Bernd
Ort: Berlin
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Erstellt: 21.10.07, 15:27 Betreff: Interview mit Florian Opitz über seinen Dokumentarfilm "Der große Ausverkauf"
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»Die Medien kommen ihrer Verpflichtung nicht nach«
Gespräch mit Florian Opitz. Über den Dokumentarfilm »Der große Ausverkauf«, Widerstand gegen Privatisierungen und das Versteckspiel von IWF und Weltbank Interview: Stefan Huth
 Florian Opitz (geb. 1973) ist als Dokumentarfilmregisseur für verschiedene Fernsehsender tätig. Filme u. a.: »Tibet – Mythos und Wirklichkeit« (Arte, 2001), »Die Araber – Geschichte eines Feindbildes« (WDR/ARD, 2003). Mit »Der große Ausverkauf« gab Opitz in diesem Jahr sein Kinodebüt.
Am 17. Mai startete »Der große Ausverkauf« in deutschen Kinos. In dem Film werden vier Protagonisten aus vier Kontinenten porträtiert – sie leben in Bolivien, Südafrika, auf den Philippinen und in England –, die allesamt mit den drastischen Folgen von Privatisierungen öffentlichen Eigentums konfrontiert sind und sich auf unterschiedliche Weise dagegen zur Wehr setzen. Der Film ist voraussichtlich ab Anfang kommenden Jahres als DVD erhältlich. Weitere Informationen unter dergroßeausverkauf.de.
Im Rahmen einer Recherche zu seiner nächsten Dokumentation, die die Aktivitäten ausländischer Erdölkonzerne im Nigerdelta thematisieren soll, wurde Florian Opitz im September zusammen mit drei Begleitern in der nigerianischen Stadt Warri wegen »Verschwörung« und »Spionage« verhaftet. Anfang Oktober kam er gegen eine Kaution frei, darf das Land aber bis zu seiner Gerichtsverhandlung nicht verlassen. Im schlimmsten Fall drohen ihm bis zu 14 Jahre Haft.
jW: In der um 1934/35 entstandenen Schrift »Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit« spricht Brecht u. a. von der »List«, die nötig sei, wenn man die Lüge und die Unwissenheit bekämpfen will. Dort steht auch der Satz: »Vieles, was in Deutschland über Deutschland nicht gesagt werden darf, darf über Österreich gesagt werden.« Sie porträtieren in Ihrem Film »Der große Ausverkauf« vier Menschen aus vier Kontinenten, die auf sehr unterschiedliche Weise von der Privatisierung öffentlicher Dienste betroffen sind –keiner von ihnen lebt in Deutschland. Sind Sie einer »List« im Brechtschen Sinne gefolgt?
Florian Opitz: Die Wahl auf die geschilderten Fälle fiel natürlich nicht zufällig. Wir sind von der Situation im Jahr 2001 ausgegangen, als in Deutschland über Privatisierung öffentlicher Dienste aufgrund des bevorstehenden GATT-Abkommens und des WTO-Abkommens über den Handel mit Dienstleistungen diskutiert wurde. Darin war u. a. vorgesehen, viele Bereiche der sogenannten Daseinsversorgung zu privatisieren. Mir schien, daß Privatisierung zu dieser Zeit nur in sehr positivem Sinne in den Medien vorkam. Ich hatte Zugang zu dem großen WDR-Printarchiv, in dessen Datenbank 50 deutsche und internationale Zeitungstitel erfaßt sind. Dort habe ich zum Thema recherchiert und keinen einzigen Artikel über die Folgen der Privatisierung für den »einfachen Bürger« gefunden. Was ich in den Wirtschaftsteilen gefunden habe, war Material darüber, wo man in Zukunft von privatisierten Unternehmen Aktien kaufen und auf diesem Wege sein Vermögen mehren kann. Und das fand ich schon sehr seltsam, weil die möglichen negativen Folgen von Privatisierungen ja damals schon bekannt waren.
