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Ohnesinn
Hier wird nicht gelöscht, es sei denn es wird gelöscht.
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TS-Sunny
Ehemaliges Mitglied
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Erstellt: 06.02.07, 09:28 Betreff: Fritz der Held
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Der Sturm der Begeisterung wurde zum Orkan. Deutschland ist Handball-Weltmeister, setzt sich eine Krone auf, die dem Fußball versagt blieb. Überzeugend hatte das Handball-Team das Finale gegen Polen gewonnen, so dass die Party auf dem Spielfeld beginnen konnte. Begeisterung macht aus Siegern Helden. Schon trägt der Titelgewinn Schnauzbart, den des Meistermachers, Bundestrainer Heiner Brand. Nichts soll den Glanz des Moments trüben. Doch Gedanken, die über Freuden des Augenblicks hinausreichen, müssen erlaubt sein. Als Sommermärchen war die Fußballweltmeisterschaft verkauft worden. Von der starken Erinnerung daran und vom marktbeherrschenden König Fußball lässt sich profitieren. Typisch, dass aus der Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland ein Wintermärchen werden sollte. Die Handballer haben es geschrieben. Die Anleihe war überflüssig. Ausgerechnet ein Blick auf den Fußball, in dessen Schatten eine attraktive Sportart verschwunden schien. Endlich haben sie die Massen neu entdeckt. Es war Zeit. Sogar Exoten, etwa Biathlon oder Skispringen, hatten dem Handball den Rang abgelaufen. Mit Aufwand waren deren Siege und Sieger vom Fernsehen ins Blickfeld gerückt worden. Viel märchenhafter ging es nun aber beim Handball zu, zuerst für Spieler und Zuschauer in riesigen Hallen und dann, von Match zu Match zunehmend, für die Millionen an den Bildschirmen. Bemerkenswert: Sogar Quotenkönig Thomas Gottschalk wurde überholt – schon vor dem Finale. Und doch waren die öffentlich rechtlichen Sender nicht umfassend am Ball. Auch ARD und ZDF wurden überrascht vom Erfolg. Der ist für Handball zwingender als für Fußball, der in Volk und TV unantastbar bleibt. Deshalb fließt dort das Geld von Sponsoren und von Sendern – auch für klägliche Darbietungen. Sport ist auch Ware, muss sich verkaufen lassen, über Stars und Titel. Hören Helden noch auf den Namen Fritz, wird investiert. Direktübertragungen eröffnen eine mediale Erfolgskette: Gedruckte Nach-Berichterstattungen profitieren, in Zeitungen und Büchern. Untersuchungen zeigen, dass sich Menschen gerne mit den Erfolgreichen identifizieren, dass sie deren Siege miterleben und später noch mal nachvollziehen möchten. So kann Massensport zum Opium fürs Volk werden. Frei ist dieser Vergleich mit jenem Zitat, das Karl Marx einst der Religion widmete. Angesprochen ist damit ein Rausch, der süchtig macht, weil er den Geist beflügelt, die Fantasie anregt und den grauen Alltag verschwinden lässt. Den sucht ein Volk, das sich sozial bedrängt fühlt. Der Boden für den Titel war besonders fruchtbar. Die Handballer haben ihre Chance genutzt. Doch es wird härter sein als das Endspiel, die Wirkung zu bewahren, wenn der Alltag wiederkehrt – nicht nur für den Handballsport. Gut ist es also, den Moment in vollen Zügen zu genießen. Freuen wir uns, dass das sensible Verhältnis zu Polen nicht von einer aufgeheizten Atmosphäre in der Sportarena belastet wurde. Titelte doch eine große Sonntagszeitung vorbeugend: „Polen, nehmt es nicht persönlich!“ Tun sie wohl nicht, etwa so wie Spanier oder Franzosen, die ihre Niederlage nicht verwinden mochten. Die gemeinsame Siegerehrung der Präsidenten Kaczyski und Köhler steht dafür. Der Antwort eines abgekämpften Weltmeisters auf die Frage eines Reporters, ob es etwas Schöneres in seinem Leben gibt, soll nichts hinzugefügt werden: „Im Moment nicht.“
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Elfriede Krupphausen
Ehemaliges Mitglied
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Erstellt: 06.02.07, 11:22 Betreff: Re: Fritz der Held
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Jetzt bin ich aber etwas verstört. Warum haben Sie denn Ihr Handballthema nicht meinem angeschlossen? Da gibt man alles, um eine erquickliche Diskussion anzuregen und schon wird man ausgebootet. Eine Generation ist das heute! Übrigens ist noch niemand auf meine Geschichten eingegangen. Ist das ein komisches Forum hier.
Hochachtungsvoll Elfriede Krupphausen
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Elfriede Krupphausen
Ehemaliges Mitglied
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Erstellt: 06.02.07, 22:42 Betreff: Re: Fritz der Held
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Nun denn. Elfriede zieht sich wieder zurück. Die alten Diskutierer scheinen nicht mehr anwesend zu sein und so macht es keinen Spaß, als Forengespenst durch die Threads zu huschen. Schade. Es war eine schöne Zeit, als man sich auf mich besann. Vielleicht besucht mich mal jemand auf meiner Heimseite?
