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Die Kosten der Gesundheit

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Autor Beitrag
W. Zimmermann
***


Beiträge: 1116

New PostErstellt: 30.01.07, 08:35  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

Creative Muvo V 100 2 GB...
Zu den Apotheken.

Aus niederländischer Warte darf ich nur bemerken, dass offenbar die Apothekendichte in Deutschland ein tabu ist.

Das man mit einem einfachen Service auch für die etwas weiter entfernten Patienten sorgen kann, scheint in Deutschland ja beinahe suspekt zu sein.
In NL gibt es da einen Lieferungsservice der Apotheken ohne Extrakosten.
Man liefert über telefonische Anfrage und auch über Aufträge der Ärzte zuhause.

Trotzdem sind die Arzneikosten in NL ca. 20% niedriger. Die Apothekendichte ist hier aber auch auch mehr als die Hälfte geringer als in D.

Bei den Nachbarn schauen kann auch trotz eines gewissen Chauvinismus helfen.

WZ



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-timo-
***


Beiträge: 1288
Ort: Kiel


New PostErstellt: 30.01.07, 12:28  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

Lieferservice von deutschen Apotheken gibt es auch. Und soweit ich mich an meine Schulkameraden erinner war dieser auch kostenlos für Personen, die nicht mehr so mobil waren/sind.

Zum Thema Apotheke an sich - kein Plan obs hier schon diskutiert wurde - ich werde bei meiner nächsten Grippe oder Magen-Darm-Verstimmung mal auf DocMorris oä zurückgreifen und den Service dort testen. Martha möge mir dies bitte verzeihen, aber mein Hausarzt ist dann 60km entfernt und für einen Besuch der mich 10€ kostet, ich nur Klönschnack betreibe und danach die gleiche Medikamente, wie seit 5 Jahren bekomme, die auch noch 100% von mir bezahlt werden müssen, da lass ich mir das für ein bissl Porto doch lieber nach Hause liefern.


____________________
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all for themselves - after all
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Elfriede Krupphausen
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 04.02.07, 18:37  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

Hallo, liebe Leute!
Das ist aber nun mal ein hitziges Thema!
Apropos Hitze! Es soll da Apotheker geben, die einfach mal ein wenig im Keller schaufeln und für die dort gelagerten Euronen in die Karibik fliegen, um dortens Geburtstag zu feiern...
Ich kenne so einen. Hahaha. Als Beweiss sende ich folgende Photographie:





Dateianlagen:

karibik2007.jpg (4 kByte, 170 x 95 Pixel)
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Lensman

Administrator

Beiträge: 3247
Ort: Bochum


New PostErstellt: 05.02.07, 12:55  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

    Zitat: I.R
    Nein, ich will weder Solidarität noch Versicherungen abschaffen. Die Frage ist lediglich, dass bei den Krankenversicherungen Milliarden umgesetzt werden, was natürlich die Begehrlichkeiten der Verbände und Verbandsfunktionäre weckt, beim Verteilen des Kuchens das Stückchen noch zu vergrößern.

    Wenn meine drei Apotheken an meiner Beispielkreuzung nur noch eine etwas größere wäre, dann ließen sich gut und gerne die Hälfte der Kosten für die Apotheken einsparen. Dann reichten vielleicht statt 8,10 € auch 3,50 €.
Geh doch mal auf die Argumente ein: es gibt Medikamente, die kosten den monatlich 1200,- €. Auch dafür bekommt der Apotheker die genannten 8,10 € plus eine Spanne von 3%, also summa summarum 44,10 €.

Jetzt mach meinetwegen 2 Apotheken zu und schaff die Beraterprämie ab. Die Hälfte der Kosten werden gespart, dafür darf die verbliebene Apotheke die Preise frei gestalten. Sie nimmt jetzt statt 3 volle 30% Gewinnspanne, das Medikament kostet plötzlich rund 1500,- € pro Monat.

Oder anders ausgedrückt: so wurde das damals gehandhabt.

Die Apotheken verdienen heutzutage wohl hauptsächlich an rezeptfreien Medikamenten und anderem als an den rezeptpflichtigen. Egal ob drei oder eine an der Kreuzung.



