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Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus

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Bernd

Beiträge: 1381
Ort: Berlin


New PostErstellt: 22.05.08, 00:00  Betreff:  Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

kopiert aus: http://www.scharf-links.de/57.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=1346&tx_ttnews[backPid]=56&cHash=c09adaa49f


Offener Brief an die Delegierten des Parteitages der LINKEN

und die KandidatInnen zum Bundesvorstand



- Liebe Genossinnen und Genossen,

Mein Landesverband Rheinland-Pfalz ist das Sorgenkind der Partei - tief gespalten, kaum kampagnenfähig, mit sich selbst beschäftigt. Die Konfrontation gefährdet den Erfolg der Partei und hat schon 2006 zu einem enttäuschenden Landtagswahlergebnis von nur 2,6% (gegenüber 5,6% zur Bundestagswahl) geführt (zeitgleich Baden-Württemberg: von 3,8% auf 3,1%).

Die Konfrontationsstrategie ist nicht einfach Teil der Geschichte eines keineswegs einvernehmlichen Prozesses der Parteienfusion; um alte Parteiengrenzen geht es kaum noch. Wohl aber geht es um neue Gräben, und dafür, dass es weitgehend apolitische Gräben sind, sind sie erstaunlich tief. In der politischen Auseinandersetzung ist die Landespartei gar nicht erst angekommen und wird es wohl auch in Zukunft nicht, es sei denn, dass in ihr die Gestaltungsmacht neu verteilt wird.

Warum es gerade in Rheinland-Pfalz so laut knirscht im Parteigebälk, ist leicht erklärt: Es gibt in ihr eine starke Minderheit von rund 40%. Sie ist in den Parteiorganen auf Landesebene mit vielleicht 10% vertreten. Die Mehrheit innerhalb der Landespartei aber ist vehement bemüht, den politischen Gestaltungsspielraum der 40% und der 10% auf 0% zu drücken. Aus dieser Diskrepanz, welche die Minderheit nicht zu dulden bereit ist, erwachsen die massiven Verwerfungen.

Es ist ein Mißverständnis zu meinen, in Rheinland-Pfalz würden sich einfach zwei MdB'es unversöhnlich gegenüberstehen. Die Konfrontationsstrategie ist älter als diese Konstellation und richtete und richtet sich gegen Alle, die dem Landesvorsitzenden den unbedingten Treueschwur nicht leisten. Gestern war es der tiefgreifende Konflikt mit der stellv. WASG-Landesvorsitzenden Margot Gudd, heute ist es der mit der LINKEN-Landesvorsitzenden Heidi Racké. Die bisherige stellv. LINKEN-Landesvorsitzende Tanja Krauth ist von ihrem Amt vor kurzem zurückgetreten; des wachsenden Druckes zum Treueschwur war sie überdrüssig. Im Zentrum der Zerwürfnisse, ob zur Landtagswahl 2006, während der Parteienfusion oder überhaupt in der Landespartei und ihrem Vorstand steht stets einer: Der Landesvorsitzende Alexander Ulrich, in vielerlei Bezügen vertreten durch seine Mitarbeiterin Elke Theisinger-Hinkel. Nicht in erster Linie von der Basis, nein von Oben wird der Landesverband chaotisiert. Dadurch unterscheidet sich mein Landesverband von allen anderen.

Schon 2009 ist das Jahr, in dem neben Bundestags- und Europawahl in Rheinland-Pfalz auch die Kommunalwahlen zu bestreiten sind. Ein Strategiewechsel ist also jetzt nötig, im Land, aber eben auch vom Parteivorstand gefördert: Von der Konfrontation zum Kompromiß, vom Alleinherrschaftsanspruch einer eher knappen Mehrheit zu angemessener politischer Teilhabe aller aktiven Mitglieder.

Den auf dem heutigen Parteitag neu gewählten Mitgliedern des Bundesvorstandes möchte ich auf diesem Wege gratulieren und sie bitten, im höchsten Organ der Partei zukünftig einen solchen Strategiewechsel zu unterstützen. Bitte tragt mit Sorge darum, dass der Landesverband Rheinland-Pfalz nicht vom überwältigenden Erfolgskurs der Gesamtpartei abgekoppelt wird! Es kann unter den jetzigen Bedingungen als keineswegs sicher gelten, dass DIE LINKE 2011  - von der erfreulich wachsenden Welle der Zustimmung zur Bundespartei - in den Mainzer Landtag hineingetragen wird. Die ständigen Verdrängungsbemühungen absorbieren die Energie, die nötig wäre, kontinuierlich am landespolitischen Profil zu arbeiten.

Nach vier Jahren kann ich inzwischen sicher sagen: Das wird sich nicht ändern, wenn sich nicht Personalien ändern. In diesem Sinne bitte ich die Delegierten, Elke Theisinger-Hinkels Kandidatur zum Bundesvorstand nicht zu unterstützen. In Rheinland-Pfalz ist sie als Mitarbeiterin des Landesvorsitzenden erkennbarer Teil der dortigen Probleme und nicht Teil einer nur integrativ zu denkenden Lösung.

Aber auch jenseits der rheinland-pfälzischen Problematik habt Ihr Delegierte guten Grund, so zu handeln: Genossin Theisinger-Hinkel stellt sich Euch als "Sprecherin der LAGen Antiprivatisierung" vor. Diese LAG ist kurz vor dem Parteitag von ihr nach eigenem Bekunden im Email-Umlaufverfahren gegründet worden, und dabei ist sie auch als Sprecherin "gewählt" worden. Die Gründungsmitglieder sind gar nicht zusammengekommen. Und sie nennt "Umweltpolitik" als einen ihrer politischen Schwerpunkte. Das ist in Rheinland-Pfalz zu keiner Zeit aufgefallen. Am letzten Wochenende hat sich bei uns im Lande die Ökologische Plattform gegründet. Genossin Theisinger-Hinkel hat sich an der Gründung nicht beteiligt oder auch nur ihr Interesse an einer Mitarbeit bekundet. Ihr habt also allen Grund, Euch nichts vor machen zu lassen.

