einige Anmerkungen machen!
Wie immer, war der Ostermarsch in Nürnberg als Sternmarsch organisiert, wenn gleich nur von Nord und Süd sich die Demozüge vor der Loerenzkirche (Stadtmitte) zur Kundgebung um ca. 15 Uhr trafen.
Ich beteiligte mich am Nord-Zug (übrigens, wie jedes Jahr), Treffpunkt war der Olof-Palme-Platz um 13:30 Uhr.
Organisiert war die Versammlung am Olof-Palme-Platz und der Marsch zur Kundgebung Lorenzkirche, wie jedes Jahr vorher auch, von Hans-Günther Schramm, Friedensforum Nürnberg!
Sprecherinnen und Sprecher kritisierten
- den 5-jährigen Bush-Krieg im Irak und die indirekte Beteiligung der BRD daran,
- die gewalttätigen Ausseinandersetzungen in Tibet,
- die deutsche, militärische Kriegsbeteiligung in Afghanistan unter
dem täuschenden Vorwand, des angeblichen Demokratieaufbaues,
- die deutsche Militärpräsenz zur Sezessionsunterstützung des Kosovo,
- 60 Jahre Israel und 60 Jahre Besatzung und Staatsterrorismus gegen das
palästinensische Volk!
Dieser letzte Punkt, nämlich die unmißverständliche Kritik an Israel, wegen seiner Angriffe, Völkerrechts- und Menschenrechtsverletzungen seit 60 Jahren gegenüber dem palästinensichen Volke, war nicht nur Thema am Olof-Palme-Platz, sondern auch Teil der Rede von Peter Strudynski (Friedensratschlag Kassel) bei der Hauptkundgebung vor der Lorenzkirche.
Ich zitiere eine wichtige Redepassage:
"60 Jahre Israel zu feiern -- wie das die Bundeskanzlerin vor wenigen Tagen getan hat -, ist daher nur die halbe Wahrheit. Wer dabei das Schicksal der Palästinenser vergisst, macht sich zum Verbündeten der einen Seite und faktisch zum Gegner der anderen Seite. Einen Friedensprozess kann es im Nahen Osten aber nur geben, wenn alle Konfliktparteien gleichberechtigt daran beteiligt werden. Auch der Terrorismus der einen Seite wird nur aufhören, wenn der (Staats-)Terrorismus der anderen Seite ebenfalls aufhört. Der Bundeskanzlerin wurde zugerufen: "Menschenrechte sind unteilbar. Nicht nur in Tibet, sondern auch im Nahen Osten!"
So deutlich, öffentlich und laut wurde bisher nie von Seiten der Friedensbewegung Kritik an Israel geübt und ich denke, es wird auch höchste Zeit, daß sich die Friedensinitiativen dieses Themas annehmen, - ist es doch Ursache und Auslösung aller Konflikte und Kriege im Nahen- und Fernen-Osten!
Um die Unterdrückungsmechanismen der israelischen Regierung anschaulich zu machen, wurden auf dem Olof-Palme-Platz in einer Höhe von 8 Metern feste Seile gespannt an welchen dann bodenlange, schwarze Stoffbahnen herabhingen.
Die RednerInnen machten darauf aufmerksam, daß man sich, statt des weichen Stoffmaterials, Betonmauern von 8-10 Meter Höhe vorzustellen habe, um zu erkennen, was diese undurchlässige und unüberschaubare Mauer, quer durch Palästina, für die vertriebenen, eingesperrten, einheimischen Menschen, bedeutet.
Zum Vergleich wurde die Berliner Mauer mit ihren "nur" 3.50 Metern genannt!
Es ist richtig, daß heuer die Teilnehmerzahlen merkbar höher waren, als in den letzten "Merkel-Jahren"! Was aber in Nürnberg unübersehbar war, ist die Tatsache des "demographischen Faktors"!
Mehr noch, als auf Bernds Fotoserie vom Berliner Ostermarsch, fehlten in Nürnberg die Jahrgänge des Alters 20 bis 45 Jahre! Ich möchte nicht despektierlich sein, aber es war leider nur eine "Grufti-Demo"!
Ich traf natürlich viele alte Bekannte aus den "Nachrüstungs-Widerstandstagen" und "Anti-Atomwaffen-Demos" und es bedurfte nur eines erkennenden Augenzwinkerns, um sich auch ohne Worte Übereinstimmung und gegenseitiges Verständnis zu versichern.
Interessant war, nebenbei festzustellen, wie das Alter die Leute geformt und gefestigt hatte.
Inerressant war auch, welche Organisationen sich beteiligt hatten. In Nürnberg waren DKP, MLPD, LINKE und kurdische Vereine unübersehbar mit vielen Fahnen vertreten, dazwischen auch attack und Jusos und von evangelischen Kirchenorganisationen, kamen Menschen mit violetten Halstüchern!
Im Gegensatz zu früheren Jahren (1981 - 1999), als die GRÜNEN mit Ständen und vielen einfallsreichen NATO-kritischen Transparenten die Ostermarschveranstaltungen mitarganisierten, gab es nur ein einziges Transparent der GRÜNEN mit dem uralt Spruch "ökologisch, basisdemokratisch, friedlich, sozial" - und die drei Bannerträger waren dann auch dem Spott der anderen Teilnehmer ausgesetzt -.
Tja, die Revolution fraß mal wieder ihre Kinder!
Und, ich befürchte, lange wird es bei der LINKEn auch nicht mehr dauern, bis sie sich, um den Preis der Regierungsbeteiligung, einfärben lassen. Jedenfalls habe ich niemanden aus dem Landesvorstand oder aus der Bundestagsfraktion angetroffen.
Baba Yaga