Der eine sieht nur Bäume -
Probleme, dicht an dicht;
der andere Zwischenräume -
und das Licht!

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Wer nichts zu sagen hat, soll keine Kommentare schreiben R.A.
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I.R
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 07.02.07, 20:43  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

    Zitat: Lensman
      Zitat: I.R
      Nein, ich will weder Solidarität noch Versicherungen abschaffen. Die Frage ist lediglich, dass bei den Krankenversicherungen Milliarden umgesetzt werden, was natürlich die Begehrlichkeiten der Verbände und Verbandsfunktionäre weckt, beim Verteilen des Kuchens das Stückchen noch zu vergrößern.

      Wenn meine drei Apotheken an meiner Beispielkreuzung nur noch eine etwas größere wäre, dann ließen sich gut und gerne die Hälfte der Kosten für die Apotheken einsparen. Dann reichten vielleicht statt 8,10 € auch 3,50 €.
    Geh doch mal auf die Argumente ein: es gibt Medikamente, die kosten den monatlich 1200,- €. Auch dafür bekommt der Apotheker die genannten 8,10 € plus eine Spanne von 3%, also summa summarum 44,10 €.
Ich bin nach Kräften bemüht, auf Deine Argumente ziemlich intensiv einzugehen, Sollte dies bei den einen oder anderen Argument Deiner Meinung nach nicht intensiv genug sein, dann hole ich das auch gern nach. Dass ich nicht darauf eingehe, dürfte jedoch nicht der Fall sein.

Wie teuer ein Medikament ist, hat nur unwesentlich etwas damit zu tun, wieviel Geld man damit verdienen sollte oder nicht. Auch das teuerste Medikament wird aus der Schublade geholt und auf den Tresen gepackt. Ob dieser Arbeitsgang 10,-€, 44,10€ oder 360,-€ wert sein soll, wenn letztendlich der Versicherte ihn bezahlen soll, darüber kann man wohl geteilter Meinung sein. Auch im Handel wirst Du nicht durchgängig 30% Spanne finden.

    Zitat: Lensman
    Jetzt mach meinetwegen 2 Apotheken zu und schaff die Beraterprämie ab. Die Hälfte der Kosten werden gespart, dafür darf die verbliebene Apotheke die Preise frei gestalten. Sie nimmt jetzt statt 3 volle 30% Gewinnspanne, das Medikament kostet plötzlich rund 1500,- € pro Monat.
Frei gestalten wäre auch eine Möglichkeit. Dies wäre der freieste aller freien Märkte. (Davon schrieb ich aber schon) Dabei würde es aber auch vorkommen, dass sich Apotheken mit 20%, 10% oder auch 5% Spanne zufrieden geben. Würden Patienten ihre Medikamente selbst bezahlen, wie dies bei einigen ja auch so ist, könnten Preise ins Rutschen kommen. Doc Morris will genau damit arbeiten.


    Zitat: Lensman
    Oder anders ausgedrückt: so wurde das damals gehandhabt.

    Die Apotheken verdienen heutzutage wohl hauptsächlich an rezeptfreien Medikamenten und anderem als an den rezeptpflichtigen. Egal ob drei oder eine an der Kreuzung.
Sie verdienen den Hauptteil an den verschreibungspflichtigen Medikamenten und der Rohertrag einer Apotheke liegt laut offizieller Apotheker-Angaben bei ca. 25%.

Ist das ein Argument, drei bis fünf Apotheken im Umkreis eines Kilometers auf Kosten des Beitragszahlers zu unterhalten? In meinen Augen nicht.

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brummbär
Ehemaliges Mitglied

Ort: hinter den sieben bergen

New PostErstellt: 07.02.07, 21:07  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

Hewlett Packard iPAQ 614...
eine frage an I.R: wovon träumen sie eigentlich nachts?



hei-ho, hei-ho, ich bin vergnügt und froh :-)))
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I.R
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 07.02.07, 21:18  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

Sehr geehrter brummbär,

ich sehe mich ausserstande, Ihrer Äusserung niveauentsprechend gegenzufragen, welche Beschwerden Sie konkret haben.

Stattdessen frage ich Sie schlicht, wo Sie der Schuh drückt.