Mit solidarischen Grüßen, Wolfram Sondermann
Ludwigshafen am Rhein, den 24. Mai 2008


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daß die dabei entstehende Reibung als Nestwärme empfunden wird.
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Bernd

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New PostErstellt: 22.05.08, 09:12  Betreff:  Noch ein offener Brief zum Parteitag und zwar in Sachen Gysis Israelrede  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

kopiert aus: http://www.jungewelt.de/2008/05-21/019.php



»Ist das noch linke Politik?«

Dokumentiert. Stellungnahme von Mitgliedern des Gesprächskreises »Frieden und Sicherheitspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung« zur Rede von Gregor Gysi »Die Haltung der deutschen Linken zum Staat Israel«


Die Rosa-Luxemburg-Stiftung veranstaltete am 14. April 2008 anläßlich des 60jährigen Bestehens des Staates Israel das Seminar »Israel, Palästina und die deutsche Linke«. Die Veranstaltung eröffnete der israelische Soziologe Moshe Zuckermann (dokumentiert in jW v. 14.5.2008, S. 10/11). Ihm folgte der Vorsitzende der Bundestagsfraktion Die Linke, Gregor Gysi, mit einer außenpolitischen Grundsatzrede. Die darin formulierten Positionen riefen bald Kritik hervor (z.B. Werner Pirker in jW v. 25.4.2008, S. 10/11). Der Gesprächskreis »Frieden und Sicherheitspolitik der Rosa-Luxemburg-Stiftung« entwickelt im hier dokumentierten Papier Gegenpositionen zu Gysis Vorstellungen.

Der Kreis hat gegenwärtig rund 40 Mitglieder aus der Friedens- und Konfliktforschung, der Friedensbewegung, dem Europäischen Parlament sowie dem Bundestag. Er berät und entwickelt die Arbeit der Stiftung auf diesem Themenfeld mit.



Lieber Gregor Gysi,

Du hast Recht: Nach Deiner Rede gibt es Klärungsbedarf. Unsere Kritik betrifft zwei wesentliche Aspekte Deiner Rede, zwischen denen offenbar ein engerer Zusammenhang bestehen dürfte: 1. Deine Ausführungen zur Haltung der deutschen Linken zum Staat Israel, 2. die in Deine Rede eingewobenen Vorstellungen zu einer linken Außenpolitik.

Israel muß UN-Charta einhalten


Ad 1.) Am Ende Deiner Rede1 formulierst Du, was notwendig wäre, um zum Frieden Israels mit allen seinen Nachbarn und den Palästinensern zu gelangen, so vor allem die Bildung eines lebensfähigen palästinensischen Staates. Diese Forderung unterstützen auch wir, da sie derzeit der einzige Weg zu sein scheint, um – auch! – die Sicherheit Israels zu garantieren.

Das, was Du dort formulierst, bleibt jedoch hinter den Erfordernissen zurück, die sich aus den völkerrechtlichen Grundlagen, insbesondere aus den relevanten Resolutionen des UN-Sicherheitsrates und der UN-Vollversammlung ergeben. Was Du forderst, wird seit mehr als vierzig Jahren von Israel nicht akzeptiert, weil bisher vermieden wurde, die Einhaltung des Völkerrechts und die Erfüllung der UN-Sicherheitsratsresolutionen 242 aus dem Jahre 1967 und 338 aus dem Jahre 1973 nachdrücklich einzufordern. So sahen sich die israelischen Regierungen bisher in der Besiedelung palästinensischer Gebiete und der Negierung der Flüchtlingsproblematik vor allem durch die USA toleriert. Auch die Bundesregierung hat wiederholt dagegen gewirkt, wenn es in der Europäischen Union Bemühungen gab, auf Israel im Interesse der Einhaltung des Völkerrechts einzuwirken. Im Nahen und Mittleren Osten spricht man von zweierlei Maß bei der Einhaltung von UN-Resolutionen. Auch israelische Friedensaktivisten und viele Juden in aller Welt fordern immer wieder, daß Israel in dieser Hinsicht doch wie jeder andere Staat behandelt werden müßte.

Es geht doch schlicht und einfach um die Frage, daß sich Israel, wie jeder andere Staat, an die UN-Charta, die UN-Menschenrechtskonventionen und die Sicherheitsratsresolutionen und an das hält, was Du den »universellen Gehalt unserer Moralbegriffe« nennst. Doch der Inhalt Deiner Rede scheint diesem Ziel nicht dienen zu wollen. Du meinst, für die Linke habe »Solidarität mit Israel den Status einer Staatsräson« (darauf kommen wir unter 2. noch zurück), und schließt Dich ausdrücklich der von Bundeskanzlerin Merkel gebrauchten Formulierung an, zuletzt in ihrer im März in der Knesseth gehaltenen Rede, die Du als »recht einseitig« bewertet hast. Doch kann Staatsräson und Solidarität für die Linke dasselbe wie für Frau Merkel bedeuten?

Hier wären einige erklärende Worte von Dir angebracht gewesen. Denn keine Bundesregierung war so kritiklos gegenüber der antipalästinensischen Politik Israels wie die gegenwärtige. Soll die Linke dem folgen? Staatsräson à la Frau Merkel scheint in diesem Falle zu bedeuten, daß man zu den international allgemein verurteilten völkerrechtswidrigen Handlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten zu schweigen hat. Du forderst von der Linken Solidarität mit Israel. Soll sich diese Solidarität auf alles beziehen, was dieser Staat tut, auch wenn es für Linke unakzeptabel sein muß?


Besetzte Gebiete aufgeben

Und wie ist es mit den Opfern der israelischen Besetzung, den Palästinensern? Gebührt denen nicht Solidarität? Du schränkst ein, die Solidarität müsse kritisch sein. Nein, Solidarität muß da aufhören, wo staatliches Handeln Völkerrecht und Menschenrechte verletzt. Du forderst, gegen die Tendenz aufzutreten, nicht die »Opfer des Terrors in der israelischen Gesellschaft aus dem Bewußtsein zu drängen«? Wer tut das?

Eine historische Untersuchung darüber, wie der Terrorismus in den besetzten palästinensischen Gebieten entstanden ist und sich entwickelt hat, zeigt, daß die Okkupation mit all ihren schlimmen Begleiterscheinungen die Hauptursache für terroristische Gewalt ist und daß terroristische Akte, die nachdrücklich als menschenrechtswidrig zu verurteilen sind, zur Waffe gegen eine militärisch überlegene, mit allen modernen Waffen ausgerüstete Besatzungsmacht wurde. Muß da nicht die Linke, auch im Interesse der israelischen Bürger und im Einklang mit allen Menschenrechtsorganisationen, darunter zahlreichen jüdischen und israelischen, den UN-Sonderorganisationen, für die Beendigung der Besetzung palästinensischer Gebiete eintreten?

