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Ohnesinn
Hier wird nicht gelöscht, es sei denn es wird gelöscht.
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Lensman
 Administrator
Beiträge: 3247 Ort: Bochum
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Erstellt: 14.10.06, 12:38 Betreff: Die Kosten der Gesundheit
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Kann mir mal jemand sagen, warum hier immer jeder auf jeden zeigt, das Naheliegende aber nie wirklich angepackt wird?
Der eine sieht nur Bäume - Probleme, dicht an dicht; der andere Zwischenräume - und das Licht! ------------------------------------------------------------------------------------------------- http://commanderweitblick.blogspot.com/ ------------------------------------------------------------------------------------------------- Rechtschreib- und sonstige Fehler sind beabsichtigt und urheberrechtlich geschützt
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W. Zimmermann
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Beiträge: 1116
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Erstellt: 16.10.06, 07:52 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Gute Frage, aber was ist das Naheliegende ? Ich bin da zwar weit vom Schuss, weil in NL andere Regeln gelten, aber was ist denn nun naheliegend ?
WZ
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Martha
Ehemaliges Mitglied
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Erstellt: 16.10.06, 09:09 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Das Naheliegende? Einfach die Privatversicherungen fragen. Dort funktioniert's. Sag ich aber schon seit 20 Jahren!
Martha
Soli deo gloria!
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W. Zimmermann
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Beiträge: 1116
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Erstellt: 16.10.06, 10:07 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Martha:
Die Privatversicherungen in Deutschland sind Abzocker, verglichen mit den Niederlanden. Sie verlangen zum Teil dreimal so hohe Beiträge wie in NL mit denselben Leistungen.
Das deutsche Problem liegt im System der Ärzte selbst, die durch ihr teures System der niedergelassenen Fachärzte und dem bis jetzt verweigerten System der Polikliniken (sprich Praktizieren der Fachärzte im Krankenhaus, wie in der ehemaligen DDR). Ausnahmen und Lernfähigkeit gabs zum Glück in letzter Zeit. Auch Deine eigene Branche trägt zu hohen Kosten bei durch eine zu grosse Apothekendichte. In NL geht das mit einem Bruchteil zu niedrigeren Kosten in Deiner Branche.
Keine Regierung kann die Kosten im Gesundheitswesen drücken, wenn die Ärzteschaft und die Apotheker nicht mitmachen. Solches haben auch deutsche Fachärzte, die in die Niederlande auswichen deutlich gesagt.
Das deutsche Gesundheitssystem muss sich aus sich selbst renovieren. Regierungseingriffe sind da sinnlos solange die Akteure selbst nicht mitmachen.
WZ
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Lensman
 Administrator
Beiträge: 3247 Ort: Bochum
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Erstellt: 16.10.06, 17:12 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Zitat: W. Zimmermann
| Gute Frage, aber was ist das Naheliegende ? |
Ich bin zwar sicher kein Gesundheitsexperte, aber es gibt doch einige Punkte, die jedem auch nur halbwegs klar denkendem Menschen einleuchten solten:
- Wenn ich vier Tabletten brauche, warum nuß ich mindestens 10 abnehmen?
- Die "Gesundheitskarte": es fehlt ein Bild, was Mißbrauch geradezu herausfordert
- Es fehlt außerdem ein Speicherchip mit den Krankheitsdaten, um Doppeluntersuchungen zu vermeiden
- Die Anzahl der Kassen kann man auf eine begrenzen, um Verwaltungskosten zu sparen, denn über 95% der Leistungen sind sowieso gesetzlich vorgeschrieben
- Vorsorge ist deutlich zu stärken, so wie es beim Zahnersatz bereits der Fall ist
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Martha
Ehemaliges Mitglied
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Erstellt: 16.10.06, 19:28 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Zitat: W. Zimmermann
Das deutsche Problem liegt im System der Ärzte selbst, die durch ihr teures System der niedergelassenen Fachärzte und dem bis jetzt verweigerten System der Polikliniken (sprich Praktizieren der Fachärzte im Krankenhaus, wie in der ehemaligen DDR). Ausnahmen und Lernfähigkeit gabs zum Glück in letzter Zeit. Auch Deine eigene Branche trägt zu hohen Kosten bei durch eine zu grosse Apothekendichte. In NL geht das mit einem Bruchteil zu niedrigeren Kosten in Deiner Branche.
Keine Regierung kann die Kosten im Gesundheitswesen drücken, wenn die Ärzteschaft und die Apotheker nicht mitmachen. Solches haben auch deutsche Fachärzte, die in die Niederlande auswichen deutlich gesagt.
