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Rundmail der Antikapitalistischen LINKE

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Autor Beitrag
bjk

Beiträge: 5433
Ort: Berlin


New PostErstellt: 09.05.08, 18:38  Betreff:  Rundmail der Antikapitalistischen LINKE  drucken  weiterempfehlen Antwort mit Zitat  

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Hallo liebe Genossinnen und Genossen,

der erste Bundesparteitag der Partei DIE LINKE steht kurz bevor. Wir
möchten Euch hiermit erstens zu einem Vorbereitungstreffen am Vorabend
einladen und Euch zweitens einige Vorschläge zu Änderungsanträgen zum
Leitantrag sowie zum Umgang mit den weiteren vorgelegten Anträgen machen.

Am Ende dieser Mail findet Ihr eine Übersicht zur Rückmeldung für Euch.
Bitte schickt uns das bis Ende kommender Woche (So, 18. Mai) zurück, so
dass wir die Änderungsanträge dann mit möglichst vielen
Unterstützerinnen und Unterstützern einreichen können.

Sehr gerne könnt Ihr diese Mail natürlich an Eure Verteiler weiterleiten
bzw. die Änderungsanträge bei Delegiertenvorbesprechung vorstellen.

Vielen Dank und antikapitalistische Grüße,

Nele Hirsch
Sabine Lösing
Sahra Wagenknecht
Thies Gleiss
Tobias Pflüger
Ulla Jelpke

------------------------------------------------

Inhalt:

1.  Delegiertentreffen am Freitag, den 23. Mai, 20.00 Uhr

2. Änderungsanträge zum Leitantrag

2.1:  ÄA: Solidarität mit Lateinamerika
2.2:. ÄA: Demokratisierung
2.3: ÄA: Innenpolitik/Antifaschismus
2.4: ÄA: Antirassismus / Migrationspolitik
2.5: ÄA: Mobilisierung gesellschaftlicher Gegenmacht

3. Weitere Anträge

3.1: Positive Bezugspunkte
3.2: Politisch problematische Anträge

4. Zusammenfassung/ Rückmeldung

----------------------------------------------------


1. Delegiertentreffen am Freitag, den 23. Mai, 20.00 Uhr
===========================================================

Der Parteitag wird am Samstag, den 24. Mai um 10.00 Uhr eröffnet. Wer
bereits am Vorabend anreist, ist herzlich zu einem offenen
Vorbereitungstreffen eingeladen bei dem wir unter anderem die unten
vorgeschlagenen Änderungsanträge gemeinsam diskutieren wollen.

Das Delegiertentreffen findet statt: am Freitag, den 23. Mai, 20.00 Uhr
in der Halle der Messe Cottbus; neben dem Pressebüro. Hier findet ab
Samstag auch der Bundesparteitag statt. Ab 21.30 Uhr besteht die
Möglichkeit, sich gemeinsam mit den Genossinnen und Genossen der
Sozialistischen Linken zu beraten. Dieses Treffen findet statt in der
Stadthalle Cottbus. (Dort ist auch das Frauenplenum.) Von der Messe ist
die Stadthalle in ca. 15 min zu Fuß zu erreichen. In Euren
BPT-Unterlagen sind beide Orte auf der Karte auf Seite 5 eingetragen.

Bei Fragen bzw. falls Ihr uns vor Ort nicht findet, könnt Ihr unter
0176/24005790 nachfragen.


2. Änderungsanträge zum Leitantrag
============================================

Die zentrale inhaltliche Debatte wird voraussichtlich zum Leitantrag des
Parteivorstandes stattfinden. Die weiteren Anträge finden sich dann alle
unter „Sonstiges“, womit die Befassung vermutlich nur sehr knapp sein
wird.

Positiv an diesem Leitantrag ist, dass er im Bereich Frieden,
Anti-Privatisierung oder Sozial- und Arbeitsmarktpolitik relativ
konsequente linke Positionen enthält, die von links in der Vergangenheit
immer wieder gefordert wurden. Leerstellen hat der Antrag im Bereich der
Demokratie, bei Antifaschismus und im Bereich der Migrationspolitik.
Außerdem fehlt ein Hinweis auf die Entwicklungen in Lateinamerika.
Darüber hinaus ist der Antrag insgesamt betrachtet viel zu sehr aus
einer parlamentarischen Brille geschrieben.