Ohnesmiley

I.R

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Brief33
*


Beiträge: 17
Ort: Schafflund


New PostErstellt: 07.02.07, 22:09  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

Ich traf Martha gerade im Skype und sie bat mich den folgenden Beitrag für sie einzustellen!
Gruß
Frank


Dass das dt. Apothekenwesen so ist wie es ist liegt doch nicht an den Angestellten und Selbständigen, die tagtäglich ihr bestes geben. Es sind vielmehr die Ansprüche der Gesellschaft selbst, die seit Jahren nur noch dem Motto "Geiz ist geil" huldigt und dabei bewährte Strukturen zerstört.

Auch zu uns kommen Kunden, die sich eine Beratung holen und das Medikament bei Aldi, Doc Morris etc. besorgen.Kostenintensive Individualrezepte, Arzneimittelprüfungen und Notdienste erledigt die Apo um die Ecke.

Am Anfang war die Arzneimittelpreisverordnung (Verordnung! von Staats wegen!). Diese regelte die Preise wie folgt.

Herstellerabgabepreis + Großhandelsspanne + Apothekenspanne + MwSt.

Diese staatl. festgelegten Preise gewährten Sicherheit, wofür die Apo Notdienste, Notfalldepot, Lagerhaltung in ausreichendem Maße, Kontrollen vielfältiger Art und Einschränkung ihres Sortimentes (nur apothekenübliche Ware) als Gegenleistung erbrachten.

Dann erlaubte sich der Staat seine eigene Arzneimittelpreisverordnung zu umgehen und ließ Re-Import von Arzneimitteln zu
(noch immer hieß es Herstellerabgabepreis, nicht Re-Importeurabgabepreis)
Die Gewinnspannen begannen zu bröckeln, die Pflichten blieben.

Zum 1.1.04 krempelte man im Bundesgesundheitsministerium die Preisfindung um. Nun folgende Preiskalkulation:

Preis incl. 16% MwSt. 1.000,00 €
minus Anteil MwSt. 137,93 € muß Kasse an Staat zahlen!!!
Preis o. MwSt. 862,07 €

minus Beratungshonorar 8,10 € Betrag für alle Kosten !
(davon gehen 2€ incl. als Kassenzwangsrabatt gleich wieder an die Krankenkassen)
853,97 €

minus Lagerkostenausgleich 24,87 € soll Lagerkosten abdecken! Haha!
(3% aus 829,10 €)
829,10 € dieser Betrag (plus MwSt.) zahlt Apo
an Großhandel

Was bleibt nun wirklich über ?

Rohertrag 32,97 € (Summe aus 8,10€ u. 24,87€)
minus Zwangsrabatt o. MwSt. 1,72 €

Netto-Rohertrag 31,25 €
minus Kostenanteil 27,25 €

Gewinn vor Steuer 4,00 €
diese müssen versteuert werden !!
vom Rest sind Kranken- und Rentenversicherungbeiträge zu 100% (und
nicht wie bei Arbeitnehmern "nur" 50%) zu zahlen.

Zum 1.1.04 verpflichteten sich die Kassen gegenüber den Apotheken, daß unter genau definierten Bedingungen es zu einer Rückerstattung an die Apos in 05 kommen kann.

Die Apos haben genau diese Bedingungen erfüllt und es war eine Rückzahlung zwischen 300 Mio€ u 400 Mio€ im Jahr 05 fällig gewesen. Frau Schmidt trat vor die Verbände und verlangte wegen der Kassenlage der Krankenkassen den Verzicht auf Rückzahlungen. Die Verbandsoberen der Apos glaubten im Interesse der Mitglieder zu handeln und gingen einen Deal ein.
Für 4 Jahre "Status Quo" --> Verzicht auf die Gelder.

Eine durchschnittliche Apo hätte bei 300 Mio€ Volumen der Rückzahlungen einen Anteil von 14,3 T€ zu erwarten gehabt (21000 Apos) Nicht gerade wenig oder?

Doch mit den 4 Jahren Ruhe war nichts. Im Spätjahr 05 trieb Ministerin Schmidt neue Säue durchs Dorf. Alle nicht erwachsen - sprich alles unausgegoren!