Das deutsche Gesundheitssystem muss sich aus sich selbst renovieren. Regierungseingriffe sind da sinnlos solange die Akteure selbst nicht mitmachen.
WZ
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Wer sagt, dass Apotheker nicht mitmachen? Nur für die kann ich sprechen. Und die machen mit. Jede "Gesundheitsreform" neu. Jede Reform hat mindestens 10% Gewinneinbussen mit sich gebracht. Nun werden Ketten gebildet. 3 Apotheken, 1 Zentralcomputer, Kommissionierautomaten statt Personal, Sammeleinkäufe mit Rabatten von welchen die kleine Apotheke nur träumen kann. Inzwischen ist bekannt geworden, dass sowohl eben diese Ketten wie auch Grosshändler dazu übergegangen sind, Medikamente in Grösstmengen billig einzukaufen, um diese z.B. nach England zu verkaufen, weil die dort teurer sind als in Deutschland. Fazit: Teilweise ist wochenlang kein Sortis z.B. zu bekommen. Die Patienten, für die es keinen adäquaten Ersatz gibt, können wochenlang in die Röhre schauen. Die Verzweiflung bei diesen Patienten ist gross.
Thema: Zu grosse Apothekendichte. Das ist wohl das bescheuertste Argument, das ich je gehört habe. Was ist gewonnen, wenn zwei Riesen dasselbe verkaufen wie 10 kleine? Nur mit einem Fünftel (wenn überhaupt) an Personaleinsatz? Wie krank sind wir eigentlich, wenn wir die letzten Geschäfte (und als solches sehe ich die Apotheke), die noch jede Menge Lehrstellen anbieten, jede Menge Arbeitsplätze liefern, jede Menge Steuern und Abgaben bezahlen, Notdienste versehen, usw. usw. niedermachen?
Aber ich hab mir vorgenommen, mich nicht mehr über dieses Thema aufzuregen. Es ist eh gegessen. Mich trifft's nur noch peripher. Und alle anderen werden schon sehen, wo eine solche Politik hinführt.
Lens: Den Risikobeitrag hast Du nicht erwähnt. Wäre m.E. sehr wichtig.
Martha
Soli deo gloria!
[editiert: 16.10.06, 19:50 von Martha]
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W. Zimmermann
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Beiträge: 1116
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Erstellt: 19.10.06, 02:01 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Gestern wurde bei der ARD genau das memoriert, was ich oben auch sagte am Beispiel eines Krebspatienten. Dort kamen noch mehr Punkte zur Sprache. Die "Gesundheitslobby" in Deutschland macht das System teuer und nicht irgendeine Regierung. Lensmans Punkte sind auch okay, aber nennen das Hauptübel, siehe oben, nicht.
Noch einmal Beispiele:
Deutschland hat das dichteste Netz von niedergelassenen Fachärzten und Apotheken. Fazit: Viele müssen sich e i n e n Kuchen teilen. Wenn sie überleben wollen müssen sie höhere Preise verlangen. Das aber stösst an Grenzen. Viele Bäcker können auch nur den gleichen Kuchen bedienen. Und je mehr Lieferanten je kleiner wird der Umsatz.
WZ
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Lensman
 Administrator
Beiträge: 3247 Ort: Bochum
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Erstellt: 19.10.06, 16:01 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Zitat: W. Zimmermann
Deutschland hat das dichteste Netz von niedergelassenen Fachärzten und Apotheken. Fazit: Viele müssen sich e i n e n Kuchen teilen. Wenn sie überleben wollen müssen sie höhere Preise verlangen. Das aber stösst an Grenzen. Viele Bäcker können auch nur den gleichen Kuchen bedienen. Und je mehr Lieferanten je kleiner wird der Umsatz. |
Was nutzt es mir denn, wenn ich das Medikament um 5,- € billiger bekomme, dafür aber für 5,- € Sprit verfahre? Gar nichts.
Das Problem der zu vielen niedergelassenen Ärzten löst sich bei Verbot der Doppeluntersuchungen von selbst in Wohlgefallen auf.
Im Übrigen denke ich, daß bei Ärzten insgesamt eher noch etwas draufzupacken ist. Frag mal MurDoc nach seinen Arbeitszeiten....
Da ist eher noch etwas bei den Pharmakonzernen zu holen, die dieselben Medikamente, die hier ein Heidengeld kposten, im Ausland zum Teil erheblich billiger verkaufen.
