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gekappte linde (tatsächlich geschehen)

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wolfeye
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 04.05.06, 11:16  Betreff: gekappte linde (tatsächlich geschehen)  drucken  Thema drucken  weiterempfehlen

Gekappte Linde (eine Geschichte, nachträglich zum 1. Mai)

Wie gut die Heilwirkung von Honig auch bei Bäumen ist, möchte ich Euch nachfolgend berichten.

Vor drei Jahren, in der Nacht zum ersten Mai, haben irgendwelche Volltrottel in meinem letzten Wohnortes mangels eines nichtvorgefundenen Maibaumes, einfach eine relativ junge Linde (Stammdurchmesser ca. 20 cm) umgesägt. Dieser wunderschöne Baum lag nun am Boden und war nur noch mit einem kümmerlichen Rest der Rinde mit dem Stumpf verbunden.
Die Dorfbevölkerung wollte diese Linde völlig kappen und entsorgen. Da ich aber nun mal ein Baumfetischist bin (jeder so seine Neigung ) und ich den Baum nicht so einfach aufgeben wollte, grübelte ich nach und stierte dabei ständig auf ein Glas Honig (ein Geschenk meiner damaligen Bienenvölker).
Ich weiß noch heute nicht, ob es Eingebung oder nur eine irre Idee von mir war, aber irgendwann “glaubte” ich, dass dieser Honig auch dem Baum helfen würde.
Ich weiß schon, “der Wolf spinnt” ...so oder ähnlich denken jetzt sicherlich einige von Euch ... damals auch andere.... egal.

Ich, bewaffnet mit meinem Glas Honig, etwas Kokosseil und einer guten Astschere, bin also zu einem befreundeten Bauern und erzählte ihm von meinem Vorhaben, diesen Baum zu retten. Der Bauer, genauso irr wie ich, legte einige dicke Spaxschrauben in Spiritus (zur Desinfizierung), sattelte seinen Schlepper mit Frontladegerät und ging mit mir gemeinsam zur “Operationstelle”.

Zunächst Schnitt ich die Wundränder sauber und schmierte diese und die ganze Wundfläche ordentlich mit Honig ein. Dann legten wir dem Baum ein Stahlseil um die Krone, banden dieses an den Frontlader (ich setzte mich in die Schaufel) und gemeinsam hoben wir die Linde wieder auf den Stumpf (muss ganz schön bescheuert ausgesehen haben, als ich dann letztendlich Kopfüber, zottelig und völlig verdreckt, aus der Schaufel hing und das ganze mit meine Händen korrigierte und steuerte) . Mit den Spaxschrauben und einigen Eisenbändern “schienten” wir das Ganze und verzurrten/fixierten den ganzen Baum mit Stahlseilen an drei Seiten im Boden. Zu guter Letzt wässerte ich noch die Kokoseile, “verband” die Wundstelle damit und schnitt aus der Krone noch einige dicke Äste (damit “die Nahrung” weniger in die Krone geht, sondern mehr in den Stamm)
Ich war mir damals nicht ganz sicher, ob es funktioniert und der Rest der Dorfbevölkerung lächelte etwas Mitleidig (auch teilweiße völlig verblödet) auf unser Vorhaben und auf unsere Mühen, aber die ganze Aktion lohnte sich dennoch, denn die Linde steht noch heute. Sie hat an der ehemaligen Wunde, an der Rinde, eine sehr dicke “Kallusschicht” gebildet (die immer dicker und stärker wird) und der Baum steht mittlerweile ohne Hilfe/Unterstützung von Seilen, Schrauben und Bändern wieder alleine.

Cool, oder?

Das Beste an der Geschichte ist aber, dass ein Jahr später, zur Zeit der Schwarmflüge der Bienen, ein ganzes Volk in der Krone dieser Linde hing und ich es mir holen durfte.

Irgendwie und irgendwann bekommt man doch alles wieder zurück, alles was man gutes oder schlechtes macht, egal was .... So empfand ich es zumindest damals und tue es noch heute ..... auch wenn es manchmal eben seine Zeit braucht. ;)

(Bei dieser ganzen Aktion war damals auch meine ehemalige Lebensgefährtin aktiv - und auch bei meiner im Vorlauf "irren Überlegung" - dabei ... dies muss und will ich erwähnen, denn ganz so doof wie sie heute ist, war sie damals noch nicht )


die natur kennt keine anstößigkeiten; der mensch erfindet sie
.... genauso ist es.



die natur kennt keine anstößigkeiten; der mensch erfindet sie.

http://www.baumveteranen.de/

www.bad-butterfly.de (radio von miniwolf alias schlumpfinchen17)


[editiert: 04.05.06, 11:38 von wolfeye]
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wolfeye
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 04.05.06, 11:47  Betreff: Re: gekappte linde (tatsächlich geschehen)  drucken  weiterempfehlen

hätte die linde nicht mehr an ihrem kümmerlichen rest rinde gehangen, wäre das ganze schief gelaufen .... davon bin ich überzeugt.
aber durch eben diesen rest, bestand zumindest noch eine "ader", die sich "aufbauen" lies.

auch darüber kann und sollte man nachdenken.



die natur kennt keine anstößigkeiten; der mensch erfindet sie.

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*Martha*
Ehemaliges Mitglied


New PostErstellt: 09.07.06, 14:30  Betreff: Re: gekappte linde (tatsächlich geschehen)  drucken  weiterempfehlen

Bäume
schreien nicht,
stöhnen nur
wenn
die Axt sie trifft.

Fische
weinen nicht,
sterben stumm,
wenn das Gift
sie frisst.

Flüsse
klagen nicht,
tragen schwer
Dreck
und Tod
mit sich.

Bäume, Fische,
Vögel, Blumen,
Wasser,
Luft und Erde
fragen stumm:

Wann
schreit ihr
für uns?
Wann
schreit ihr?
Wann?



Jedenfalls ist es besser, ein eckiges Etwas zu sein als ein rundes Nichts.
(Friedrich Hebbel)
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