Vor diesem Hintergrund möchten wir die folgenden Änderungsanträge
vorschlagen (Alle Seiten- und Zeilenangaben beziehen sich auf das
Antragsheft)


2.1: ÄA: Solidarität mit Lateinamerika
----------------------------------------------

Füge ein auf Seite 32; Zeile 55: "Die Entwicklungen in einigen
lateinamerikanischen Ländern bekräftigen uns, dass grundlegende
gesellschaftlichen Gegenentwürfe zum Kapitalismus möglich sind. Die
LINKE solidarisiert sich mit den sozialistischen Bewegungen dieser Länder.“


2.2: ÄA: Demokratisierung
-------------------------------------

Füge ein auf Seite 34; Zeile 65:
"Wir wollen mehr Demokratie in allen Lebensbereichen. Volksentscheide
müssen in den Kommunen, in den Ländern und auch auf Bundesebene zur
Normalität werden. Wir wollen die Beteiligungsrechte von jungen Menschen
stärken und streben eine gesellschaftliche Debatte um die Absenkung
des Wahlalters an.


2.3: ÄA: Innenpolitik /Antifaschismus
---------------------------------------------

Füge ein auf Seite 34; Zeile 65:
"Wir wollen ein Ende der repressiven Innenpolitik. Weder der Einsatz der
Bundeswehr im Innern, noch zunehmende Überwachung und Verletzung der
Persönlichkeitssphäre sind mit uns zu  machen. Wir fordern wir die
Streichung des Paragraphen 129a im Strafgesetzbuch, der allen voran als
Ausspähungsparagraph gegen linke Aktivistinnen und Aktivisten verwendet
wird, und die Abschaffung der Geheimdienste. Wir sind dem Antifaschismus
verpflichtet und fordern die politische und strafrechtliche Bekämpfung
von Neofaschismus und Rassismus. Wir setzen uns für ein erneutes
Verbotsverfahren der NPD ein."


2.4: ÄA: Migrationspolitik
-----------------------------------------

Füge ein auf Seite 34; Zeile 65:
„Wir wollen gleiche Rechte für alle Menschen, die hier leben. Wir
fordern deshalb eine umfassende Bleiberechtsregelung, das politische
Grundrecht auf Asyl, die Legalisierung von Menschen ohne Papiere und die
Abschaffung aller Sondergesetze wie der Residenzpflicht. Wir wollen die
Gleichberechtigung von Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt
und ein umfassendes Wahlrecht.“


2.5: ÄA: Mobilisierung gesellschaftlicher Gegenmacht
-----------------------------------------------------------

Bisher heißt es auf Seite 35, Zeile 16 ff:

„Wir werden in unseren Wahlprogrammen für die Europa- und die
Bundestagswahlen darlegen, auf welchen Wegen gesellschaftlicher
Veränderungen diese Ziele erreicht werden können und wie sie im
Zusammenspiel zu einer alternativen gesellschaftlichen Entwicklung
führen. Wir werben mit unserer Politik und unseren Wahlprogrammen für
gesellschaftliche Mehrheiten, die auch zu politischen Mehrheiten führen.“

Unser Änderungsantrag sieht folgendermaßen aus:

„Wir werden in unseren Wahlprogrammen für die Europa- und die
Bundestagswahlen Alternativen zur herrschenden Politik zur Diskussion
stellen und uns zum Ziel setzen, diese Alternativen durch die
Mobilisierung gesellschaftlicher Gegenmacht und im engen Zusammenspiel
mit außerparlamentarischen Kräften Schritt für Schritt durchzusetzen.“


3. Weitere Anträge
=========================

3.1 Positive Bezugspunkte
-----------------------------------

Unter den weiteren Anträgen gibt es einige, die unsere bisherigen
Forderungen sehr unterstützen und auf die wir uns auch auf dem Parteitag
positiv beziehen sollten.