Ich habe mich dann an Nichtregierungsorganisationen – NGOs –, an Gewerkschaften und an verschiedene Institutionen wie die UNO gewandt, ob denn irgendwelche Berichte vorliegen über die Folgen von Privatisierung öffentlicher Dienste. Man sandte uns einzelne Studien zu, aber nichts Globales, nichts Systematisches. Daraus haben wir einiges ausgewählt, natürlich Fälle von Privatisierungen, die weiter vorangeschritten sind, um zu zeigen, was uns denn möglicherweise in der Zukunft droht.
Ich bin oft gefragt worden, warum wir keinen deutschen Fall gezeigt haben, das wäre doch viel aufschlußreicher gewesen. Aber genau das wollten wir nicht, denn in Deutschland war Privatisierung zum damaligen Zeitpunkt gerade mal angedacht worden, das steckte noch in den Anfängen. In Berlin wurde etwa die Privatisierung der Wasserbetriebe diskutiert. Aber die Folgen waren noch nicht absehbar.
jW: Sie haben viereinhalb Jahre an dieser Produktion gearbeitet. Wie ist die Idee zu dem Film entstanden?
Florian Opitz: Ich hatte mich seit Ende der 90er Jahre mit Themen der Globalisierung befaßt, ebenso mit der Entstehung der damals neuen Protestbewegung. Ich fand es immer ein bißchen unbefriedigend, daß alles, was über die negativen Aspekte der Globalisierung filmisch dargeboten wurde, durch die Perspektive der NGO-Leute, der Guten, vermittelt wurde. Ich wollte einfach eine direktere Form der Darstellung finden. Ich hatte selbst einen Film über einen ATTAC-Aktivisten gemacht, der mir nicht besonders gelungen schien. Zum zweiten war Privatisierung ein Thema, das sehr viele Bereiche unserer Gesellschaft betrifft, aber von den meisten Leuten überhaupt nicht als solches anerkannt wird oder erkannt wurde. Ich wollte zeigen: Was bedeutet es, wenn man das mal wirklich durchdenkt, durchdekliniert? Was bedeutet es, wenn das Wasser privatisiert ist, wenn man keinen Zugang mehr zu Elektrizität hat oder zum Gesundheitssystem oder zum öffentlichen Transport und Verkehr. Es war natürlich nicht von vornherein geplant, viereinhalb Jahre daran zu arbeiten. Das lag zum einen daran, daß wir kein riesiges Budget hatten, zum anderen verlängerten sich die Dreharbeiten auch durch unsere Herangehensweise. Wir haben einen sehr direkten Draht zu unseren Protagonisten gesucht, und so dauerte es eine gewisse Zeit, Vertrauen aufzubauen. Uns war auch wichtig, daß die Protagonisten sich selbst mit dem Film identifizieren können, daß wir nicht als westliches Team da reinrauschen und zwei Wochen in der Art eines Korrespondentenberichtes drehen. Wir wollten eine Zeitlang mit den Leuten leben und so sichergehen, daß ein möglichst unverstellter Blick auf ihre Lebensrealität gewahrt ist.
jW: Kritische Dokumentationen wie Ihre sind heutzutage selten im Fernsehen zu sehen. Findet Aufklärung jetzt eher im Kino statt?
Florian Opitz: Das ist wohl so. Der Boom von Dokumentarfilmen im Kino hängt sicher damit zusammen, daß diese Dinge nicht mehr wie früher im Fernsehen stattfinden – und daß es immer eine Nachfrage nach solchen Filmen gegeben hat. Vielleicht ist sie momentan sogar etwas stärker. Man möchte in einer Welt, in der Informationen in immer kürzeren Abständen und immer kleineren Bits verabreicht werden, sich doch mal wieder anderthalb Stunden hinsetzen und bestimmte Dinge, die möglicherweise auch schon bekannt sind, aus einer anderen Perspektive sehen. Und deswegen sind Dokumentarfilme momentan einigermaßen erfolgreich, zumal sie eben im Fernsehen wirklich sehr an den Rand gedrückt worden sind. Und ich denke auch, daß die Ideologie des Neoliberalismus in den Medien als alternativlos dargestellt worden ist. Ich glaube aber, das hängt vor allem damit zusammen, daß der wirtschaftliche Sachverstand in den Medien, zumal in den elektronischen, nicht so stark entwickelt ist, daß man bestimmte Glaubenssätze, die ja wirklich sehr weit verbreitet sind, hinterfragt.
jW: Zudem hat in den Redaktionen auch ein Generationswechsel stattgefunden ...