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W. Zimmermann
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Beiträge: 1116
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Erstellt: 20.10.06, 05:03 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Lensman:
Zitat:
| Was nutzt es mir denn, wenn ich das Medikament um 5,- € billiger bekomme, dafür aber für 5,- € Sprit verfahre? Gar nichts. |
Dazu gibt es in NL einen Zubringerdienst der Apotheken, der nichts mehr kostet auch ohne 5 Euro Extrakosten.
Zitat:
| Das Problem der zu vielen niedergelassenen Ärzten löst sich bei Verbot der Doppeluntersuchungen von selbst in Wohlgefallen auf. |
Verbote bringen nichts. In NL haben diese Fachärzte das schon vor 40 Jahre erkannt und ihre Praktiken in die Poliklinik verlagert, um die Kosten zu senken. Eigenverantwortung den Patienten gegenüber.
Zitat:
| Im Übrigen denke ich, daß bei Ärzten insgesamt eher noch etwas draufzupacken ist. Frag mal MurDoc nach seinen Arbeitszeiten.... |
Da sollte er sich mal bei den deutschen Kollegen informieren, die als Fachärzte in die Niederlande kamen und dort in Polikliniken praktizieren mit weniger Stress und wesentlich höheren Einkommen als in Deutschland trotz niedrigerer Gesundheitskosten, die auch ich geniesse. Privatversichert halb soviel wie in D.
Zitat:
| Da ist eher noch etwas bei den Pharmakonzernen zu holen, die dieselben Medikamente, die hier ein Heidengeld kposten, im Ausland zum Teil erheblich billiger verkaufen. |
Da gebe ich Dir recht. Aber da man das bei der Apothekendichte in Deutschland ja rechtfertigen kann, werden diese Konzerne bei den Apotheken immer irgendwie versteckte Mitstreiter haben.
Auf diesem Gebiet kann vor allem die deutsche Ärztelobby und auch Apothekerlobby noch viel vom Ausland lernen in Europa.
Die Pharmaindustrie misbraucht mit der Lobby das System.
Vergessen darf man aber in Deutschland sicher nicht die immense Bürokratie im Gesundheitswesen. Da kann eine Regierung eingreifen, wenn sie denn will.
WZ
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Martha
Ehemaliges Mitglied
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Erstellt: 20.10.06, 10:36 Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit
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Zitat: W. Zimmermann
| Deutschland hat das dichteste Netz von niedergelassenen Fachärzten und Apotheken. Fazit: Viele müssen sich e i n e n Kuchen teilen. Wenn sie überleben wollen müssen sie höhere Preise verlangen. Das aber stösst an Grenzen. |
Das ist linke Logik, die natürlich von den Medien kräftigst unterstützt wird. Was Arzneimittel anbelangt, so besteht in Deutschland immer noch Preisbindung, d.h. der Apotheker KANN Preise im verschreibungspflichtigen Bereich überhaupt nicht manipulieren. Was die Freiwahl anbelangt, so ist auch der Aoptheker inzwischen einem extrem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt. Hier ist er ganz Kaufmann und muss sehen, wie er seine Ware verkauft bekommt. Die Preiskalkulation geht teilweise unter die Schmerzgrenze, aber mit einer eingehenden Beratung verbunden, lässt sich auch jetzt noch gegen Internet oder Ketten standhalten.
Was das gute Verhältnis der Apothekerschaft mit der Pharmaindustrie anbelangt: Das gab's nie und wird es auch so lange nicht geben, wie Ärztebesucher ihre Ärzte mit Kofferraumladungen Ärztemuster beliefern (im Sommer wohlgemerkt bei teilweise 50°C im Auto!), den Apotheker aber nur mal nebenbei besuchen um ihm mitzuteilen, dass er beim Arzt das Medikament XY vorgestellt habe. Will heissen: Der Arzt hat wahrscheinlich eine "Seminarreise" nach Mallorca z.B. versprochen bekommen, wenn er eben jenes Präparat XY kräftig verordnet. Und das tut er im allgemeinen dann auch. Um seinen Wunsch zu bekräftigen kreuzt er dann noch "Aut idem" an, was heisst, dass er ausschliesslich das Produkt dieser verordneten Firma wünscht. Sollte es billigere Vergleichspräparate geben, darf der Apotheker diese nicht abgeben und der Patient muss in vielen Fällen zweimal kommen, obwohl -zig absolut gleiche Medikamente anderer Hersteller vorrätig wären.
Und nun frag Dich mal WoZi, wovon Mallorcareisen, Tauchurlaube in Ägypten, Ballonflüge usw. für die Ärzteschaft bezahlt werden!
Martha
Soli deo gloria!
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