Einige Beispiele (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

* Forderung nach einem erneuten NPD-Verbotsverfahren (G.03 und G.04)

* Antiprivatisierung z.B. Wohnungen, Bahn etc. (G.23, G.24,)

* Sozialismus; z.B. Solidarität mit Venezuela und Kuba (G.26 und P.29)

* Frieden z.B. Kampagne gegen die NATO anlässlich ihres 60jährigen
Bestehens in 2009 und Forderung nach Ablehnung, nicht nur Enthaltung,
bei Abstimmung über Militäreinsätzen im BT (G.28 und P.12 aber auch P.13
und P14)

* Kritik an Glaubwürdigkeitsverlust der LINKEN durch die Politik des
Berliner Senat s(P.28)

Was aus den sehr zahlreich vorliegenden Anträgen zur Familienpolitik
wird, ist noch offen. LISA versucht offensichtlich gerade einen
gemeinsamen Antrag hinzubekommen.


3.2 Politisch problematische Anträge
------------------------------------------

Daneben gibt es aber auch zwei politisch problematische Anträge.

* a) Menschenrechtsverletzungen im Iran (G.31; Seite 65) *

Dieser Antrag liest sich durch die Forderung nach Streichung einer
"Oppositionsgruppe"von der Terrorliste auf den ersten Blick sehr links.
Bei der "Oppositionsgruppe" handelt es sich allerdings um die
Volksmudschaheddin im Iran. Wer über die Hintergründe dieser Gruppierung
Bescheid weiß, wird dem Antrag, der solch eine unkritische Position zu
ihnen einnimmt, nicht zustimmen wollen. Zum Hintergrund zu den
Volksmudschaheddin und zur Vorbereitung der Debatte auf dem BPT
empfehlen wir Euch den folgenden Text:
http://www.knutmellenthin.de/artikel/archiv/linke/der-zweck-heiligt-die-mittel-die-volksmudschaheddin-und-ihre-freunde-772006.html

Wir schlagen folgenden Änderungsantrag vor:

Ändere den Antragstext wie folgt:

"Die andauernden gravierenden Menschenrechtsverletzungen im Iran, vor
allem die Anwendung von Todesstrafe, Steinigungen und Hinrichtung von
Jugendlichen, die Repression gegen GewerkschafterInnen und Linke,
willkürliche Verhaftungen sowie brutale Vorgehensweise gegen Frauen
werden aufs Schärfste verurteilt.

Die US-Regierung und die sich im Wahlkampf befindlichen Kandidatinnen
und Kandidaten für die US-Präsidentschaft werden aufgefordert, sich
jeglicher Kriegsdrohungen gegen den Iran zu enthalten und
Kriegsvorbereitungen zu stoppen. Die Bewaffnung und Instrumentalisierung
der Volksmudjahedin (PMOI) und anderer Gruppen für Überfälle und
Geheimdienstaktionen in Vorbereitung eines Krieges gegen den Iran ist
einzustellen.

Die Bundesregierung und die Europäische Kommission werden aufgefordert,
keine Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran in die Wege zu leiten.
Sowohl UN-Organisationen wie das Kinderhilfswerk Unicef, das
UN-Entwicklungsprogramm und das UN-Flüchtlingshilfswerk, wie auch
Oppositionsgruppen von Gewerkschaften, Frauenrechtlerinnen sowie
religiöse und ethnische Minderheiten signalisieren, dass weitere
Sanktionen ihre Arbeit eher erschweren würden und sie befürchten, dass
sich durch Sanktionen die Menschenrechts-Situation im Iran nur noch
weiter verschärfen würde.

Die Europäische Kommission und der Rat werden dringend aufgefordert,
angesichts der jüngsten Urteile des EuGH, die die Streichung von
Organisationen wie PKK und PMOI von der EU-Terrorliste betrafen, das
gesamte Instrument der EU-Terrorliste zu überprüfen.

Von der Bundesregierung wird verlangt, dass ein genereller
Abschiebestopp für Flüchtlinge aus dem Iran verhängt und allen
Flüchtlingen aus dem Iran Asyl gewährt wird.

Die Bundestagsfraktion DIE LINKE und die Delegation der Linken in der
GUE/NGL werden aufgefordert, sich für die Streichung der EU-Terrorliste
zu engagieren und die Solidaritätsarbeit mit gewerkschaftlichen und
linken Oppositionsgruppen im Iran zu intensivieren. Eine politische
Zusammenarbeit mit den Volksmudjahedin (PMOI) und dem so genannten
iranischen Widerstandsrat sollte nicht stattfinden. Die Abgeordneten der
Linken im Bundestag und im Europaparlament werden aufgefordert sich
jeglicher Solidaritätsaktionen mit diesen Gruppen, wie z.B.
Solidaritätsbesuchen im Camp Ashraf/Irak zu enthalten und sich für eine
friedliche Lösung im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt einzusetzen."