Florian Opitz: Das spielt sicherlich auch eine Rolle. Die möglicherweise etwas kritischeren oder streitbareren Journalisten und Redakteure kamen damals oft aus anderen Berufsfeldern in den Rundfunk, sie waren vorher Lektoren oder kamen aus irgendwelchen anderen Kreisen. Damals gab es noch nicht diese klassische Journalistenausbildung: den Weg über Volontariat und Journalistenschule zum Sender. Ich glaube, daß einfach die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einen etwas weiteren Horizont und mehr Platz hatten auch für nicht genuin Journalistisches. Und man merkt heute schon sehr, daß es bei dieser nachgerückten Generation auch ein Bedürfnis gibt, sich abzulösen von den Vorgängern, von diesen »Alt-68ern«, mit anderen Worten, öffentlich-rechtliche Zöpfe abzuschneiden und der Quote nachzuschielen. Ich glaube, daß das eine sehr schädliche Entwicklung ist.
jW: Der Wirtschaftsnobelpreisträger Josef E. Stiglitz vergleicht bestimmte Aspekte der Wirtschaftspolitik mit moderner Kriegsführung und sagt, in beiden Bereichen gehe es darum, menschliches Mitgefühl zu beseitigen. Daher rede man ausschließlich über Statistiken und nicht über die Menschen hinter den Statistiken. Sie zeigen in Ihrem Film hingegen persönliche Schicksale. Ein Mittel der Gegenwehr?
Florian Opitz: Der Satz stammt ja ursprünglich aus einem Buch von Stiglitz. Seit ich ihn das erste Mal gelesen habe, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Er schien mir auch ganz gut geeignet als Motto für unseren Film. Denn das war im Grunde genommen auch unser Ansatz: diese Abstraktheit der modernen Geopolitik, der modernen Wirtschaftspolitik, die nur mit Zahlen operiert, zu durchbrechen und zu zeigen, welche konkrete Auswirkungen sie für die Menschen haben. Die Privatisierungspolitik läßt sich ja überhaupt nur durchsetzen, indem man abstrahiert.
Bei fast jeder Vorstellung, bei der ich gewesen bin, gab es danach Diskussionen, auf internationalen Festivals oder auf der deutschen Kinotour. Viele Leute haben mir hinterher gesagt, so haben wir das noch nie gesehen. Selbst in der University of Chicago, der eigentlichen Heimstätte des Neoliberalismus – Milton Friedman hat dort gelehrt. Dort habe ich den Film am Wirtschaftslehrstuhl gezeigt, und hinterher kamen Studenten und Dozenten zu mir, die sagten, sie seien sehr dankbar, denn sie hätten den Stoff ihrer Lehrbücher noch nie unter diesem Aspekt gesehen. Das habe ihnen wirklich die Augen geöffnet.
Sie sprachen gerade die Perspektive an, die wir gewählt haben. Man hat uns in kritischen Besprechungen natürlich »Einseitigkeit« vorgeworfen. Dem möchte ich entgegenhalten, daß dies ein Medienprodukt unter Hunderttausenden ist und möglicherweise eines der wenigen, in denen die Perspektive der Betroffenen eingenommen wird. Alle Artikel, Bücher etc., in denen Pseudostatistiken, abstrakte scheinwissenschaftliche Daten dargelegt werden, gelten als objektiv. Und dieses eine Produkt, in dem eine andere Perspektive, die der Betroffenen, gewählt wird, gilt in westlichen Medien als einseitig. Es ist ja nicht so, daß wir unsere Meinung sagen, sondern einfach, soweit es geht, die unverfälschte Geschichte dieser Leute darstellen. Und im Grunde ist dieser Gedanke wirklich infam: Wenn diese Leute nur auf ihr Schicksal aufmerksam machen, gilt das auf einmal als einseitig. Überspitzt gesagt: Wir müssen immer den armen Großkonzern mitdenken oder die arme Weltbank und deren Positionen mit darstellen, damit wir nicht Gefahr laufen, der Einseitigkeit geziehen zu werden.
jW: Sie zeigen in dem Film verschiedene Formen der Gegenwehr: von gewerkschaftlicher Organisierung in England bis hin zu handfestem Widerstand im »Wasserkrieg« im bolivianischen Cochabamba. Man gewinnt den Eindruck, daß die letztgenannte Aktionsform die aussichtsreichste gegen die geballte Macht der Konzerne ist ...