Hatte der Gesetzgeber zum 1.1.04 die Apos zur Filialisierung aufgerufen, hat er ihnen zum 1.1.05 die wirtsch. Grundlage gleich wieder entzogen indem Rabatte auf verschreibungspfl. Arznei verboten wurden.

Heute stehen wir vor noch weitaus größeren Umwälzungen. Ministerin Schmidt erwartet von den Apotheken ein Einsparvolumen von 500 Mio€ oder 23,8 T€ im Schnitt pro Apo (21000 Apos). Obwohl die Apos keine Rabatte aushandeln dürfen sollen sie genau diesen Betrag über Rabattverhandlungen reinholen.
Gelingt es der Apo nicht geht dies voll zu Lasten des Gewinns, denn die Preise sind dann an Preisobergrenzen gebunden.

Hat eigentlich jemand schon einmal nachgerechet, dass diese 500 Mio€ der an die Mehrwertsteuererhöhung für Arznei entsprechen?

Hier der Beweis. Der MwSt-Anteil an den GKV-Ausgaben f. Arznei
im Jahr 2005 (in Mrd€)


16% 19% 7%

Umsatz incl. MwSt. 23.652 23.652 23.652

MwSt.- Anteil 3.262 3.776 1.547

Umsatz o. MwSt. 20.390 19.876 22.105

Diff. zu 16% 0 0.514 - 1.715
Diff. zu 19% - 0.514 0 - 2.226


Da sich Frau Schmidt gegenüber Finanzminister Steinbrück nicht durchsetzen wollte oder konnte dürfen nun die Apos die Zeche zahlen. Auf jedenfall wird es in 08 heißen, dass in 07 die Arzneimittelpreise um über 0,5 Mrd€ gestiegen sind.

Herr Steinbrück erhält zwar auf dem Papier mehr, doch je mehr der Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel steigt, um so mehr Umsatz verlagert sich in Ausland. Doc Morris zahlt im übrigen nur 6% MwSt. auf Arzneimittel, da diese bekanntlich in den Niederlanden ihren Firmensitz haben. Ganz nebenbei schlägt sich der Finanzminister NL auf die Schenkel, denn das Geld das Steinbrück so dringend benötigt kassiert er.

Wie soll da eigentlich unser Staat mit seinen Finanzen wieder jemals ins Reine kommen, wenn Minister und Kassen zum Kauf im Ausland aufrufen. Die Zeche zahlt "Otto-Normalverbraucher" auf jeden Fall. Steigende Gebühren für vielerlei Dienstleistungen der öffentlichen Hand oder Schließungen von Bädern, Vernachlässigung der Infrastruktur wegen fehlendem Geld und ... und ... und ...

Heute wissen sie nicht wohin mit dem unerwarteten Geldsegen aus Steuern. Mein Vorschlag ---> halber MwSt. - Satz auf Arzneimittel
Es entstehen keine Verwaltungskosten, wie bei einem Gesundheitsfond und die Kassen könnten sich wichtigeren Dingen wie Werbung für Doc Morris zuwenden.
Doc Morris schmarotzt nur durch Einkaufsvorteile und Steuervorteile.
Auch der Gründer der DM-Kette aus Karlsruhe schmarotzt nur, denn für "Gottes Lohn" macht auch sein Haus keinen Arneimittelvertrieb. Die Provisionen die DM erhält müßten als Zwangsrabatt an die Krankenkassen abgeführt werden denn DM ist die abgebende Stelle und nicht Doc Morris. Wir in den Apotheken sind die abgebende Stelle und per Gesetz die einzig legitimierte. Denn nur eine approbierte Kraft ist befugt Arzneimittel an Privatpersonen abzugeben. Die/der PTA (Pharmazeutisch-Technische-Assistent/in) nur unter Aufsicht und Helfer/innen überhaupt nicht. Bei DM muß man "nur" eine kaufmännische Ausbildung haben und schon klappt es mit der Arzneimittelabgabe.

Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht!

Martha



Keiner hat den Brief gelesen, den er schrieb bevor er sprang.
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I.R
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 08.02.07, 19:20  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

Liebe Martha,

ich fände es einfacher, direkt zu kommunizieren und hoffe, Du hattest ungeneidet schöne Wochen.