* b) Menschenrechte (P36, S. 136)*

In diesem Antrag werden ohne Zweifel viele richtige Feststellungen zur
Bedeutung der Menschenrechte getroffen. Es fehlt allerdings die Kritik
an einer Instrumentalisierung der Menschenrechte, die gerade von Seiten
der EU immer häufiger praktiziert wird und an der sich – leider – in der
Vergangenheit auch Genossinnen und Genossen unserer Partei beteiligt
haben. In der PDS gab es beispielsweise vor einigen Jahren aus diesem
Grund einen Streit, als EU-Abgeordnete einer Anti-Kuba-Resolution des
Europäischen Parlamentes zugestimmt haben und argumentierten, dass es
hier um die Durchsetzung der Menschenrechte ginge, was für Linke – egal
ob es sich um Kuba oder um andere Länder handele – selbstverständlich
sein müsse. Dass die Menschenrechtsfrage von herrschender Seite
instrumentalisiert wurde, um Kuba zu diskreditieren, wurde nicht gesehen.

Damit solche Tendenzen zukünftig vermieden werden, schlagen wir einen
Änderungsantrag vor, der das Problem der Instrumentalisierung der
Menschenrechte ergänzt. Am Ende des Textes soll folgender Abschnitt
hinzugefügt werden:

„Die Großmächte, einschließlich die Europäische Union, haben den
Anspruch, die Menschenrechte zum Leitmotiv ihrer Politik zu machen,
nicht erfüllt - im Gegenteil. Der Legitimation einer machtorientierten
Außenpolitik dienend, werden Menschenrechte geostrategischen und
wirtschaftlichen Interessen untergeordnet.

DIE LINKE wendet sich entschieden gegen alle Bestrebungen, die Forderung
nach Gültigkeit der Menschenrechte als Vorwand zu nutzen, um weltweit
kapitalistische Verhältnisse zu erzwingen oder multinationalen Konzernen
den Zugang zu Rohstoffen und Energiequellen zu sichern. Gerade
angesichts des Angriffskrieges der NATO gegen Jugoslawien 1999, der
militärischen Intervention in Afghanistan 2001 und des seit 2003 im Irak
andauernden Krieges der USA und ihrer Verbündeten, hält es DIE LINKE für
erforderlich, auf die Folgen der Instrumentalisierung von
Menschenrechten hinzuweisen. Eine Menschenrechtspolitik mit dem Ziel,
gegen missliebige Staaten vorzugehen, lehnen wir ab. Dies untergräbt
nicht nur die Glaubwürdigkeit jeder Menschenrechtspolitik, sondern
bedeutet auch einen gravierenden Bruch des Völkerrechts.“


=============================================================

4. Rückmeldung und Zusammenfassung
-------------------------------------------
===============================================================

Bitte schickt uns die folgenden Zeilen bis Sonntag, den 18. Mai,
ausgefüllt per Mail an zurück.

* Vorname/ Name:
* Landesverband / gegebenenfalls Funktion:
* Falls Delegierte/r: delegiert für:

Ich unterstütze die folgenden Änderungsanträge (siehe oben):

a) Leitantrag

* ÄA: Solidarität mit Lateinamerika (ja/nein):
* ÄA: Demokratisierung (ja/nein):
* ÄA: Innenpolitik/ Antifaschismus (ja/nein)
* ÄA: Migrationspolitik (ja/nein):
* ÄA: Mobilisierung gesellschaftlicher Gegenmacht (ja/nein):


b) Weitere Anträge

* ÄA zu G.31 (Iran) (ja/nein):
* ÄA zu P36 (Menschenrechte) (ja/nein):


Ich nehme teil:

* am offenen Delegiertentreffen um 20 Uhr (ja/nein):
* am gemeinsamen Treffen mit der SL um 21.30 (ja/nein):

Vielen Dank!


--
Für eine antikapitalistische Linke!

E-Mail:
Tel: 030/22773893

Web: http://www.antikapitalistische-linke.de



Es ist allerhöchste Zeit, Art. 1, Abs. 1 und Art. 20, Abs. 4, GG, Geltung und Wirkung zu verschaffen!
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