Florian Opitz: Es kommt natürlich immer auf die jeweilige Situation an. Wenn die Rechte der Bürger von Bolivien jahrzehnte- oder jahrhundertelang mißachtet wurden, und wenn eine Elite sowieso macht, was sie will, koste es, was es wolle, dann scheint es ziemlich nutzlos zu sein, auf politischer Basis mit Plädoyers oder Gewerkschaftsaktivismus etwas zu machen. Dann scheint wirklich das einzige, was die Obrigkeit versteht, zu sein, auf die Straße zu gehen und Gegenwehr zu leisten. Auch in Cochabamba ist die Gewalt eher vom Militär ausgegangen, die Bevölkerung hat lediglich reagiert.
Das heißt nicht, daß ich das in jedem Fall für den richtigen Weg halte. Es wäre sicherlich Blödsinn, ähnlich radikale Methoden in England anzuwenden oder hierzulande. Ich glaube, das hängt immer davon ab, wie die Situation sich vor Ort darstellt. Zunächst ist es erst einmal wichtig, sich zu informieren. Das ist der erste Schritt. Und hier in Deutschland ist das große Problem, daß die Mehrheit der Bevölkerung über die Folgen nicht informiert ist, z. B. die der Privatisierung der Berliner Wasserbetriebe. Schon die Verträge sind damals nicht öffentlich gemacht worden, wichtige Inhalte sind nach wie vor unbekannt. Ich habe dazu vor einigen Jahren recherchiert, da stehen Dinge drin, denen die Bevölkerung bei Abschluß der Privatisierungsverträge niemals zugestimmt hätte. Jetzt wundert man sich über enorme Preissteigerungen. Das gleiche gilt für den Verkauf der Berliner Elektrizitätsbetriebe an Vattenfall. Da muß einfach eine Sensibilität geschaffen werden, und die ist ja auf seiten der Firmen oder der politischen Protagonisten auch da. Man versucht, im Moment des Vertragabschlusses die Auswirkungen für die Bevölkerung möglichst zu verschleiern, indem man die Folgen verzögert – d. h. sie werden erst einige Jahre nach der Privatisierung spürbar, so daß sie nicht mehr auf den Ausverkauf zurückzuführen sind. Da muß einfach eine Sensibilität geschaffen werden. Und das tut z. B. Simon, unser Lokführer aus England, in dem Film ganz gut, wenn er sagt, »they sold us what we already own«, was soviel heißt wie: Der Bürger hat das alles schon einmal bezahlt und jetzt soll er es noch mal bezahlen. Das ist der eigentliche Skandal. Da denke ich, daß es für den Widerstand oder die Gegenwehr hierzulande zuallererst auf Informationen ankommt. Und in dieser Hinsicht kommen die Medien, seien sie privat oder öffentlich-rechtlich, ihrer Verpflichtung einfach nicht nach.
jW: Sie zeigen in dem Film, wie die öffentliche Versorgung mit Strom, Transport, Wasser und medizinischen Einrichtungen durch Privatisierung beschnitten wird. Andere Aspekte könnten die Bereiche Bildung, aber auch Kriegsführung sein. Die Firma Bechtel, die in Ihrem Film im Zusammenhang mit Cochabamba vorkommt, profitiert auch von der US-geführten Aggression im Irak.