    Zitat: indirekt Martha
    Auch zu uns kommen Kunden, die sich eine Beratung holen und das Medikament bei Aldi, Doc Morris etc. besorgen.Kostenintensive Individualrezepte, Arzneimittelprüfungen und Notdienste erledigt die Apo um die Ecke.
Das ist das schöne Beispiel "Beratungsdiebstahl". Machen das aber wirklich die Kunden?

Ich hatte vor (vielen) Jahren mal das Gegenbeispiel. Als Aussteller auf einer Messe anwesend, beschloß ich, mir aus beruflichen Gründen nun doch ein Handy zuzulegen. Da ich weder Ahnung von den Geräten noch den diversen Netzen und Tarifen hatte, sprach ich mit einem Aussteller, welcher erkennbar verschiedene Geräte und Netzanbieter im Portfolio hatte. Er weigerte sich jedoch strikt, sich mit mir zu unterhalten, wenn ich nicht vorher einen Vertrag unterzeichne. Gerät und Netz sowie den passenden Tarif würden wir schon gemeinsam finden.

Um von diesem Nebenkriegsschauplatz wieder zum Ursprung zurückzukehren, wieviele Patienten reichen ihr Rezept wortlos über den Tresen und erhalten, wie jeden Mittwoch, wortlos ihre 3 Päckchen? Keine Beratung, keine Mühe, trotzdem Geld?

    Zitat: indirekt Martha
    Zum 1.1.04 krempelte man im Bundesgesundheitsministerium die Preisfindung um. Nun folgende Preiskalkulation:

    Preis incl. 16% MwSt. 1.000,00 €
    minus Anteil MwSt. 137,93 € muß Kasse an Staat zahlen!!!
    Preis o. MwSt. 862,07 €

    minus Beratungshonorar 8,10 € Betrag für alle Kosten !
    (davon gehen 2€ incl. als Kassenzwangsrabatt gleich wieder an die Krankenkassen)
    853,97 €

    minus Lagerkostenausgleich 24,87 € soll Lagerkosten abdecken! Haha!
    (3% aus 829,10 €
    829,10 € dieser Betrag (plus MwSt.) zahlt Apo
    an Großhandel

    Was bleibt nun wirklich über ?

    Rohertrag 32,97 € (Summe aus 8,10€ u. 24,87€
    minus Zwangsrabatt o. MwSt. 1,72 €

    Netto-Rohertrag 31,25 €
    minus Kostenanteil 27,25 €

    Gewinn vor Steuer 4,00 €
    diese müssen versteuert werden !!
    vom Rest sind Kranken- und Rentenversicherungbeiträge zu 100% (und
    nicht wie bei Arbeitnehmern "nur" 50%) zu zahlen.
An dieser Stelle fehlt noch der Hinweis, dass sich von dem, was dann noch übrig bleibt, der Apotheker ein wohlverdientes Eis kauft.

Das ist es auch, was ich an derartigen Diskussionsbeiträgen so liebe: Scheinbar schlüssig aber dennoch meilenweit an der Realität vorbei. Martha, das hast weder Du noch irgendein anderer Apotheker nötig. Mach dieselbe Rechnung auf, indem Du nicht ein Medikament für 1.000,-€ sondern 40 Medikamente für 25,-€ verkaufst. Dann bleiben nämlich nicht 31,25 € über sondern 270,- €. Dies entspricht 27% Rohertrag.

Dann steht da der Kostenanteil. Nicht näher definiert, aber felsenfest eingemeißelt. Noch schöner ist der, bei Dir nicht erwähnte, Begriff "kalkulatorische Kosten".

Was scheinbar schlüssig übrig bleibt, sind 4 € Brutto, glatte 0,4% vom Brutto-Umsatz. Bei einer Durchschnittsapotheke laut ABDA lag der Brutto-Umsatz 2005 bei ca. 1.310.000, und würde nach obiger Rechnung einen Jahresgewinn vor Steuern und Abgaben von 5.240 € bringen. Hand auf's Herz, Martha, dafür machen es selbst die nächstenliebenden aller Apotheker nicht.