Zwei namhafte israelische Historiker haben unlängst ein Buch über die israelische Siedlungspolitik veröffentlicht (Idith Zertal, Akiva Eldar: Die Herren des Landes. Israel und die Siedlerbewegung seit 1967, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007). Sie kommen zu dem Schluß, daß die andauernde militärische Okkupation und die jüdischen Siedlungen »die Demokratie des Landes und seine politische Kultur an den Rand des Abgrunds geführt« hätten. Die Fundamente der israelischen Gesellschaft, ihre moralischen Überzeugungen und ihr internationales Ansehen seien dadurch verändert worden. »Ein Staat, der aus der Katastrophe der Vernichtung des europäischen Judentums entstanden ist und aus dieser stets seine absolute Legitimation für die Art und Weise seiner Gründung und die Tatsache seiner Existenz gezogen hat, ist wegen der Siedlungen in seinem Innern zersplittert und wird im Ausland zunehmend zum Gegenstand bitterer Kontroversen«, so das Urteil der beiden Autoren. Nach ihrer Meinung gibt es nur einen Ausweg: »Erst wenn die israelische Gesellschaft den Mut finden sollte, sich von den Gebieten zu trennen, die es vor vierzig Jahren im Krieg besetzte, könnte das Land endlich seinen Platz in der Region finden und seine Stellung in der internationalen Gemeinschaft zurückerlangen.«

Ein solches Urteil sollte auch für linkes politisches Handeln relevant sein. Für linke Politik muß immer gelten, daß wegen der furchtbaren Verbrechen des deutschen Nationalsozialismus am jüdischen Volk Deutschland eine besondere Verantwortung gegen jede Art von Rassismus, Unterdrückung und Krieg hat. Doch die Sicherheit von Juden wird gegenwärtig hauptsächlich dadurch gefährdet, daß die israelische Regierung eine Politik betreibt, die den Konflikt mit den arabischen Nachbarn, insbesondere mit den Palästinensern, nicht beendet, sondern noch zu steigern und durch fortgesetzte Landnahme einen existenzfähigen palästinensischen Staat zu verhindern trachtet. Deshalb sollte die Linke im Interesse israelischer Sicherheit, aber auch im Interesse der dauerhaften Lösung des Konflikts, gegen eine Politik auftreten, die Israel bisher keinen Frieden gebracht hat.

Am Ende Deiner Ausführungen argumentierst Du für die Notwendigkeit der Zwei-Staaten-Lösung. Das ist in der Tat gegenwärtig die mehrheitlich vertretende Lösung, obwohl es von Anfang an bis heute sowohl auf jüdischer als auch palästinensischer Seite Bestrebungen gab und gibt, gemeinsam in einem demokratischen Staat zu leben. Doch einen Satz Deiner Begründung hättest Du wegen der Gefahr weitgehender Mißverständnisse und Fehlinterpretationen, die gewiß nicht Deine Intention sind, besser nicht sagen sollen: »Wer nur einen Staat für Jüdinnen und Juden, Palästinenserinnen und Palästinenser mit demokratischer Struktur will, akzeptierte damit heute, daß die Palästinenserinnen und Palästinenser die Mehrheit stellten, alles besetzten und die Verfolgungen, Unterdrückungen und Pogrome gegen Jüdinnen und Juden wie seit Tausenden Jahren wieder begännen, nicht zu verhindern wären.«

Wovon sprichst Du? Wo gab es Unterdrückung und Pogrome »Seit Tausenden von Jahren«? Verwechselst Du hier nicht Europa mit dem Nahen Osten, wo – bis zum Aufkommen des Nationalismus im Gefolge des europäischen Imperialismus – eine multiethnische und multikonfessionelle Gesellschaft bestand? Entsorgst Du hier einen Teil europäischer (und deutscher!) Geschichte, indem Du die Forderung nach Gerechtigkeit und gegenseitiger Anerkennung ummünzt in einen unterstellten Vernichtungswahn, der gerade nicht der nahöstlichen (und der islamischen) Kultur entstammt?


Existenzrecht welchen Israels?

Gestatte uns bitte noch eine weitere Bemerkung zu Israel, dessen Existenzrecht Du – wie im herrschenden Diskurs immer wieder hervorgehoben – betonst. Banal mag sein, daß dies kein völkerrechtlicher Begriff ist. Jedoch: Noch nicht einmal die vom Westen bekämpfte und mittels der Hallstein-Doktrin diskriminierte DDR forderte ein »Existenzrecht« – sie wollte anerkannt werden. Israel ist de jure international und de facto auch von den arabischen Staaten längst anerkannt – darauf verweist Du selbst und zu Recht. Die Anerkennung Israels durch die PLO liegt lange zurück. Und auch die viel geschmähte Hamas hat Israel längst und mehrfach die Anerkennung angeboten – allerdings um den Preis der Anerkennung eines palästinensischen Staates innerhalb der 1967 besetzten Gebiete. Dies sind 22 Prozent des britischen Mandatsgebiets. Mit der gebetsmühlenhaft wiederholten Forderung nach der Anerkennung des »Existenzrechts« wird die Kernfrage verschleiert, die sich auf eine endgültige Definition des Staatsgebiets Israels bezieht und bisher jede Lösung des Konflikts verhindert. Denn: Um die Existenz welchen Israels geht es? Sicher ist der UN-Teilungsplan von 1947 vom Tisch. Aber: Geht es heute um Israel in den Grenzen von 1967? Einschließlich der Siedlungen? Vor der Trennungsmauer? Geht es um die Anerkennung eines jüdischen oder eines demokratischen Staates? Dies sind die Fragen, die der Klärung bedürfen, damit Frieden geschlossen werden kann.

Hinter der Beschwörung des Existenzrechts Israels und der besonderen deutschen Verantwortung verbirgt sich nicht nur der Unwillen der israelischen Regierung, die Territorialfrage zu lösen, auch unsere Regierung vermeidet damit unangenehme, ja peinliche Fragen: Wie hielt und hält es denn die Bundesrepublik Deutschland mit der Rückgabe des »arisierten Eigentums«? Wie hat sie die Forderungen nach Entschädigung und Versorgung jener jüdischen Menschen behandelt, die den Horror des Naziregimes überlebt haben? Hier wären Taten angebracht gewesen – bei uns! In freundschaftlichem Einvernehmen mit Israels Staatsführung werden diese Fragen durch die Lieferung atomwaffenfähiger Dolphin-U-Boote, die jede Hauptstadt der Welt erreichen können, von der Tagesordnung entfernt – und zeigen so die Fragwürdigkeit der moralisierend vorgetragenen Argumentation.

