Hallo, Freunde!
Habe heute wieder einen sehr interessanten Artikel der ARGE Weiden-Neustadt/WN im NT gefunden. Dieses Mal hat die ARGE darauf verzichtet, die Journalisten zum Rapport zu laden um zu "berichten", heute hat sie selbst formulliert und das "Schriftstück" zur Veröffentlichung lancierend weitergeleitet.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?
Ich bin ein Schelm und denke, mein Kommentar-Beitrag zum NT-Artikel vom 19.04.08 (siehe oben) hat der ARGE nicht sonderlich geschmeckt. Daher hat sie wohl die Berichterstattung nicht mehr dem NT überlassen?
Sei es wie es will, heute hat die ARGE ihr Bomba-Projekt erneut dargestellt:
http://www.oberpfalznetz.de/onetz/1361463-118,1,0.html
Die Überschrift lautet:
"Mit Förderscheck" zum Bewerbungsgespräch"
die Unter-Überschrift lautet:
"Sonderprojekt der ARGE:Chance für 55 Langzeitarbeitslose - Arbeitgeber können Kandidaten testen"
Die entscheidenden Passagen und Aussagen lauten:
"Die Arbeitsgemeinschaft stellt insgesamt bis zu 200 000.- Euro bereit. Gefördert werden 55 Langzeitarbeitslose, die nur mit finanziellen Hilfen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden können."
Na, ja, also mit "bis zu 75% Beschäftigungszuschuß zum Bruttolohn", wie das am 19.04.08 propagiert wurde, kann da irgend etwas nicht stimmen.
Wenn 200 000.- Euro für 55 Leute verteilt werden sollen, dann entfällt pro Kopf
200 000.- : 55 = 3 636.36 Euro
Geht man davon aus daß dies rd. 75% des Bruttolohnes darstellt, dann ergibt sich bei 800.- Euro monatlichen Zuschuß eine Beschäftigungszeit pro Person von
3 636.36 Euro : 800.- Euro = 4 Monate und 5 Tage
"Derzeit laden Integrationsfachkräfte entsprechende Personen ein, die von der ARGE einen sogenannten "Förderscheck" erhalten.
Nix mehr "Bomba-Projekt", oder "JobPerspektivePlus"? Neue Begriffe müssen her, um die Verwirrung zu vollenden!


Eigentlich sind die gesamten Wortschöpfungen nichts anderes, als der neue, seit Oktober 07 eingeführte § 16a SGBII, den man als Erläuterung oder Zusatz zu § 16 (3) SGBII begreifen muß. Damit wurden die Schleusen geöffnet, daß auch private Unternehmen, - welche auch immer -, ihre Lohnkosten reduzieren und sich über die ARGE Gewinnsteigerungen finanzieren lassen können.
Im Grunde ist dies der Einstieg des Staates in die breite Lohnsubventionierung. Das unterläuft auch die Mindestlohndebatte und man muß sich nur wundern, oder vielleicht auch nicht, weshalb der Bundestag mit SPD-Stimmen diesen §16a SGBII beschlossen hat. Von den Gewerkschaften war dazu auch nix zu hören, obwohl dies noch eine größere Arbeitsplatzbedrohung (Lohnzuschüsse bis zu 2 Jahren!!!) darstellt, als 1EuroJobs.
"Mit der Vorlage bei einer Bewerbung erkennt der potentielle Arbeitgeber, dass er die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers ein bis zwei Wochen testen kann...,
wobei das auch schon bisher der Fall war. Nur wird wohl wie bisher, aus dem "Testen" in Form von "Trainingsmaßnahmen" und "Praktika" nun noch schneller und leichter ein unentgeltlicher Arbeitseinsatz (Reichsarbeitsdienst) der Erwerbslosen vorangetrieben, der, wie schon bisher, nicht unter 6 Wochen endet?
"...und danach für eine bestimmte Dauer der Einarbeitung einen finanziellen Zuschuß erhält."
Zählt man die 4 Monate und 1 Woche (5 Tage) Lohnzuschußzeit und die "Testzeiten" in der bisherigen Länge zusammen, kommt die ARGE schon mal auf eine Statistikbereinigung von einem halben Jahr, nach dem Motto,
- und hinter mir die Sintflut -!
Begründet wird die Subventionierung von Arbeit für Privatunternehmer damit:
" Der wirtschaftliche Aufschwung zeigt sich auch in Weiden und im Landkreis NEW. Deutlich sichtbar wird er in der Zahl der offenen Stellen, die beim gemeinsamen Arbeitgeberservice der ARGE WEN-NEW und der Agentur WEN gemeldet sind."
Wunderbar, weil offene Stellen zur Verfügung stehen, muß die ARGE die Löhne bis zu 75% fördern?
Im Übrigen sind Langzeitarbeitslose nicht deshalb langzeitarbeitslos, weil sie "Beschäftigungshemmnisse" aufweisen, wie das die neue Argumentationsstrategie der ARGE zu sein scheint (weil § 16 a SGBII nur Zuschüsse für Erwerbslose mit mindestens 2 "Hemmnissen" zuläßt), sondern, weil es keine Regelarbeitsplätze gibt.
Daß das so ist, daran trägt, insbesonders die ARGE WEN/NEW, ein gehöriges Maß Mitschuld, denn bei den Öffentlichen Verwaltungen, bei allen Kommunen, allen Christlichen und Karitativen Organisationen (Ausnahme Karitas WEN), sowie in den Pflegeheimen der Gesamtregion, kamen in großem Umfang und rechtswidrig, innerhalb der letzten 3 1/2 Jahre, 1EuroJobberInnen zum Einsatz. Damit wurden Arbeitsplätze nicht nur verhindert, sondern kalt ersetzt.
Es muß als Schuldumkehr gesehen werden, wenn die ARGE, in ständiger Wiederholung, die Schuld an der Langzeitarbeitslosigkeit bei den Erwerbslosen selbst ausmacht und es ist geradezu infam, diese unverschuldete Langzeitarbeitslosigkeit beim Einzelnen selbst als "Beschäftigungshemmnis" zu attestieren.
Baba Yaga