Übrigens liefert die ABDA-Durchschnittsapotheke einen Rohertrag von 311.000 €, immerhin 24% vom Brutto- und 28% vom Nettoumsatz. Das steuerliche Betriebseinkommen, also das, was der Apotheker der typischen Apotheke als Vorsteuereinkommen hat, lag bei 85.000 €. Da braucht dann keiner darüber jammern, dass er seine Versicherung selbst zu 100% tragen muss (ein albernes Argument, auch dem Arbeitgeber erarbeitet der Arbeitnehmer den Arbeitgeberanteil) oder dass er davon noch Steuern zahlen muss.

So, jetzt Du.

Gruß

I.R

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Brief33
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Beiträge: 17
Ort: Schafflund


New PostErstellt: 08.02.07, 20:50  Betreff: Re: Die Kosten der Gesundheit  drucken  weiterempfehlen

Sony Ericsson W200i Ryth...
Die Antwort von Martha, die sie mir gerade per Mail schickte!
Gruß
Frank




Die 6,10 für die Apo sind quasi Beratungshonorar, wobei davon natürlich die ganze Apotheke finanziert wird. 3% Spanne sind nämlich ein Scherz und findet man im Einzelhandel sonst nirgens.

Das erklärt, warum vor ~2,5 Jahren alles günstige spontan um ~ 8€ teurer wurde. Weil eben die Regierung das System festgelegt hat. Dafür bekommt die Apotheke aber auch für teure Aids- oder Krebsmedikamente nur die 6,10€ von der gesetzlichen Kasse + 3%. Wenn dem Azubi die 1.000€-Ampullenpackung hinfällt muß der Apotheker also 28 dieser Packungen verkaufen, damit er die eine refinanziert hat.

Dummerweise kommt diese Regelung bei den sich muckierenden Patienten nicht an - da wird nur laut geschrien 'alles teuer'.

Ok, das kratzt mich alles nicht, aber was ein Skandal ist, daß der Gesetzgeber den Markt gesetzlich absolut festzurrt und dann schreit 'MEHR WETTBEWERB'! Wo leben wir denn? So ein 180°-Widerspruch ist wirklich peinlich und vor allem dann, wenn solche Hecken-Typen daherkommen und ordentlich Publicity machen für Sachen, die sie selbst mitbestimmt haben.

Leider ist ja das komplizierte deutsche Apothekenrecht in der Bevölkerung nicht so verbreitet und ich wage zu behaupten, daß die meisten dieser Gesetze nicht so sehr geeignet sind dem Apotheker seine Privilegien zu sichern sondern Ihn mit einer Vielzahl von Bestimmungen zwingen eine hohe Arzneimittelsicherheit zu garantieren, die wir uns im Lebensmittelbereich (Stichwort Gammelfleisch) wünschen würden.

Es ist ein Skandal ersten Ranges, daß ein Minister bewußt und absichtlich geltende deutsche Gesetze bricht um einem ausländischen Konzern in den deutschen Markt zu helfen. Das ist sowas von korrupt, daß ich in mein Vertrauen in den deutschen Rechtsstaat doch ziemlich erschüttert sehe.
Ob die Apotheke in Saarbrücken zumachen muß ist eigentlich keine Frage, denn die Betriebserlaubnis hätte nicht erteilt werden dürfen.

Aber das scheint ja sowieso keinen zu interessieren, bleiben wir also bei dem was die Gemüter bewegt, die viel zu teuren Apotheken. Ullalla Schmitt und ihre Vorgänger predigen ja schon seit langem, daß nur Versand und Fremdbesitz zu sinkenden Arzneimittelpreisen führt. Propaganda funktioniert eben immer noch ganz gut in Deutschland, wenn etwas lange genug behauptet wird, wird es irgendwann zur Gewissheit.

Wenn ich mir die Beiträge hier ansehe handelt es sich bei den Diskussionsteilnehmern offensichtlich überwiegend um gesunde Leute, die höchstens mal eine Packung Kopfschmerztabletten und ein Nasenspray im Jahr brauchen und sich ärgern, daß das ja alles so teuer ist, zusammen etwa 3,70 ?, dafür bekommt man heute kaum noch einen Kaffee.