Was uns zu denken geben sollte, ist doch die zunehmende Kritik, die von zahllosen Jüdinnen und Juden, seien sie Israelis oder nicht, an der Entwicklung Israels zu einem Staat der Besatzer geübt wird, an einem Staat, der zwar von Frieden spricht, aber trotz aller Vereinbarungen und Pläne – von der Sicherheitsratsresolution 242 über Oslo, die sogenannte Road Map, die Vorschläge der Genfer Initiative, den arabischen Friedensplan, Annapolis etc. etc. – die territoriale Expansion weiter vorantreibt und damit jeden Frieden gerade auch für sich selbst verhindert. Dies führt unweigerlich zu der Frage, die schon Hannah Ahrendt aufgeworfen hat, daß Nationalismus besonders schlimm ist, wenn er sich ausschließlich auf Stärke stützt.2 Wer sich so um Israel sorgt, sollte versuchen, den dortigen Regierenden die Einsicht zu vermitteln, daß die Sicherheit ihres Staates nur gewährleistet ist, wenn das viel geforderte Existenzrecht auch für die Nachbarn und vor allem für die Palästinenser gilt.


Gegen Militäreinsätze

Ad 2.) Deine langen Ausführungen über Clausewitz irritieren uns: Dies nicht nur wegen der Rückgriffe auf den preußischen Militärtheoretiker, die Du in einer Weise vornimmst, als ob dieser ewig gültige Prinzipien formuliert hätte. Wolfgang Gehrcke hat in seiner Rede zum Nahost-Konflikt zu Recht darauf hingewiesen, daß Clausewitz keinen Nuklearkrieg und keine Massenvernichtungswaffen kannte. Wichtiger erscheint uns jedoch, daß Krieg immer auch mit der Systemfrage verbunden ist: Der auch von Dir zitierte Lenin schrieb, daß der Krieg »unlösbar mit der politischen Ordnung verbunden (ist), der er entspringt. Dieselbe Politik, die eine bestimmte Großmacht, eine bestimmte Klasse innerhalb dieser Großmacht lange Zeit hindurch vor dem Krieg verfolgte, setzt diese selbe Klasse unvermeidlich und unausbleiblich während des Krieges fort, wobei sie nur die Form des Handelns ändert« (LW 24, S. 397 – d. Red.). Das ist Clausewitz. Allerdings ergibt sich hieraus für die Linke eine ganz andere Sicht auf den Krieg!

Als Linke können wir Deine Feststellung »Der Krieg ist somit nicht der Gegenbegriff zur Politik« nicht teilen. Gerade im Zeitalter der Wiederkehr des Krieges sehen wir allerorts, daß Krieg und militärische Gewalt keine Lösungen zu bringen vermögen: Das gilt nicht nur in Afghanistan und Irak, es gilt genauso auf dem Balkan, wo, würde das Militär abgezogen, die organisierte Gewalt unter den Kontrahenten wieder ausbräche: Militär verhindert dort für den Zeitraum seines Verbleibs solche Gewalt, löst aber nicht die Konflikte. Und dort, wo offene Gewalt in den sogenannten »failed states« schon zur ökonomischen Existenzgrundlage der Gewaltakteure geworden ist, wird dauerhafter Frieden nicht durch militärische Gewalt herstellbar sein, sondern nur durch eine globale Veränderung des Weltwirtschaftssystems.

Die Ablehnung militärischer Gewalt ist alte und gute Tradition der Linken, gerade weil organisierte Gewalt immer unsägliches Leid über die Menschen gebracht hat und dies angesichts der Modernisierung der Kriegführung heute in noch höherem Maße tut, als dies früher der Fall war. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß die explodierende Zahl ziviler Opfer als »Kollateralschäden« verdinglicht wird. Bisher hat Die Linke Krieg als Mittel der Politik grundsätzlich und konsequent abgelehnt. Dadurch wurde und wird sie noch immer nicht nur als Hoffnungsträger der Friedensbewegung verstanden, sie ist auch im Einklang mit den Vorstellungen und Wünschen der Mehrheit der Menschen in unserem Lande. Die Linke ist die einzige Partei, die – bisher – glaubwürdig für eine solche Politik steht: Diese Position hat nichts mit der Taktik von Wahlkämpfen zu tun, sie ist identitäres Merkmal der Partei Die Linke und steht voll in der Tradi­tion von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

Es scheint daher kein Zufall, daß Du in Deiner Rede völlig die spätestens seit 1945 geschaffene internationale Rechtsordnung unerwähnt läßt. Du weißt, daß die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sich in Artikel 2. Absatz 4 ihrer Charta dazu verpflichten, in den internationalen Beziehungen »jede (…) Androhung oder Anwendung von Gewalt« zu unterlassen. Die Formel von der »Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln« ist also historisch überholt, die Berufung darauf ist völkerrechtswidrig – wenn sie auch in die wieder zunehmende interventionistische Praxis der Staaten paßt, die dadurch aber nicht legalisiert wird.


Linke Politik: Antiimperialismus

Dies sind Grundsatzfragen. Und wer Grundsätzen treu bleibt, ist deshalb nicht handlungsunfähig – auch nicht in der Außenpolitik. Die Partei Die Linke hat es bewiesen: In ihrer Ablehnung des EU-»Reformvertrags« wegen der dort festgeschriebenen kontinuierlichen Aufrüstung und Militarisierung der EU und wegen der Festschreibung des Neoliberalismus als Ordnungsprinzip; in ihrem Widerstand gegen die Kriegsbeteiligung in Afghanistan; in ihrer grundsätzlichen Ablehnung des Krieges als Mittel der Politik und in ihrem Beharren auf den Grundsätzen des Völkerrechts. Ist die Büchse der Pandora im Sinne des »Primats des Praktischen« (S. 3)3 erst einmal geöffnet, bleiben Grundsätze wie theoretische Analyse auf der Strecke, und es wird kein Halten mehr geben. Und: Die »Staatsräson« ist eben nicht gleichzusetzen mit der Ratio, der Vernunft, die aus der Analyse der Verhältnisse entspringt.

Deine Schelte des Antiimperialismus fügt sich in den postmodernen Zeitgeist. Zuzustimmen ist Dir zweifellos, wenn Du die realen Verhältnisse in vielen aus den Befreiungsbewegungen hervorgegangenen Regierungen kritisierst, die keineswegs demokratischen oder gar sozialistischen Idealen entsprechen. Jedoch: Waren die antikolonialen Kämpfe historisch gesehen nicht doch ein Stück Fortschritt? Waren nicht die Befreiungskriege in Vietnam, Algerien, Moçambique, Angola, die kubanische Revolution fortschrittliche Akte gegen widerwärtige Systeme der Ausbeutung, Unterdrückung, Diskriminierung? Was wäre die UNO heute ohne die Mitgliedschaft der Staaten der ehemaligen »Dritten Welt«? Waren die (bürgerliche) Revolution von 1848, die Pariser Commune, die Matrosenaufstände etc. etc. schlichte Illusionen, weil sie scheiterten – und: Sind sie gescheitert? Haben ihre »Illusionen« nicht Maßstäbe gesetzt, die später wieder aufgegriffen und realisiert wurden, in Teilen gar im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland?