Ganz alleine Elfriede Kupphausen
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I.R
Ehemaliges Mitglied
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Erstellt: 04.03.07, 21:04 Betreff: Re: Fritz der Held
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Nun ist er wieder eingekehrt, der Alltag. Für viele heißt das: Kein Handball. Vielleicht wird eine Augenbraue anerkennend hochgezogen, wenn die Bundesligaergebnisse erwähnt werden oder der Einzug ins Chamions-Leaque-Halbfinale zu verkünden ist.
Einige werden möglicherweise etwas intensiver am "Ball" bleiben und auch schonmal auf DSF die Niederlage der Gummersbacher live miterleben. Sicher, die Kölnarena, einst Bühne des WM-Schauspiels, war gut gefüllt, wie beim Sieg gegen Flensburg am Mittwoch auch, aber das war sie schon vor der WM bei Spitzenspielen, nur haben es damals nicht so viele mitbekommen.
Was bleibt als Nachklang der WM für den Handball hängen? Zeitungen berichten vom Run der Jugend in die Handballklubs - Journalisten eben, leben in ihrer eigenen Welt und bestätigen ihre eigenen Vorstellungen. Auch Verbandsfunktionäre reden davon, die sind auch gern weit weg von der Wirklichkeit.
Jugendhandball ist vor allem Engagement von Trainern und Eltern. Die Suche nach einem Trikotsponsor endet dort, wo unter den Eltern ein Selbstständiger ist, der als selbstloser Spender seinen Werbeetat nutzt oder jemand bei einer großen Firma arbeitet und ein paar €uro loseisen kann. Sie endet dort heißt auch, ist keiner unter den Eltern, werden die Trikots eben auch noch ein 6. oder 7. Jahr getragen. Gewaschen werden sie natürlich auch reihum von den Eltern, die neben dem Trainergespann auch den Fahrdienst zu den Auswärtsspielen übernehmen. Im kleineren Jugendbereich klappt das vorbildlich, sind doch Mama und Papa noch gern bei den Auftritten ihrer Sprößlinge dabei. Werden letztere größer, verliert sich dieses Interesse, und es wird eng. Die Trainer werden aus den sportlicheren unter den Eltern rekrutiert. Einem Crashkurs in Regelkunde folgen dann Einsätze als Schiedsrichter, Zeitnehmer, Sekretär; nichts, womit Anerkennung zu ernten ist, eher das Gegenteil. Muttis verkaufen selbstgebackenen Kuchen, heiße Würstchen und Kaffee zugunsten der mehr als schmalen Vereinskasse.
Letzte Woche waren wieder zwei neue Mädchen beim Training, nicht der WM-Boom brachte sie in die Halle, die Mundpropaganda der Kids in der Schule, die Berichte vom Training und dem Spiel (manchmal auch vom Sieg) am Wochenende, Montags in der großen Pause waren es.
Womit wir bei dem Sonntag wären, dem Tag, welchen einige der "Verrückten" mehr oder weniger komplett in der Halle verbringen. Morgens gegen 10:00 Uhr beginnt es meist mit den Anfängern oder der F-Jugend, bis 8 Jahre alte Zwerge, für die so eine Handballhalle ungefähr die Größe eines Flugzeughangars hat. Eine Stunde vorher sind Trainer und Organisatoren zur Stelle, schließen die Umkleidekabine auf, schleppen Turnbänke, richten Tore auf, klappen Basketballkörbe weg. Nach den Kleinsten kommen die "Größeren", immerhin schon 9 oder 10 Jahre alte Mädchen oder Jungen, und so weiter, bis nach dem letzten Spiel die Sonne zwischen Oktober und März schon wieder untergegangen ist. Und zwischendrin immer die Trainer, die bei einem Spiel pfeifen, beim nächsten auf der Bank sitzen, beim dritten am Zeitnehmertisch und beim vierten rein interessehalber auf der Tribüne.
Zwischen diesen Sonntagen ist Trainingsalltag. Auch nicht einfach für so einen Trainer. Meist sind die Hallenzeiten arg gefragt und nicht jeder schafft es, nach seinem Job um 15:30 in der Halle zu stehen. Eigentlich ist dies eine Sache, welche höchstens Lehrer oder (andere) Vorruheständler bewältigen können. Dann gilt es, Grundlagen zu schaffen, womit ich bei der Kinderbetreuung bin. Man mag ja von Kindertagesstätten halten, was man mag, aber in den gleichgeschalteten DDR-Kindergärten war das Kind, welches keine Rolle vorwärts beherrschte, ungefähr so häufig wie der katerfreie Karnevalist nach dem Rosenmontag, praktisch also nicht vorhanden. Für mich ist es teilweise erschreckend, welche körperlichen Voraussetzungen die Kiddies mibringen. Vorwärts-, Seitwärts-, Rückwärtslaufen, Hopserlauf, einen Ball werfen und fangen, alles Grundlagen, die erst geschaffen werden müssen. Nur mit Grausen mag ich an die Kinder denken, welche in keinem Sportverein landen und keine großen Brüder haben.
Bis so ein Florian Kehrmann Weltmeister wird, haben viele Menschen eine Menge getan, die Meisten davon unentgeltlich und unter Einsatz eigener Mittel. In über 5.000 Vereinen in Deutschland.
DEN großen Vorteil des Handballsports erlebte ich letzten Sonntag beim Auswärtsspiel. Es regnete so sehr, dass ich, nachdem ich die 50 Meter vom Parkplatz zur Halle absolviert hatte, wie frisch geduscht aussah. Die Fußballeltern, die sich auf dem Platz nebenan um ihre Kids kümmerten, habe ich nicht ein bisschen beneidet.
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