Florian Opitz: Das stimmt. Bechtel ist mit einem Milliardenvertrag beauftragt worden, die Infrastrukturleistungen Wasser und Strom in Bagdad und Umgebung wieder aufzubauen. Sie sprechen da gleichzeitig zwei Probleme des Dokumentarfilms an. Zum einen muß man sich hier eben immer für einen bestimmten Ausschnitt entscheiden und zwangsläufig Dinge auslassen. Das haben wir bei der Privatisierung der Bildung gemacht. Wir haben das mitrecherchiert, in unserem ersten Exposé stand das noch mit drin: Die Privatisierung der Inner City High Schools in den USA. Ich bin deswegen mehrmals in Philadelphia gewesen. Das war quasi drehfertig recherchiert. Wir haben uns dann entschieden, es rauszulassen, nach dem Prinzip »Weniger ist mehr«, auch um den Film nicht zu überfrachten. Und weil man an diesem Beispiel – außer durch Interviews – nicht wirklich visuell deutlich machen konnte, was jetzt an der Privatisierung liegt und was am ohnehin unhaltbaren Bildungssystem der USA.
Das wäre der erste Punkt. Der zweite ist die sehr lange Produktionszeit vieler Dokumentarfilme. Die Privatisierung des Krieges und der »Sicherheit« sind ein Thema, das erst im Laufe unserer Dreharbeiten wirklich hochgekommen ist. Wir haben 2002 mit den ersten Treatments und Vorbereitungen zu diesem Film begonnen. Da war der Irak-Krieg noch gar nicht auf der politischen Landkarte. Die Privatisierung ist dann auch erst mit den aktuellen Kriegen zum deutlichen Thema geworden. Zwar gab es auch schon vorher Söldnerarmeen, aber es war nicht so, daß ganze Teile der US-Armee outgesourct wurden. Das hatte strategisch natürlich auch damit zu tun, daß man so keine Militärgerichtsbarkeit mehr zu befürchten hatte. Wir sind da einfach von der Wirklichkeit überholt worden.
jW: Sie dokumentieren die Auswirkungen der Politik von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF), lassen in dem Film allerdings nur einen einzigen Vertreter dieser Institutionen zu Wort kommen. Wollte man sich nicht ausführlicher äußern?
Florian Opitz: Ausgegangen sind wir von der Zielsetzung, daß ein Film nur spannend ist, wenn wir auch verstehen, wie diese Leute von Weltbank, IWF, WTO und den Konzernen denken. Wir wollten sie auch nicht völlig konfrontativ angehen. Wir wollten sie wirklich nur verstehen und diesem Teil des Films auch breiten Raum geben.
Ich bin davon ausgegangen, daß sie offen zu ihrer Zielsetzung stehen würden, schließlich ist es ihre Politik. Und daß sie ein Interesse daran haben müßten, dafür zu werben. Ich mußte allerdings feststellen, daß man in den betreffenden Einrichtungen außerordentlich paranoid und im Grunde genommen nicht bereit ist, sich der öffentlichen Diskussion zu stellen, nicht mal dazu, Interviews zu geben.
jW: Sie hatten intensiven Kontakt zu den Aktivisten vor Ort. Hat sich aus dem Film etwas Neues entwickelt, gibt es inzwischen länderübergreifende Kontakte zwischen den Protagonisten?
Florian Opitz: Ja, das ist das wirklich Erfreuliche und Schöne. Als ich in Südafrika ankam und mit Bongani (der vier Monate nach Ende der Dreharbeiten aus ungeklärter Ursache verstorbene Aktivist Bongani Lubisi vom Soweto Energy Crisis Committee, dem »Der große Ausverkauf« gewidmet ist – d. Red.) über den Film gesprochen habe, erzählte ich ihm, daß auch der Bolivianer Oscar Olivera mitwirken werde. Und Bongani sagte: Oh, Oscar kenne ich doch! Sie kannten einander tatsächlich. Oscar ist mittlerweile eine Berühmtheit in der globalisierungskritischen Bewegung und weltweit viel unterwegs. Aber sie kannten sich persönlich, wußten von ihrem Kampf, von ihren Auseinandersetzungen. Da sind die Gewerkschaftsleute und die Globalisierungskritiker in den Ländern der »Dritten Welt« wesentlich besser miteinander vernetzt als die zum Teil doch sehr schnarchnasigen Gewerkschaften in Deutschland und Europa.
[editiert: 21.10.07, 15:29 von Bernd]
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