Müssen wir nicht, wenn wir uns mit Dir auf Marx, Engels, Lenin, Luxemburg berufen, sehen, daß diese politischen Umwälzungen es leider nicht vermochten, jene globalen ökonomischen Verhältnisse umzustoßen, die Ursache für den Fortbestand von Ausbeutung, für die Mißwirtschaft und Korruption der »Eliten« (übrigens nicht nur in der ehemaligen »Dritten Welt«) sind? Ist es daher gar an der Zeit, den »Kampf für eine bessere – und mögliche – Welt« als illusionäres Unternehmen abzublasen?

Wir teilen nicht Deine Ansicht, daß der »einstige Antiimperialismus in linken Diskursen, falls er es je konnte (!), nicht mehr sinnvoll plaziert werden kann« (S. 6). Zur Begründung führst Du an, daß diesem sowohl seine »politökonomische Ursprungskomponente« entzogen wurde und »keine neuen Kolonien angestrebt werden« (S. 6). Zusammen mit »Antiimperialismus« wird logischerweise natürlich auch der Begriff »Imperialismus« aus dem »linken Diskurs« entsorgt. Diese politische Ursprungskomponente besteht aber – leider – nach wie vor, auch wenn der globalisierte Kapitalismus und die sich ihm unterwerfenden Staaten bzw. »Eliten« es heute nicht mehr nötig haben, formale Kolonien zu errichten. Die Tatsache, daß die sogenannte Dritte Welt nach fünf Entwicklungsdekaden noch viel ärmer geworden ist, belegt nachdrücklich, daß die Mechanismen der Ausbeutung nach wie vor – wenn auch z. T. effizienter als im alten Kolonialismus – funktionieren!

Es mag richtig sein, daß Teile der (alten bundesrepublikanischen) Linken glaubten, die Befreiungsbewegungen würden die soziale Lage bei sich und womöglich in der Welt lösen (S. 6). Wer aber hat sie daran gehindert? Als die ehemaligen Kolonien die Insignien ihrer »Unabhängigkeit« erhielten, waren sie längst Teil des globalen ökonomischen Gefüges. Treffend sprach André Gunder Frank von der »Entwicklung der Unterentwicklung«. Weltbank und IWF und heute WTO tun und taten das ihre, um die soziale Entwicklung dieser Länder in autonomer Entscheidung zu verhindern und zwangen sie durch ihre Strukturanpassungspolitik unter die Knute des globalen Kapitalismus, den man nun nicht mehr Imperialismus nennen soll.


Staatsräson statt Klassenfrage?

Diese Überlegungen führen direkt zu dem Dir so wichtigen Begriff der Staatsräson. Hier kommt plötzlich ein Zungenschlag in Deine Rede, den wir nicht stehen lassen können: Noch der als Kronzeuge zitierte Rudolf Dreßler sprach adäquater vom »nationalen Interesse Deutschlands«. Mit der Erhebung des »nationalen Interesses« zur »Staatsräson« erhält dieses Konstrukt eine ganz andere Qualität, denn der Begriff zielt auf die raison d'être, auf das Seinsrecht des Staates schlechthin. Und da wir ja alle, ob wir's wollen oder nicht, Deutsche sind, müssen wir uns wohl oder übel dem übergeordneten geradezu schicksalhaft vorgegebenen »Staatsinteresse«, eben dieser Staatsräson beugen. Es kann doch nicht Dein Ernst sein, die Nation wieder zur sakrosankten Schicksalsgemeinschaft zu stilisieren, in der wir, die wir mit Dir nicht einverstanden sind, nur noch als vaterlandslose Gesellen vegetieren könnten!

Ist die Nation unsere, der Linkspartei »Schicksalsgemeinschaft«, deren übergeordnetem Interesse wir uns unterwerfen müssen? Willst Du wirklich, daß wir die Klassenfrage endgültig beerdigen und wieder in jenen nationalen Katego­rien denken, die Ursache für so viel Unrecht, Blutvergießen und Leid während der letzten zweihundert Jahre gewesen sind? Ist es nicht gerade der Nationalismus, der die Unversöhnlichkeiten im Nahen Osten mitbestimmt? Wir vertreten die antiquierte Vorstellung, daß Antinationalismus und Internationalismus der arbeitenden Menschen und der Unterdrückten immer Kern linker Politik waren.

Das Denken in der Kategorie »Staatsräson« kann natürlich nicht folgenlos bleiben. Und Du bringst es selbst auf den Punkt: »Gerade in parlamentarischen Aktivitäten sollten wir nur Forderungen formulieren, von denen wir überzeugt sind, daß wir sie, wenn wir in einer Bundesregierung wären, auch tatsächlich umsetzten. Da spielt eine zentrale Rolle, was ich zur Staatsräson sagte.« Wir Deutsche sind also alle zusammen wieder in einem – und demselben! – Boot? Ist das noch linke Politik? Und ist der Begriff der (nationalen) Staatsräson erst einmal zur neuen Gottheit und Leitlinie auch linker Außenpolitik gekürt, dann wird er sicherlich ganz andere Prioritäten kennen als Israel! So verstandene Staaträson läuft Gefahr, sich schnell in den Formulierungen des »Weißbuchs«4 sowie der »Verteidigungspolitischen Richtlinien« vom 26. November 1992 wiederzufinden, in denen die Sicherung der Rohstoffzufuhr zum »vitalen Interesse«, also zu einem Akt der Staatsräson der Bundesrepublik erhoben wird!

Wenn, wie von Dir erwartet, ein zukünftiger, von der Partei Die Linke gestellter Außenminister der Bundesrepublik Deutschland sich zum Nahost-Konflikt verhalten soll, muß er sich diesen konkreten Fragen stellen. Dies sollte auch sein Vordenker tun. Die »Staatsräson« kann und darf nicht zur Begründung eines Völkerrechtsbruchs werden, nicht nur wegen der fraglos existierenden moralischen Verpflichtungen Deutschlands gegenüber den Sinti und Roma, den für die Sklaverei vorgesehenen Völkern Osteuropas, vor allem aber gegenüber dem jüdischen Volk einerseits und dem Staat Israel andererseits, sondern wegen der aus der Nazibarbarei resultierenden Verpflichtung Deutschlands, auf die Gestaltung einer friedlichen und auf dem Respekt des Völkerrechts und der Menschenrechte basierenden Weltordnung hinzuarbeiten.

