ihnen. Und sie wollen wissen, dass die Eltern sie beide noch lieb haben und dass sie vor allem Kontakt weiterhin zu beiden Elternteilen haben können.
Jahrelange Streitigkeiten um Umgang und Sorgerecht sind zu vermeiden, sagt Familientherapeutin Löhr. Und deshalb arbeiten sie und Astrid Schüler nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit den Eltern.
Wir nehmen auch Aufträge an. Wenn die Kinder uns sagen, rede noch Mal mit Mama, dass sie nicht immer so viel schimpft mit Papa, wenn der uns abholt. Und dann laden wir die Eltern ein, und sagen, wir haben einen Auftrag.
Wichtig ist, dass Eltern die Veränderungen in der Familie besprechen und zusammen mit den Kindern gestalten, sagen die Trennungsberaterinnen. Lösungen, bei wem ein Kind wie lange wohnt, könnten dann sehr unterschiedlich aussehen. Die Kindergruppen des Vereins "Zusammenwirken im Familienkonflikt" enden nach einem halben Jahr mit Abschiedsritualen. Die Sozialpädagogin Astrid Schüler:
Wir arbeiten mit den Kindern daran, dass es erfüllbare und nicht erfüllbare Wünsche gibt. Meine Eltern sollen wieder zusammen kommen, ist ein nicht erfüllbarer Wunsch. Wir haben einen mit Gas gefüllten Luftballon, an den sie die nicht erfüllbaren Wünsche heran hängen können und diese Wünsche fliegen lassen.
Zum Schluss gibt es dann ein Fest, zu dem Kinder und Eltern geladen sind, um die alte Familie zu verabschieden und die neue zu begrüßen.
Ute Meyer