Bestellt mal bei DocMorris Nasenspray AL und ASS 500 1A Pharma 30 Tabletten, nicht Aspirin, denn wir wollen ja sparen. Mal abgesehn davon, daß die Nase jetzt läuft und der Kopft heute schmerzt, nicht erst in ein paar Tagen, spart man dabei sage und schreibe 20 Cent im Vergleich zum empfohlenen (Apotheken-)Verkaufspreis. Ach ja, 4,95 ? Versandkosten kommen auch noch dazu, gut aber die kann man einsparen, wenn für weitere 32 ? eingekauft wird, super das war billig.

Und wenn das Päckchen dann morgen (hoffentlich) kommt, wer nimmt das eigentlich an, wenn ich arbeite ?
Egal, ich kann ja dann nach der Arbeit zur Post fahren es abholen...

Soviel zu den Vorteilen des Versandhandels, so richtig praktisch ist das eigentlich
nicht und wenn man chronisch krank ist wäre das nur eine Alternative wenn
es einen Preisvorteil gibt. Es ist aber schlicht unfair, wenn ein reiner Versender
z.B. auf die Rezeptgebühr verzichten darf (die holt er sie sich dann von der Krankenkase, denn auf 5 ? bei 6,20 ? Vergütung für ein Medikament auf Rezept kann keiner verzichten) ich in meiner Apotheke diese aber erheben muß.
Dann höre ich immer, "Ja aber chronisch Kranke könnten doch soviel sparen..."

Möglicherweise, wenn aber die ganzen chronisch Kranken nicht mehr in meine
Apotheke kommen, muß ich zumachen, denn nur von Nasenspray und Kopfschmerztabletten kann ich nicht leben. Und die ganzen Nischenprodukte, Rezepturen und Homöopathie gibt es bei DocMorris schon gar nicht.

Die DocMorris Apotheke ist auch nur dann billiger, wenn der Konzern dahintersteht und subventioniert, die Zeiten der Riesengewinne in der Apotheke sind schon lange vorbei und Geschenke macht auf Dauer keiner.

Hat sich mal einer überlegt, wer eigentlich Apotheken in Anspruch nimmt ?
80-90% der Kunden einer Apotheke sind ältere Menschen, die auf eine regelmäßige und unkomplizierte Arzneimittelversorgung angewiesen sind. Die bestellen nicht im Internet und warten dann zwei Tage, bis es der nette Mann von DHL bringt, warum auch, es gibt ja Ihre Stammapotheke, in die sie schon immer gehen und zwar zum Teil mehrmals die Woche.
Dies tun sie nicht nur, um ein Rezept einzulösen, sondern durchaus auch um sich zu informieren und beraten zu lassen. Bei Bedarf bringt die Apotheke das Mittel auch, und zwar am gleichen Tag ohne Versandkosten. Den Versender will ich sehen, der das Flächendecken hinbekommt.

Wie schon bemerkt wurde, kann man bei vielen Apotheken mittlerweile auch im Internet bestellen, wenn man das denn partout möchte, aber auch per Telefon oder
mal eben vorbeifahren.

Sicher, vielfach sieht ein Apothekenbesuch so aus, Rezept abgeben, Schachtel bekommen, der Apotheker oder die PTA gibt den Hinweis "3 mal täglich eine" und wünscht einen guten Tag, aber macht DocMorris das besser ?

Mal ehrlich wenn man 2-3 Stunden beim Arzt warten mußte und dann nochmal eben schnell in die Apotheke reinspringen will, weil der Parkschein längst abgelaufen ist, hat doch oft genug gar keine Lust sich auch noch die Risiken und Nebenwirkungen erklären zu lassen, denn die stehen ja sowieso im Beipackzettel.

Leute, probiert es aus, geht in eine Apotheke, nehmt ein bisschen Zeit mit und bittet um eine qualifizierte Beratung zu einem beliebigen Thema und ich bin ziemlich sicher, daß die Qualität und der Einsatz der dort gezeigt wird so manchen überraschen wird. Vielleicht weiß der gegenüber auch nicht gleich alles und kann alle Wechselwirkungen einfach runterbeten, aber ich bin ganz sicher, daß angeboten wird die gewünschten Informationen zu beschaffen und qualifiziert zu bewerten.