Laß uns zusammenfassen: Die Linke ist nicht nur national – sie ist und bleibt auch international oder sie wird ihre Identität verlieren. Ihre Aufgabe kann es nicht sein, sich in Staaträson zu üben, sondern die Ungerechtigkeiten in dieser Welt zu bekämpfen, damit überall ein menschenwürdiges Leben möglich wird. In diesem Sinne möchten wir Dir empfehlen, den beigefügten Brief des israelischen Historikers Meir Margalit an unsere derzeitige Bundeskanzlerin zur Kenntnis zu nehmen5 und Deine in Deiner Rede bezogene Position im Sinne einer Friedenspolitik zu überdenken, die die politische Identität der Linkspartei wahrt. Fällt Die Linke hinter diese Prinzipien zurück, ordnet sie sie gar einer Staatsräson – was immer das im konkreten Falle sein mag – unter, verliert sie nicht nur ihr Profil, sondern einen wesentlichen Teil ihrer Identität.

Deine Stellungnahme wirft über die Israel betreffenden Aspekte hinaus Grundsatzfragen zu Struktur und Funktionsmechanismen des internationalen politischen Systems und der korrespondierenden Positionierung der Linken auf. Wir fordern dringend dazu auf, deren Analyse und Klärung in einen größeren parteiinternen Diskussionszusammenhang zu stellen.

Wir hoffen, mit diesem Brief einen Anstoß zu einer solchen Debatte gegeben zu haben. Eine Klärung kann nur im Diskurs erarbeitet und nicht verkündet werden. Wir sind bereit, uns aktiv an diesem Prozeß zu beteiligen.



Unterzeichnet von folgenden Mitgliedern des Gesprächskreises »Frieden und Sicherheitspolitik« der Rosa-Luxemburg-Stiftung:

PD Dr. Johannes M. Becker, Marburg; Murat Cakir, Sprecher des Europäischen Friedensrats Türkei; Dr. Ingrid El Masry, Marburg; Prof. Dr. Hans-Jürgen Krysmanski, Münster und Hamburg; Prof. Dr. John Neelsen, Tübingen und Verdun; Prof. Dr. Werner Ruf, Edermünde; Jochen Scholz, Oberstleutnant a. D., Mitglied in der Kommission Bundeswehr und Europäische Sicherheit beim Institut für Solarenergieforschung Hameln; Dr. Peter Strutynski, Kassel, Sprecher des Bundesausschuß Friedensratschlag; Prof. Dr. Wolfgang Triebel, Mitglied der Landesarbeitsgruppe Frieden und internationale Politik Berlin



Die Stellungnahme unterstützen:

Reiner Braun, Geschäftsführer der International Association of Lawyers against Nuclear Arms (Deutschland); Andreas Wehr, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft »Frieden und Internationale Politik« der Partei Die Linke

1 Die Rede von Gregor Gysi ist dokumentiert unter: linksfraktion.de/rede.php?artikel=1317265844 (d. Red.)

2 Die Soziologin und Heidegger-Schülerin formulierte 1945 diese Kritik, also ein Jahr nachdem die »Amerikanische Zionistische Bewegung« sich zu dem neuen Programm Ben Gurions bekannte. Siehe dazu Norman Paech: uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Israel/60jahre-paech.html (d. Red.).

3 Dieses und alle folgenden Zitate mit Seitenangaben sind der Rede Gysis entnommen (d. Red.).

4 Gemeint ist das »Weißbuch zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur Zukunft der Bundeswehr 2006« (d. Red.).

5 Siehe z. B. arendt-art.de/deutsch/palestina/texte/meir_margalit.htm (d. Red.)



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... wir dürfen gespannt sein, ob eine solche, oben angesprochene Debatte tatsächlich in DIE LINKE stattfinden wird bzw. darf
... ich fürchte, eher nicht
... denn die hier im offenen Brief angeführten Argumente sind sämtlich nicht zu widerlegen, was aber die zionismusphilen Antideutschen in DIE LINKE sowieso nicht stört

Bernd



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[editiert: 22.05.08, 09:24 von Bernd]
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Bernd

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New PostErstellt: 22.05.08, 09:44  Betreff:  Re: Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

kopiert aus: http://www.jungewelt.de/2008/05-21/026.php



An Israels Seite

Sebastian Voigt, Gründungsmitglied des Bundesarbeitskreises Shalom der Linksjugend, verpflichtet Die Linke im Tagesspiegel vom Dienstag »an Israels Seite«:



Die Linke steht vor dem Parteitag am kommenden Wochenende vor Richtungsentscheidungen, die ihre Entwicklung massiv beeinflussen werden. (...) Die Diskussion über das Verhältnis zu Israel ist ein Kristallisationspunkt dieser Auseinandersetzungen. Sie ist mehr als die Diskussion um ein Land. Diese wird vielmehr entscheidend dafür sein, ob es gelingt, den Dogmatismus hinter sich zu lassen, der in Teilen der Partei vertreten wird. Es geht darum, ob die Linke am veralteten Weltbild des Antiimperialismus festhält oder ob eine fortschrittliche Gesellschaftsanalyse auf der Höhe der Zeit formuliert wird.

Ein zentraler Punkt ist dabei das Verhältnis von Individuum und Kollektiv. Eine emanzipatorische Sicht muß vom Individuum ausgehen, dessen volle Entfaltung sie beabsichtigt. Historisch haben sich die Linken jedoch oft einem kollektiven revolutionären Subjekt verschrieben, sei es der Arbeiterklasse oder den Völkern in der sogenannten dritten Welt. Dies entsprach immer einem Wunschdenken, und heute ist der Charakter von selbsternannten Befreiungsbewegungen wie Hamas oder Hisbollah offensichtlicher denn je: Es sind antisemitische Organisationen, die Israel vernichten und eine Diktatur errichten wollen. (...)

