..::club_suizo_las_terrenas::..
adressbanner club suizo las terrenas samana
  Club Suizo Las Terrenas - Samana

Forenuser - Die Foren
Findmaschine
 
Sie sind nicht eingeloggt.
LoginLogin Kostenlos anmeldenKostenlos anmelden
BeiträgeBeiträge SucheSuche HilfeHilfe StatStatistik
ChatChat VotesUmfragen FilesDateien CalendarKalender
05.07.2008 - Asyl in der Karibik

Anfang   zurück   weiter   Ende
Autor Beitrag
manzana
Administrator

Beiträge: 73
Ort: Las Terrenas - La Ceiba

aktives Mitglied: Ja
Club Suizo Forennitglied: Ja
woher kenne ich Clubsuizo?: von Antonella und Charly


New PostErstellt: 05.07.08, 14:19  Betreff: 05.07.2008 - Asyl in der Karibik  drucken  weiterempfehlen

Casio EXILIM EX-Z12 Digi...

05.07.2008 - Asyl in der Karibik

Von Hans-Ulrich Dillmann, Santo Domingo

Die Flüchtlingskonferenz in Évian machte für ein paar hundert Juden den Weg in die Dominikanische Republik frei

Vor 70 Jahren tagte in Évian-Les-Bains eine internationale Flüchtlingskonferenz über das Schicksal der aus Deutschland und Österreich geflohenen Jüdinnen und Juden. Aufgrund der Tagung fanden einige Hundert Zuflucht in der Dominikanischen Republik. Heute ist Sosúa ein Touristenzentrum – auch für deutsche Karibikreisende.

Man kann die Uhr nach ihm stellen. Vorsichtigen Schrittes öffnet er die Holztür und rückt auf der Terrasse seinen Schaukelstuhl zurecht. Zwölf Uhr mittags in Sosúa, dem Ferienort an der Nordküste der Dominikanischen Republik. Luis Hess nimmt seinen Aperitif zu sich: spanischen Brandy mit Sodawasser – sein Ritual vor dem Mittagessen. Die Sonne scheint, knatternde Motorräder rasen vorbei, Nachbarn grüßen freundlich: »Hola, Don Luis.« Vor 70 Jahren hing das Schicksal des heute 99-Jährigen an einer Konferenz, die am 6. Juli 1938 in dem französischen Badeort Evian feierlich eröffnet wurde.

Hunderttausende schauten nach Évian
Kurt Ludwig Hess, der in Erfurt als Spross einer jüdischen Schuhfabrikantenfamilie geboren wurde, hatte 1938 schon eine Odyssee durch halb Europa hinter sich. Flucht vor den Nazis im Mai 1933, Barcelona, Kneipier in Ibiza, Evakuierung nach Neapel bei Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs, Litauen und dann Paris. Juden in aller Welt verfolgten das Geschehen in der »Stadt des Wassers« hoffnungsvoll: »Es ist keine rhetorische Übertreibung, wenn man sagt, dass in diesen Tagen die Blicke von Hunderttausenden auf den Lac Léman (Genfer See) gerichtet sind. Freilich nicht auf Genf und seinen prächtigen Völkerbundpalais, sondern auf einen kleinen Hotelsaal in Évian, der so eng ist, dass die Delegierten der gestern dort eröffneten Flüchtlingskonferenz in ihm keinen Platz finden«, kommentierte die deutschsprachige Emigrantenzeitung »Pariser Tageblatt« am 7. Juli 1938.

Vertreter aus 32 Staaten – Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Dänemark, die Dominikanische Republik, Ecuador, Frankreich, Großbritannien, Guatemala, Haiti, Honduras, Irland, Kanada, Kolumbien, Kuba, Mexiko, die Niederlande, Neuseeland, Nicaragua, Norwegen, Panama, Paraguay, Peru, Schweden, die Schweiz, die USA, Uruguay und Venezuela – hatten sich zur Internationalen Flüchtlingskonferenz im luxuriösen Hotel Palais eingefunden.

Als die internationalen Delegierten – fünf Jahre nach der Machtübernahme der NSDAP in Deutschland – zur Konferenz von Évian anreisten, befanden sich schätzungsweise dreihunderttausend jüdische Frauen, Kinder und Männer aus Deutschland und Österreich im Ausland – meist in den Ländern, die ans Deutsche Reich grenzten. »Öffnet die Tore«, hatte die in Berlin erscheinende Jüdische Rundschau bereits am 26. November 1935 vergeblich in einem Leitartikel an die ausländischen Regierungen appelliert, »durch humanitäre Redensarten (…) ist uns nicht geholfen.« Doch während die Lebenssituation für Juden in Deutschland immer mieser wurde, reduzierte sich zugleich die Zahl der Länder, die überhaupt noch rassistisch Verfolgte ins Land ließen. Ohne Erfolg versuchten jüdische Organisationen, der damaligen US-Regierung eine Erhöhung der Nationalitätenquote abzuringen:

Um dem wachsenden Unmut in den USA über diese restriktive Haltung entgegenzutreten, schlug der US-amerikanische Präsident Franklin Delanoe Roosevelt schließlich eine internationale Konferenz vor. Sein Ziel: vor allem lateinamerikanische Staaten dazu zu bringen, die Vertriebenen aufzunehmen. Allerdings versicherte die US-Regierung im Einladungsschreiben, dass von keinem Land erwartet werde, mehr Emigranten aufzunehmen, als die jeweilige Gesetzgebung erlaube. Ein Argumentation, auf die sich auch der US-Chefdelegierte Myron C. Taylor in seiner Eröffnungsrede. stützte. Der ehemalige Präsident des US-amerikanischen Stahltrusts erklärte unmissverständlich: Seine Regierung sei nicht gewillt, die jährliche Quote für Österreicher und Deutsche zu erhöhen. Der Vertreter des britischen Empire, Lord Winterton, verkündete die Bereitschaft, »solchen Personen Asyl zu gewähren, die aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen ihre Heimatländer verlassen mussten«, um einschränkend zu erläutern: »Aber Großbritannien ist kein Einwanderungsland. Aus ökonomischen und sozialen Gründen kann die traditionelle Politik der Asylgewährung nur in engen Grenzen angewandt werden.«

Das Schicksal der Juden wurde besiegelt
Auf die Meinungen der in Évian anwesenden Vertreter der rund drei Dutzend jüdischen Organisationen wurde nicht sonderlich viel Wert gelegt. »Es war ein trauriger Vorgang«, schrieb später der Vertreter des britischen Council for German Jewry, Salomon Adler-Rudel. »Die Grenzen blieben versiegelt – das Schicksal der Juden wurde besiegelt.« Chaim Weizmann, nach dem Zweiten Weltkrieg erster Staatspräsident Israels, formulierte: »Damals war die Welt zweigeteilt: Die eine Hälfte bildeten jene Länder, die die Juden vertrieben, und die andere weigerte sich, sie einreisen zu lassen.« »Niemand will sie«, höhnte der »Völkische Beobachter« nach Abschluss der Konferenz, »weil man die Nachteile einer Verjudung klar erkannt hat.«

In Berlin hatten die Planspiele für die endgültige Vernichtung des europäischen Judentums begonnen. Lediglich der dominikanische Gesandte erklärte im Namen seiner Regierung die Bereitschaft, jüdische Emigranten aus Deutschland und Österreich aufzunehmen. Am 9. Juli verlas Virgilio Trujillo Molina, der Bruder des Diktators Rafael Leónides Trujillo Molina, eine kurze Stellungnahme: »Die dominikanische Regierung, (…) ist bereit, ihren Beitrag zu leisten und österreichische und deutsche Exilierte (…) aufzunehmen.« Die Bereitschaft, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen, war nicht ganz uneigennützig. Außenpolitisch war Trujillo isoliert, nachdem er 1937 ein rassistisches Massaker an haitianischen Arbeitern initiiert hatte, um die 390 Kilometer lange Grenzregion zum Nachbarland Haiti zu »dominikanisieren«. Mindestens 17 000 »Haitianos« wurden von marodierenden Banden auf Befehls Trujillos umgebracht wurden.

Gleichzeitig bemühte sich die Dominikanische Republik seit Jahren um europäische Siedlungsprojekte. »Zwei Konditionen sind grundlegend, damit ein Einwanderer dem Land wirklich dient: Die Zugehörigkeit zur weißen Rasse und seine Tätigkeit als Landwirt«, formulierte bereits am 22. September 1937 der Direktor des Statistischen Amtes, Vicente Tolentino R., an den »Ehrenwerten Herrn Präsidenten der Republik und Wohltäter des Vaterlandes«, Rafael Trujillo Molina.

Asyl bei einem Mörder und Rassisten
Das American Jewish Joint Distribution Committee (Joint) griff das Angebot Trujillos auf und gründete die Dominican Republic Settlement Association. Die DORSA kaufte Trujillo das brachliegende Gelände einer ehemaligen Bananenplantage in Sosúa ab und begann ab Februar 1940, dort Baracken für die jüdischen Siedler aufzubauen, die in ganz Europa rekrutiert wurden. Bis Ende 1942 kamen rund 800 Jüdinnen und Juden, die eine landwirtschaftliche Ausbildung vorweisen konnten. Danach wurde die Reise per Schiff aufgrund des U-Boot-Krieges fast unmöglich. Eigentlich hatten die Initiatoren gehofft, mit der Zeit werde eine Mustersiedlung nach Kibbuzvorbild entstehen. Die Pläne scheiterten, denn der Landstrich war unwirtlich, Tropenkrankheiten forderten ihren Tribut – und die zahlreichen Konzertpianisten, Ärzte, Hochschulprofessoren, Künstler und Intellektuelle sehnten sich eher nach der Stadt als nach Vieh- und Weidewirtschaft.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verließ die Mehrheit der jüdischen »Colonos« wieder die Insel, vornehmlich in Richtung USA. Nur die Bodenständigsten blieben, gerettet aus einer rassistischen Diktatur von einem Diktator, der die schwarze Bevölkerung aufweißen wollte. Glück im Unglück nennt Luis Hess seine Vertreibung aus Nazi-Deutschland und die Aufnahme in der Dominikanischen Republik, deren Staatsbürger er inzwischen ist. »Wenn ein Mörder mir das Leben rettet, muss ich ihm dankbar sein.«

Quelle: Sozialistische Tageszeitung • Samstag, 5. Juli 2008

 




____________________
bernd appel / bonitadesign
Anschrift:
Villa Maria - La Ceiba
Las Terrenas / Samana
Republica Dominicana
Mail privat:
Mail Webmaster:
nach oben
Benutzerprofil anzeigen Private Nachricht an dieses Mitglied senden Website dieses Mitglieds aufrufen
Sortierung ändern:  
Anfang   zurück   weiter   Ende
Seite 1 von 1
Gehe zu:   
Search

powered by carookee.com - eigenes profi-forum kostenlos

Layout © subBlue design
club_suizo_adressbanner