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Fehlende Beratungstellen für Männer
papamarkus,
20.04.08, 01:51
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| 6 Beratungsbedürfnisse männlicher Opfer Wie im Kapitel 5 deutlich wurde, hängen die subjektive Bewertung sowie die individuelle Bewältigung der Opfererfahrung männlicher Opfer von häuslicher Gewalt sehr stark mit der Geschlechtersozialisation zusammen. Welchen Einfluss die gesellschaftlich vorherrschenden Rollenerwartungen an den Mann auf das männerspezifische Beratungsangebot im Bereich der Opferberatung haben, wird im Folgenden diskutiert. Der Kernpunkt dieses Kapitels liegt allerdings in der näheren Betrachtung des bis anhin noch kaum erforschten und evaluierten Gebiets der Opferberatung für Männer. Die gewonnenen Erkenntnisse bezüglich des Opfer- Seins von Männern lassen vermuten, dass männliche Opfer von häuslicher Gewalt besondere Ansprüche an die Beratung durch Sozialarbeitende (und Berater aus anderen Disziplinen) stellen. Die folgenden Ausführungen sollen einen Beitrag zur Bedürfnisklärung einer adäquaten Opferberatung für Männer leisten. Leitfäden zur Beratung männlicher Opfer von häuslicher Gewalt liessen sich keine finden. Ein Teil der nicht sehr umfangreichen Fachliteratur, die sich mit der Opferberatung von Männern beschäftigt, wird im Folgenden auf ihre Anwendbarkeit für die Beratung durch Sozialarbeitende untersucht. Auch wenn Sozialarbeitende, nicht zuletzt wegen ihres mangelnden psychologischen Fachwissens, keine therapeutische Arbeit leisten können und Opfer grundsätzlich an Fachpersonen vermitteln sollten, scheint Boehmes (2000) Grundsatz besonders auch für die Soziale Arbeit massgebend: Diplomarbeit BFH Soziale Arbeit Über Frauen die austeilen und Männer die einstecken Julia Frei, Andrea Goetschi, Judith Nussbaum-Indermühle 114 „Männliche Opfer benötigen zuallererst ‚offene Ohren’. Dazu gehören ein geschützter Raum, wo sie mit einem ruhigen, aber auch aktiven und verständnisvollen Zuhörer die eigene Befindlichkeit, das eigene Opfer-Sein und gegebenenfalls anstehende weitere Schritte erörtern können. Erst danach – nicht immer sofort und nicht für alle – steht die Suche nach einer geeigneten weiterführenden Therapie“ (2000, S. 173). Sozialarbeitende sind in ihrer Arbeit oft mit unvorhersehbaren Situationen konfrontiert, auf welche die theoretische Ausbildung sie kaum vorbereiten kann. Die Konfrontation mit einem misshandelten Mann, der durch seine Partnerin zum Opfer von häuslicher Gewalt wurde, können als eine solch schwierige Situation bezeichnet werden. In solchen Fällen weisen Sozialarbeitende die Betroffenen oft vorschnell an Fachstellen weiter, von denen man sich gezielte Hilfe erhofft. Da es jedoch kaum „spezialisierte Beratungsstellen oder TherapeutInnen gibt, führt diese Weitervermittlung für männliche Opfer meist in die Leere“ (Boehme, 2000, S. 167). Aus diesem Grund scheint es nicht nur legitim, sondern für die Profession von zentraler Bedeutung, gewisse Grundsätze der männlichen Opferberatung auch im Kontext der sozialarbeiterischen Tätigkeit zu diskutieren. |