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zu Israel begann in der außerparlamentarischen Linken Anfang der 90er Jahre. Mit einiger Verspätung ist diese nun auch in der Linkspartei angekommen. Vor allem die Gründung des Bundesarbeitskreises Shalom der Linksjugend (BAK Shalom) markiert einen Einschnitt. Er bezeichnet sich in durchaus programmatischer Absicht als Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus. Mittlerweile hat diese Diskussion die ganze Partei erfaßt. Besonders erfreulich sind die Aktivitäten der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, mehrerer Bundestagsabgeordneter und des Berliner Landesvorsitzenden Klaus Lederer. Eine neue Qualität bekam die Auseinandersetzung durch die Rede Gregor Gysis, worin er nicht nur den demokratischen Charakter und andere Errungenschaften des jüdischen Staates betonte, sondern auch den linken Antizionismus verwarf. Langfristig stellt sich die Frage, wie derartige Positionen zu vereinbaren sind mit der Absicht Oskar Lafontaines, in den Iran zu fahren. Dies wäre de facto eine Solidarisierung mit dem Mullah-Regime, das die Bevölkerung unterdrückt, Frauen diskriminiert, Homosexuelle hinrichtet und nach der Atombombe strebt. Der Präsident Ahmadinedschad posaunt seinen Wunsch, Israel zu vernichten, bei jeder Gelegenheit hinaus. (...)

Eine emanzipatorische Linke darf sich nicht auf die Seite von Diktaturen schlagen. Neben dem bedingungslosen Kampf gegen Antisemitismus und Antizionismus, gerade auch in den eigenen Reihen, ist jede Revolutionsromantik zu verwerfen, die in Staaten wie Venezuela den Sozialismus des 21. Jahrhunderts erblickt. Ebenso ist einem linken Populismus eines Lafontaine, der, rassistische Ressentiments bedienend, gegen »Fremdarbeiter« hetzt, eine konsequente Absage zu erteilen. (...)


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... dieses unausgegoerene antideutsche PISA-Gesabbel ist bar jeglicher sachlichen Argumentation und strotzt nur so von reaktionären geschichtsverfälschenden zionismusphilen Hetzparolen
... dieser sogenannte Arbeitskreis Shalom hat in einer Partei, die den Namen DIE LINKE ernsthaft vertreten will, nichts zu suchen, der antideutsche AK Shalom vertritt eindeutig rassistisch-faschistoidenähnliches Gedankengut

Bernd




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Die hohe Kunst der Volksverarschung ist es, selbiges so schnell über den Tisch zu ziehen,
daß die dabei entstehende Reibung als Nestwärme empfunden wird.
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Baba

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New PostErstellt: 22.05.08, 15:40  Betreff: Re: Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

Burkard Schulte-Vogelheim et alteri und seine antideutschen Bahamas unterwandern mal wieder linke Organisationen!

Übrigens, die Bahamas wurden aus "nadir" ausgeschlossen!

Die Partei hat Handlungsbedarf und sollte diese Pseudo-Shalom-Gruppe ebenfalls ausschließen. Wenn diese Leute Diskussionsbedarf haben, dann sollen die das von aussen an uns heran- und vortragen. Deren Hetze gegen Islam und Palästinenser sollte nicht auch noch im Schutze einer Linkspartei heraus organisiert und über Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert werden.

Baba Yaga



[editiert: 22.05.08, 15:44 von Baba]

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Bernd

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New PostErstellt: 22.05.08, 16:09  Betreff: Re: Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

... der sogenannte Arbeitskreis hetzt auch ganz massiv in Bayern und im solid-Forum 
... durchaus mit Billigung und Wohlwollen gewisser LandesvorständlerInnen

Bernd



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Bernd

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New PostErstellt: 22.05.08, 16:22  Betreff: Re: Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

... hier das Impressum der Homepage dieser oskuren Sekte http://bak-shalom.de/index.php/impressum/
... ein gewisser Benjamin Krüger ist auch solid-Bundessprecher
... hier seine Vita http://www.benjamin-krueger.net/?page_id=2 noch vor wenigen Monaten stand drin, daß er überzeugter Katholik sei
... nu ja - - -
... da kann selbst ein überzeugter Atheist wie ich nur seufzen "und verschone uns vor allem Übel" oder so

Bernd



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HSW

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New PostErstellt: 22.05.08, 19:11  Betreff: Re: Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

Tja so schnell kann man seine Meinung/Gesinnung ändern!!



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Bernd

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New PostErstellt: 22.05.08, 19:18  Betreff: Re: Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

... Bennielein hatte seine "gut" katholische Gesinnung schon immer, ist jetzt nicht anders
... er ist ja nicht konvertiert, auch wenn er frenetisch Shalom jubelt



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Baba

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New PostErstellt: 22.05.08, 19:33  Betreff: Re: Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

Mal sehen, was der Benni in Cottbus möchte?

Gut, daß diese Namen "mit besonderem Klang und G´schäckle" schon mal im Vorfeld aus den Löchern geschlüpft sind!

Baba Yaga



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Bernd

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New PostErstellt: 23.05.08, 10:47  Betreff:  Re: Offener Brief zum Parteitag von DIE LINKE in Cottbus  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

kopiert aus: http://www.carookee.com/forum/freies-politikforum/1/21210104#21210104


Praktische Hilfe
Brief an den Parteitag der Linken
Von Dr. Seltsam



Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen fressen.

In den Berliner Armenküchen läßt sich die Linkspartei nicht blicken
Die Linke ist mehr als die Partei. Sie umfaßt auch massenweise Unorganisierte, die die Nase voll haben von Koalitionen und Anpassertum und reale Machtpolitik erwarten – praktische Hilfe gegen Verelendung statt Regierungsprojekte. Millionen Arme haben keine andere politische Vertretung mehr als euch.

Aber weil ihr nirgends vor Ort seid, wißt ihr nicht, was ganz unten los ist: Ihr kennt nicht die herzzerreißenden Szenen auf den Ämtern, wenn es kein Geld für Windeln gibt, die Verzweiflung der Arbeitslosen, die am Fünfzehnten des Monats keinen Cent mehr auf Tasche haben, die Schmerzen der Omas, die erst in zwei Wochen zum Arzt gehen können, weil ihnen die zehn Euro Praxisgebühr fehlen. Das kann sich ein Bundestagsabgeordneter eben nicht vorstellen, der nicht nur 8000 Euro Staatsknete bekommt, Freifahrt in Bahn und Flieger, Chauffeure in ekelhaften Protzautos und mit den Mitarbeitern in den Abgeordnetenbüros das absolutistische Verfügungsrecht über eine Handvoll Menschen, die meist klüger sind als er selber. Dazu Aufsichtsratsposten, Stiftungspräsidien und Studienreisen nach Bedarf. Wenn ihr das alles zusammenrechnet, verfügt jeder Abgeordnete im Monat über soviel Geld wie hundert »Hartz-IV«-Opfer. Ein Leben gegen hundert – das verschaffen wir euch, eure Wähler, und was kriegen wir dafür? Den Hohn eines Parteifunktionärs, die Partei müsse sich davor hüten, Politik nur für Arme zu machen!