Na und wenn die erste Auskunft nicht zufriedenstellend war, geht in die nächste Apotheke, es gibt ja (noch) die freie Auswahl. Das gibt es völlig kostenlos, auch ohne was zu kaufen ohne Praxisgebühr und ohne 0190er Callcenter.

Die gesezliche Preisbindung bei Arzneimitteln dient doch nicht dazu, den Apotheker zu schützen, sondern den Patienten.
Nur so ist gewährleistet ist, daß ein Patient sicher sein kann in jeder Apotheke die gleichen Preise vorzufinden und nicht in der Münchener Innenstadt 5x so viel zahlen zu müssen wie auf dem Dorf oder umgekehrt ?.
Ob nun die Packung Aspirin 20 Cent mehr oder weniger kostet, spielt für die Gesamtaufwendungen für Arzneimittel doch gar keine Rolle. Wenn ein Diabetiker oder AIDS Patient im Monat für mehrere hundert Euro Medikamente wirklich braucht, ist es schon längst nicht mehr der Apotheker der daran richtig verdient, sondern die Hersteller und der Staat.

Schauen wir doch mal auf ein anderes Beispiel, wo all die Segnungen, wie Internetversand und Kettenbildung längst existieren und zu keinerlei Preisvorteilen für den Verbraucher geführt haben, den Buchhandel. Dort gibt es nach wie vor eine
gesetzliche Preisbindung. Amazon und Bücherketten zum Trotz ist da nichts billiger geworden und mal im Ernst, wer möchte denn wirklich seine Taschenbücher für den nächsten Urlaub im Internet bestellen, man will die anfassen darin blättern und selbst zur Kasse tragen,
1, 2,3 meins.....das geht auch offline

Auf Büchern und Zeitschriften sind sogar nur 7% Mehrwertsteuer und nicht 16, bzw demnächst 19 wie auf Arzneimitteln. Aber klar im Land der Dichter und Denker sind Bücher ja auch ein hohes Gut, ganz im Gegensatz zu Arzneimitteln, die man möglichst an jeder Tankstelle bekommen sollte.

Keine Sorge es wird schon mit der Zeit weniger Apotheken geben, es ist übrigens
ein Trugschluß zu glauben, je mehr Apotheken und Ärzte, desto mehr Kranke
und desto höher die Gesundheitsausgaben, es funktioniert nur umgekehrt.

Wenn Ihr dann in 20 Jahren alle ein bisschen älter seid und das ein oder andere
Zipperlein sich einstellt und man vielleicht auch ein bisschen vergesslicher ist
und auch nicht mehr so gut sehen kann. Dann ist es schon übel, wenn man
vergessen hat seine Medikamente rechtzeitig im Internet zu bestellen,
wenn man den Namen noch wüßte, waren es nun 10 oder 20 mg pro Tablette ?

Der Internet-Doc hat einem dann zwar schon das Rezept per e-mail zugeschickt.
Vor Ort gibt es ja schon lange keinen Arzt mehr, und ins nächste Krankenhaus ist es zu weit. Die Apotheke, die es zwar schon 200 Jahre am Ort gab, ist mit dem letzten Arzt natürlich auch verschwunden. DocMorris schafft es leider immer noch nicht die Lieferung zuzustellen, wenn man nicht bis mindestens 16 Uhr des Vortages bestellt hat. Na gut, den einen Tag Schmerzen wird man schon überstehen, ist ja nicht die die erste Nacht, in der man nicht schläft, aber die Tabletten fürs Herz sind leider ebenfalls alle, obwohl man ganz sicher war, daß da noch ein Blister sein müßte...
Wenn das mal gut geht....

Es geht darum ein funktionierendes, erstklassiges System zur medizinischen Versorgung gegen eine ungewisse Zukunft einzutauschen in der nur Wenige (irgendwelche Kapitalgesellschaften) profitieren und viele (die Patienten) Nachteile hinnehmen müssen.



Keiner hat den Brief gelesen, den er schrieb bevor er sprang.
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