Die Linken waren immer die Partei der Armen, der Ausgegrenzten, der Arbeitslosen, der Hoffnungslosen und Hungerleider – genau der Menschen, über die die Berliner Boygroup, die mit der SPD zusammen die Hauptstadt verwaltet, die Nase rümpft. In allen anderen westlichen Ländern kümmert sich die linke Partei um die Unberührbaren, hat eigene Sozialprojekte und Altenheime. Die Volkshäuser in Italien etwa sind Arbeitslosencafés, soziale Treffpunkte für eine eigene Kultur gegen den Mainstream und gleichzeitig Anlaufstelle für die Partei. Solche Projekte überlassen die Linken in Deutschland den Nazis und den Kirchen. Eigentlich ist linke Politik stets praktische Hilfe für die Allerärmsten. Wenn das in Berlin nicht klappt, dann entweder deshalb, weil man nicht links ist oder weil man keine Ahnung von praktischer Politik hat.

Mittlerweile machen die Berliner Tafel und die Heilsarmee mehr linke Aktionen als die Partei die Linke. In Kreuzberg hat der Pfarrer Rutkowski ein Gemeindehaus kurzerhand zum Säuferheim umfunktioniert, weil er es nicht ertrug zuzusehen, wie ein Obdachloser sich eine Handvoll Maden aus seinem entzündeten Bein kratzte. Das Karl-Liebknecht-Haus als AIDS-Hospiz – so etwas kann sich der einfache Parteifunktionär nicht vorstellen: Wo soll er denn dann seine Akten lagern?

Nach dem Verbot der KPD 1956 haben die nichtsozialdemokratischen Kräfte im Westen jeden Kontakt zur Sozialarbeit verloren, während sie diese im Osten guten Gewissens der staatlichen Fürsorge überließen. Bis heute wissen die Ostfunktionäre gar nicht, was kapitalistisches Elend ist, sie scheinen in völliger sozialer Blindheit zu leben.

Die Grundforderung muß sein, daß jeder Parteifunktionär und jeder Abgeordnete und jeder, der mit Hilfe der Partei einen Posten bekommen hat, praktische Sozialarbeit leistet. Wer soviel wie hundert Hartz-IV-Empfänger einnimmt, sollte wissen, daß er soviel nicht verdient und mindestens 90 Prozent dieser Einnahmen ans Volk zurückgeben müßte. Die Fraktionsheilige Katja Kipping redigierte jüngst eine Propaganda-Broschüre zu »Hartz IV«, in der alle Rechtsmittel angegeben sind, aber keine einzige Parteiadresse, wo der Arme Hilfe bekommt. Die letzte Diätenerhöhung spendete sie ihrem eigenen »Prager Frühling«-Verein. So etwas nennt man Selbstbedienung.

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen den arbeitsrechtlichen Forderungen der Partei, die sich offiziell für Kündigungsschutz und Mindestlohn einsetzt, deren Abgeordnete aber Mitarbeiter auf 400-Euro-Basis beschäftigen, grundlos kündigen oder ihren ganzen Stab halbjährlich auswechseln – Heuern und Feuern als Grundprinzip wie im Wallstreetkapitalismus. Schon beim Abrutschen der SPD in den Krieg 1914 spielten rechte Mehrheiten auf den Parteitagen eine verhängnisvolle Rolle, bestehend aus Parteibeamten, die sofort auf Stütze wären, wenn sie ihren Posten verlören. Daß diese Funktionäre kein Interesse an einer radikalen linken Politik haben, die sie »abenteuerlich« nennen würden, ist klar: Wer will schon seine eigene Existenz gefährden, um anderen zu helfen? Doch links ist das nicht.

Und auch nicht erfolgreich. Die Linkspartei lebt im Moment von dem ungeheuren Vertrauensvorschuß, den die Ruinierten und Entrechteten ihr schenken, weil sie erwarten, daß die Partei etwas für sie tut. Sobald diese Wähler sich anders orientieren, ist die Linkspartei erledigt, denn der Platz in der »Mitte« bei den Steuerzahlern und »Leistungseliten« ist besetzt. Aber mit zehn Millionen Armen, die man organisiert, kann man jedes Parlament lahmlegen und jede Regierung platzen lassen – eine Horrorvorstellung für die, die nichts anderes wollen als mitregieren! Aber keine Angst, die Regierungsbeteiligung kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Die SPD wird die Linke gebrauchen, um die nächsten Weisungen des Kapitals durchzusetzen.

In den letzten Jahren waren viele Chefs der Linkspartei so freundlich, sich von mir öffentlich befragen zu lassen, so daß ich glaube, ihre Konzepte zu verstehen. Im Unterschied zu manchen jW-Kollegen billige ich sie sogar teilweise. Lafontaine will sich an der SPD rächen und peitscht sie zu demagogischen Höchstleistungen – das sehe ich gern, aber es ist auch nicht schwer, denn die Beck-SPD ist die dümmste, die es je gab. Gysis Aufgabe ist, die Fraktionen offenzuhalten für eventuelle Regierungsbeteiligungen und bei der liberalen Bourgeoisie gut Wetter zu machen, damit sie sich das gefallen läßt.

Gegen das Mitregieren ist prinzipiell nichts einzuwenden, doch der Preis dafür muß mindestens die Verdoppelung von »Hartz IV« sein und zehn Prozent mehr Gehalt für den öffentlichen Dienst. Wenn man das nicht hinkriegt, hat man in einer Regierung nichts verloren. Die absurde Idee, der Ausgleich des Staatshaushalts wäre linke Politik, kann nur Leuten einfallen, die ihr Betriebspraktikum bei IBM gemacht und auch dort nicht recht aufgepaßt haben. Denn dies ist der Staat der Bourgeoisie, der Staat der Reichen, sollen die doch dafür sorgen, wie sie ihn bezahlen. Die Linke hat nur die Pflicht, ihre Klientel nicht verhungern zu lassen. Ohne eine klare linke Führung mit Lafontaine und seiner penetranten Forderung nach einem Systemwechsel und ohne marxistische Antikapitalisten ist die Linkspartei nur noch eine PDS, das heißt ein Haufen von Karrieristen, die endlich irgendwie im Westen ankommen wollen und sonst keine weiteren Ziele verfolgen, als in ihren verlassenen Ostdörfern Bürgermeister zu werden. Aber die Linke ist mehr als die Linkspartei. Vielleicht wird sie sich eines Tages ohne sie behelfen müssen.

PS. Erste Forderung an den Parteitag: Lederer abledern


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